Login
Analyse

IGC/Mais: Rekordernten in den USA und Europa

von , am
26.09.2014

Der Internationale Getreiderat hat die Erwartungen an die neue globale Maisernte Ende September ein weiteres Mal nach oben korrigiert.In Europa haben die Preise für die neue Ernte im September um etwa 12 % nachgegeben.

© Schollen/landpixel.de
Der Internationale Getreiderat (IGC) hat die Erwartungen an die neue globale Maisernte Ende September ein weiteres Mal nach oben korrigiert. Allerdings gab es diesmal nicht nur Aufwärtskorrekturen (USA, EU) sondern für China, für die Ukraine und Argentinien, wurden die Produktionserwartungen gesenkt. Dennoch reagierte der Terminmarkt in den USA auf die neuen Daten am Donnerstag (25.09) mit weiteren Preisabschlägen und die US-Maispreise behaupteten sich nur ganz knapp über der Marke von umgerechnet 100 Euro/t (326 Ct/bu). In den USA sind Maispreise im September um gut 10 % gefallen. In Europa haben die Preise für die neue Ernte im September um etwa 12 % nachgegeben. Die europäischen Maispreise befinden damit auf dem niedrigsten Stand seit März 2010.
 
Produktion noch etwas größer
Mit rund 974 Mio. t wäre die neue Ernte die zweitgrößte bislang überhaupt eingebrachte globale Maisernte. Gegenüber der August-Schätzung (972,7 Mio. t) hat das IGC die erwartete Produktion um 1,5 Mio. t nach oben gesetzt. Die vom IGC für 2014/15 erwartete globale Maisernte ist damit jedoch rund 9 Mio. t kleiner als die Rekordernte der zurückliegenden Saison 2013/14. Damit bleibt der IGC auch 14 Mio. t unter den Erwartungen des USDA. Die US-Analysten hatten die globale Maisernte im September auf den neuen Rekordwert von 988 Mio. t veranschlagt. Die Differenz zwischen beiden Schätzungen hat allerdings vor allem methodische Gründe, nämlich in der unterschiedlichen zeitlichen Zuordnung (Wirtschaftsjahr) der südamerikanischen Ernte. Die neue US-Maisernte erwartet der IGC jetzt bei 360 Mio. t und damit 5 Mio. t größer als noch im August und ebenfalls größer als die bisherige Rekordernte aus dem letzten Jahr von 353,7 Mio. t. Das USDA schätzte die kommende US-Ernte Mitte September sogar auf 366 Mio. t und damit 12 Mio. t größer als im Vorjahr.
 
Rekordernte in der EU, Abwärts-Korrektur in China
Für die Europäische Union hat der IGC die Erntemenge im August auf 70,7 Mio. t angehoben, nach 67,8 Mio. t in der August-Prognose und 64,0 Mio. t im Vorjahr. (Der bisherige europäische Rekord von 68,1 Mio. t stammt aus dem Jahr 2008). Damit schätzt der IGC die europäische Ernte auf einem ähnlichem Niveau wie die meisten europäischen Analysten jedoch größer als das USDA (68,3 Mio. t). Den europäischen Import sieht der IGC nur noch bei 7,5 Mio. t (August: 9,0 Mio. t) nach dem Rekordwert von 15,8 Mio. t im letzten Jahr. Das USDA hielt zuletzt noch Importe von 10,0 Mio. t für möglich. Eine Maisproduktion von 215 Mio. t erwartet die IGC-Analysten Ende September für China. Damit haben die IGC-Analysten ihre Prognose gegenüber dem Vormonat um 5 Mio. t gesenkt und liegen rund 2,0 Mio. t unter der letzten ebenfalls nach unten korrigierten Schätzung des USDA (217 Mio. t). Im Vergleich zur letzten Ernte (218,5 Mio. t) wäre die IGC-Prognose rund 3,5 Mio. t kleiner. Dennoch erwartet der IGC (und das USDA) für die Chinesen relativ niedrige Importe von 3,0 Mio. t. (USDA: 3,0 Mio. t) nach 3,5 Mio. t im letzten Jahr.
 
Etwas weniger Mais in der Ukraine, Gute Ernten in Südamerika
Für die Ukraine erwartet der IGC eine etwas größere Ernte als das USDA. Anstelle der Rekordernte aus 2013 von 30,9 Mio. t geht der IGC für 2014 von einer Produktion von 27,0 Mio. t aus (USDA: 26,0 Mio. t). Das sind rund 0,5 Mio. t weniger als in der August-Prognose des IGC (27,5 Mio. t). Die letzte südamerikanische Ernte (Frühjahr bis Sommer 2014) war sowohl in Brasilien als auch Argentinien kleiner als die Rekordernten aus dem Vorjahr. Der IGC ordnet die zurückliegenden Ernten in Südamerika methodisch allerings dem neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 zu, während das USDA diese Ernten noch dem zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 zuschlägt. Die bereits eingebrachte und vom IGC der neuen Saison 2014/15 zugeordnete Ernte Brasiliens, schätzen die IGC-Analysten auf 79,9 Mio. t (August: 78,5 Mio. t), nach einer Rekordernte von 81,5 Mio. t im Jahr zuvor. Für Argentinien unterstellen die IGC-Analysten eine zurückliegende Ernte von 24,0 Mio. t (nach 28,0 Mio. t im Jahr zuvor) und erwarteten für das nächste Frühjahr eine Ernte von 23,0 Mio. t und damit 2 Mio. t weniger als in der Augustschätzung (25 Mio. t).
 
Weniger Exporte als im letzten Wirtschaftsjahr
Etwas nach unten korrigiert hat der IGC im September seine Erwartungen an die globalen Handelsmengen. Die Gesamtausfuhren sollen nach Einschätzung des IGC bei rund 114,9 Mio. t (August: 115,9 Mio. t) liegen und damit unter den 120 Mio. t aus dem letzten Wirtschaftsjahr. Die Ausfuhren Brasiliens sollen für 2014/15 bei etwa 21,0 Mio. t (August : 21,0 Mio. t) liegen, nach 24,9 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2013/14 und die Exporte Argentiniens sollen auf 15,0 Mio. t von zuvor 18,6 Mio. t zurückgehen. Die Exporte der USA schrumpfen nach der IGC-Prognose im Wirtschaftsjahr 2014/15 auf 43 Mio. t (August : 43,0 Mio. t) von 48,5 Mio. t. Für die Ukraine sieht der IGC die Ausfuhrmenge bei 17,5 Mio. t (USDA: 16,0 Mio. t), nach der Rekordausfuhr von 20,0 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr.
 
Bestände auf 15Jahreshoch, Verbrauch auf Rekordstand
Die Folge der erwarteten großen Ernte ist ein weiteres Anwachsen der globalen Bestände. Gleichzeitig nimmt jedoch auch der Verbrauch kräftig zu. Ende September hat der IGC die erwarteten Endbestände nochmals nach oben korrigiert. Erwartet wird ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 16 Mio. t auf etwa 191,4 Mio. t (August: 190,1 Mio. t). Das wäre der größte Endbestand seit 1999 also seit 15 Jahren. Der Verbrauch soll um etwa 19 Mio. t auf 958,5 Mio. t (August: 955 Mio. t) von zuvor rund 940 Mio. t zunehmen. Damit würde auch die globale Verbrauchsmenge einen neuen Rekordwert erreichen. Das USDA rechnet für 2014/15 sogar mit einem deutlich höheren Verbrauch von 971 Mio. t.
 
Exportpreise in Südamerika und den USA weiter gefallen
In den USA sind Maispreise im September um gut 10 % gefallen. In Europa haben die Preise für die neue Ernte im gleichen Zeitraum um etwa 12 % nachgegeben. In Europa befinden sich Maispreise damit auf dem niedrigsten Stand seit März 2010. Ende September kostete der Dezemberkontrakt für Mais am Terminmarkt in Chicago umgerechnet gerade noch 100 Euro/t (326 Ct/bu). In Europa lagen die Maispreise Ende September am Terminmarkt bei 135 Euro (Novemberkontrakt) und damit 17 Euro oder 12 % niedriger als Ende August (152 Euro). Die Exportpreise für US-Mais lagen Ende September am US-Golf bei 178 USD/t (140 Euro/t) für die Verladung im Oktober und bei 174 Euro (136 Euro) für den Dezember. Das bedeutet in den letzten vier Wochen ein Preisrückgang von etwa 12 USD/t. An den brasilianischen Exporthäfen kostete Mais zur Verladung im Oktober rund 171 USD/t (134 Euro) und in Argentinien wurden Exportpreise von rund 160 USD/t (125 Euro) genannt.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
Auch interessant