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Analyse

IGC: Maisernte noch größer, Bestände auf 15 Jahreshoch, Preise auf 4Jahrestief

von , am
01.09.2014

Die kommende globale Maisernte wird fast so riesig wie die Rekordernte aus dem letzten Jahr. In Europa sind Maispreise auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2010 also seit gut 4 Jahren.

© marshi/aboutpixel.de
Die kommende globale Maisernte wird fast so riesig wie die Rekordernte aus dem letzten Jahr. Zu dieser Einschätzung kommt Ende August der Internationale Getreiderat (IGC) in seiner Ernteprognose. Dabei hat der IGC seine Ernteschätzung im Vergleich zur Juli-Prognose nochmals um knapp 6 Mio. t nach oben korrigiert. Im Vergleich zur Rekordernte aus dem Vorjahr sehen die IGC-Analysten die globale Produktion nur noch 1 % oder knapp 9 Mio. t kleiner. Trotz dieser weiteren Aufwärtskorrektur bleibt der IGC aber immer noch 12 Mio. t unter den Erwartungen des USDA, das die globale Maisernte auf den neuen Rekordwert von 985 Mio. t veranschlagt. Der Unterschied zwischen beiden Schätzungen hat allerdings auch methodische Gründe, nämlich in der zeitlichen Zuordnung (Wirtschaftsjahr) der südamerikanischen Ernte. Gleichwohl führt die erwartete Riesenernte auch nach der Einschätzung des IGC zu einem sehr kräftigen Anwachsen der globalen Bestände sowie einem neuen Rekord beim Maisverbrauch. Die Maispreise sind von Mai bis Juli in USA um etwa 30 % gefallen und haben sich dann im August mehr oder weniger behauptet. In Europa sind die Preise von Mai bis Juli um gut 20 % gefallen und haben im August nochmals leicht um etwa 2 % nachgegeben. In Europa befinden sich Maispreise damit auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2010 also seit gut 4 Jahren.
 
Produktion kräftig nach oben korrigiert
Die vom IGC für die neue Saison 2014/15 erwartete Maisernte ist noch rund 9 Mio. t 1,0 % kleiner als die Rekordernte der zurückliegenden Saison 2013/14. Mit rund 973 Mio. t wäre die neue Ernte die zweitgrößte bislang überhaupt eingebrachte globale Maisernte. Gegenüber der Juli-Schätzung (967 Mio. t) hat das IGC die erwartete Produktion um weitere 6 Mio. t nach oben gesetzt. Die neue US-Maisernte erwartet der IGC jetzt bei 355 Mio. t und damit 2 Mio. t größer als noch im Juli und auch größer als die bisherige Rekordernte aus dem letzten Jahr von 353,7 Mio. t. Das USDA schätzte die kommende US-Ernte Mitte August auf 356,4 Mio. t und damit ebenfalls so groß wie im Vorjahr. Private Analysten erwarten wegen des hohen Ertragspotentials noch eine weitere Aufwärts-Korrektur der neuen US-Ernte im September.
 
Rekordernten in China und in der EU möglich
Eine Maisproduktion von 220 Mio. t erwartet die IGC-Analysten Ende August für China. Damit haben die IGC-Analysten ihre Prognose gegenüber dem Vormonat unverändert gelassen und liegen rund 2,0 Mio. t unter der letzten Schätzung des USDA (222 Mio. t). Im Vergleich zur letzten Ernte (218,5 Mio. t) wäre die IGC-Prognose rund 1,5 Mio. t größer und ein neuer Produktionsrekord. Dennoch erwartet der IGC (und das USDA) für die Chinesen relativ stabile Importe von 3,5 Mio. t. (USDA: 3,0 Mio. t) nach 3,5 Mio. t im letzten Jahr. Für die Europäische Union hat der IGC die Erntemenge im August auf 67,8 Mio. t angehoben, nach 66,4 Mio. t in der Juli-Prognose und 64,0 Mio. t im Vorjahr. (Der bisherige europäische Rekord von 68,1 Mio. t stammt aus dem Jahr 2008). Damit schätzt der IGC die europäische Ernte auf einem ähnlichem Niveau wie das USDA (67,0 Mio. t). Den europäischen Import sieht der IGC bei 9,0 Mio. t (Juli: 9,0 Mio. t) nach dem Rekordwert von 15,5 Mio. t im letzten Jahr. Das USDA hält weiterhin Importe von 11,0 Mio. t für wahrscheinlich.
 
Gute Ernten in Südamerika und der Ukraine
Die letzte südamerikanische Ernte war sowohl in Brasilien als auch Argentinien kleiner als die Rekordernten aus dem Vorjahr. Im Unterschied zum USDA ordnet der IGC die letzten Ernten in Südamerika jedoch dem Wirtschaftsjahr 2014/15 zu, während das USDA diese Ernten noch dem zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 zuschlägt. Die letzte und vom IGC der  neuen Saison 2014/15 zugeordnete Ernte Brasiliens, schätzen die IGC-Analysten auf 78,5 Mio. t (Juli: 77 Mio. t),  nach einer Rekordernte von 81,5 Mio. t im Jahr zuvor. Für Argentinien unterstellen die IGC-Analysten ebenfalls einen Produktionsrückgang von 28,0 Mio. t auf 24,0 Mio. t. Für die Ukraine erwartet der IGC eine ähnlich große Ernte wie das USDA. Anstelle der Rekordernte aus 2013 von 30,9 Mio. t geht der IGC für 2014 von einer Produktion von 27,5 Mio. t  aus (USDA: 27,0 Mio. t). Das sind allerdings rund 1,0 Mio. t mehr als in der Juli-Prognose des IGC (26,5 Mio. t. 
 
Exporte etwas kleiner als im letzten Jahr
Leicht nach oben korrigiert hat der IGC im August seine Erwartungen an die globalen Handelsmengen. Die Gesamtausfuhren sollen nach Einschätzung des IGC bei rund 115,9 Mio. t (Juli: 115,4 Mio. t) liegen und damit etwas unter den 118 Mio. t aus dem letzten Wirtschaftsjahr. Die Ausfuhren Brasiliens sollen für 2014/15 bei etwa 21,0 Mio. t (Juli : 20,5 Mio. t) liegen, nach 24,9 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2013/14 und die Exporte Argentiniens sollen auf 15,0 Mio. t von zuvor 18,6 Mio. t zurückgehen. Die Exporte der USA schrumpfen nach der IGC-Prognose im Wirtschaftsjahr 2014/15 auf 43 Mio. t (Juli : 42,0 Mio. t) von 47,3 Mio. t. Für die Ukraine sieht der IGC die Ausfuhrmenge bei 17,5 Mio. t (USDA: 16,0 Mio. t), nach der Rekordausfuhr von 20,0 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr.
 
Bestände auf 15Jahreshoch, Verbrauch wächst kräftig
Die Folge der erwarteten großen Ernte ist ein weiterer Aufbau der globalen Bestände. Gleichzeitig nimmt jedoch auch der Verbrauch kräftig zu. Ende August geht der IGC davon aus, dass die Endbestände weiter kräftig anwachsen werden. Erwartet wird ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 17 Mio. t auf etwa 190,1 Mio. t (Juli: 186,7 Mio. t). Das wäre der größte Endbestand seit 1999 also seit 15 Jahren. Der Verbrauch soll um etwa 13 Mio. t auf 955,4 Mio. t (Juni: 951 Mio. t) von zuvor rund 941 Mio. t zunehmen. Damit würde die globale Verbrauchsmenge einen neuen Rekordwert erreichen. Das USDA rechnet für 2014/15 sogar mit einem deutlich höheren Verbrauch von 969 Mio. t.
 
Exportpreise in Südamerika noch niedriger als in den USA
In den USA sind die Maispreise von Anfang Mai bis Ende Juli um gut 30 % bzw. umgerechnet 55 Euro gefallen. Im August blieben die Kurse dann relativ stabil. In Europa haben die Maispreise nach einem Zwischenhoch Ende Mai bis Ende Juli um etwa 20 % oder 37 Euro/t nachgegeben. Im August sind Preise dann nochmals leicht um weiter 2 % zurückgegangen. Ende August kostete der Mais am Terminmarkt in Chicago umgerechnet 108 Euro/t (Septemberkontrakt). In Europa lagen die Maispreise Ende Juni am Terminmarkt bei knapp 152 Euro (Novemberkontrakt). Die Exportpreise für US-Mais lagen zum Monatswechsel am US-Golf bei 190 USD/t (145 Euro/t) für den September und bei 193 Euro (147 Euro) für den Oktober. An den brasilianischen Exporthäfen kostete Mais zur Verladung im September rund 177 USD/t (135 Euro) und in Argentinien wurden Exportpreise von rund 176 USD/t (134 Euro) genannt.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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