Login
Analyse

Große europäische Maisernte reduziert Importe

von , am
04.11.2014

Die Europäische Kommission hat zum Monatswechsel ihre Rekordprognose für die europäische Maisernte bestätigt. Die Maispreise haben im Oktober am europäischen Kassamarkt etwas zugelegt.

Die Maispreise folgen momentan dem Trend aus den USA-nämlich abwärts. © Fritz/agrarheute.com
Die Europäische Kommission hat zum Monatswechsel ihre Rekordprognose für die europäische Maisernte bestätigt. Mit 71,8 Mio. t liegt die Kommissions-Schätzung allerdings am unteren Ende der übrigen Analystenschätzungen. Gleichzeitig ist erwartete Erntemenge erheblich größer als 2013 und der bisherige europäische Produktionsrekord aus dem Jahr 2011 wird deutlich übertroffen. Den europäischen Importbedarf hat die Kommission wegen der großen Ernte und wegen des reichlich verfügbaren Futterweizen nochmals reduziert. Der Verbrauch von Futtermais wird wegen der gestiegenen Weizenpreise nach oben korrigiert. Die Endbestände wachsen im neuen Wirtschaftsjahr deshalb nicht ganz so stark wie vor vier Wochen erwartet. Die Maispreise haben im Oktober am europäischen Kassamarkt etwas zugelegt.
 
Kommission liegt am unteren Ende der Prognosen
Die EU-Kommission veranschlagt die europäische Maisernte 2014 zum Monatswechsel auf 71,8 Mio. t. Das ist eben so viel wie die Kommission im September (71,8 Mio. t) erwartet hatte. Im Vergleich zur Ernte 2013 von 65,2 Mio. t wäre dies jedoch ein Produktionszuwachs von 6,6 Mio. t oder etwa 10 %. Gleichzeitig würden die Landwirte in der EU eine neue Rekordernte einbringen. Der bisherige Rekord von 68,6 Mio. t stammt aus dem Jahr 2011/12. Die Erntefläche von Mais veranschlagte die Kommission Ende Oktober auf 9,68 Mio. ha und damit etwas größer als im September (9,54 Mio. ha) und ähnlich groß wie im Vorjahr (9,65). Die durchschnittlichen Erträge werden bei 7,4 t/ha erwartet und damit etwas niedriger als in der September-Prognose mit 7,5 t/ha in jedoch deutlich höher als im letzten Jahr (2013) mit 6,8 t/ha. Mittlerweile liegt die Kommission mit ihrer Schätzung zur neuen Maisernte am unteren Ende der Prognosen anderer europäischer und intentionaler Analysten wie etwa Strategie Grains (73,3 Mio. t), ADM/Töpfer (73,6 Mio. t) und dem IGC (72,9 Mio. t) die zuletzt alle nach oben korrigiert wurden.
{BILD:143231:jpg} 
Importe werden weiter nach unten korrigiert
Bei den Maisimporten erwartet die Kommission in diesem Wirtschaftsjahr einen kräftigen Rückgang um fast 50 Prozent. Dabei hat die Kommission die erwartete Importmenge Ende Oktober nochmals um 1,0 Mio. t nach unten korrigiert. Mit geschätzten 8,0 Mio. t (Sept: 9,0 Mio. t) ist die derzeit erwartete Importmenge 7,0 Mio. oder 47 Prozent kleiner als die Rekordmenge die die Kommission für die letzte Saison ausweist (15,0 Mio. t). Das USDA erwartet für die neue Saison Importe von 7,0 Mio. t (Sept 10,0 Mio. t), und der IGC geht nur noch von 6,0 Mio. t aus (Sept: 7,5 Mio. t). Nach Einschätzung der Kommission sollen die Endbestände von 14,7 Mio. t am Ende der letzten Saison um fast 20 Prozent auf 17,8 Mio. t (Sept: 20,0 Mio. t) zum Ende der aktuellen Saison anwachsen.
 
Einsatz im Tierfutter etwas kleiner als 2013
Der Einsatz von Mais in der Tierfütterung geht im aktuellen Wirtschaftsjahr trotz der größeren Maisernte etwas zurück. Grund dürfte die sehr große Weizenernte und der höhere Verbrauch von Futterweizen sein. Allerdings schrumpft der Futterverbrauch (wegen der gestiegenen Weizenpreise) mit 59,8 Mio. t nicht so deutlich wie im September (58,8 Mio. t) erwartet. Dennoch bleibt der Einsatz in der Tierfütterung kleiner als in der letzten Saison mit 60,6 Mio. t. Der Export von Mais aus der EU erreicht nach Meinung der Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr 2,0 Mio. t nach 3,1 Mio. t in der letzten Saison. Für die Herstellung von Bioethanol werden nach der aktuellen Prognose der Kommission 3,6 Mio. t Mais eingesetzt und damit 0,3 Mio. t mehr als im Vorjahr.
 
Maispreise am Kassamarkt gestiegen
Am europäischen Terminmarkt haben sich die Maispreise im Oktober um die Marke von 140 Euro behauptet. Am 03. November lagen die Maispreise am europäischen Terminmarkt bei 142 Euro und waren damit ähnlich hoch wie vor vier Wochen. Im letzten Jahr (2013) kostete der Mai am Terminmarkt Anfang November 179 Euro und damit rund 37 Euro oder 26 Prozent mehr. Am Kassamarkt lagen die Maispreise fob-Oberrhein  am 03. November zwischen 144 und 145 Euro und damit 5 bis 7 Euro höher als vor vier Wochen (138 und 139 Euro/t). Inländischer Mais zur Anlieferung im November kostete am Großmarkt in Mannheim 140 bis 146 Euro (Okt: 130 bis 135). In Frankreich bewegten sich die Maispreise im Großhandel (fob Bordeaux) Anfang November bei 146 Euro/t und waren damit 6 Euro höher als vor vier Wochen (140 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
Auch interessant