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Analyse

Kleinste deutsche Maisernte seit neun Jahren

von , am
08.10.2015

Die deutsche Maisernte 2015 wird erheblich kleiner werden als die Maisernte im vorigen Jahr und auch das langjährige Mitte deutlich verfehlen.

© marshi/aboutpixel.de
 
Die deutsche Maisernte 2015 wird erheblich kleiner werden als die Maisernte im vorigen Jahr und auch das langjährige Mittel deutlich verfehlen. Davon geht Anfang Oktober das Statistische Bundesamt in einer aktualisierten Ernteprognose aus. Die Ernteschätzungen europäischer Analystenhäuser lagen für die deutsche Maisernte hingegen etwas höher als die aktuelle Prognose des Statistischen Bundesamtes.
 
Im September hatte das deutsche Landwirtschaftsministerium die deutsche Maisernte im September hingegen sogar noch etwas kleiner eingeschätzt als die deutschen Statistiker. Die Preise für Körnermais sind in diesem Jahr wegen der schwachen deutschen (und europäischen Ernte) am süddeutschen Kassamarkt hingegen etwa 20 % höher als 2014.
 
Kleinste deutsche Maisernte seit 2006
Die vom Statistischen Bundesamt für 2015 erwartete Körnermaisernte liegt bei 3,81 Mio. t und damit sogar 0,27 Mio. t über der Ernteschätzung des BMEL von 3,57 Mio. t. Im Vergleich zur bislang zweitgrößten deutschen Ernte aus dem vorigen Jahr (5,14 Mio. t) wäre dies ein Rückgang der Produktion um 26 Prozent bzw. 1,33 Mio. t.
 
Der langjährige Durchschnitt (2009/14) von 4,83 Mio. t wird mit der aktuellen Prognose ebenfalls um 11 % oder rund 1,02 Mio. t verfehlt. Im Vergleich zur bisherigen deutschen Rekordernte aus dem Jahr 2012 (5,5 Mio. t) wäre die vom Statistischen Bundesamt erwartete Maisernte sogar um 31 Prozent oder 1,7 Mio. t kleiner. Außerdem wäre dies die kleinste deutsche Körnermaisernte seit dem Jahr 2006 (3,2 Mio. t) also seit 9 Jahren.
 
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Erträge deutlich niedriger als 2014, Fläche kleiner
Hauptgrund für die sehr kleine deutsche Maisernte sind die im Vergleich zum Vorjahr und auch zum langjährigen Mittel drastisch eingebrochenen Erträge. Im Durchschnitt ernteten die deutschen Landwirte nach den Daten des Statistischen Bundesamtes nur 83 dt/ha, und damit 23 Prozent weniger als im letzten Jahr mit 107,6 dt/ ha. Gleichzeitig wird der langjährige Ertragsdurchschnitt von 99,9 dt/h in um 17 % verfehlt. Außerdem wären dies die schwächsten deutsche Maiserträge seit dem Jahr 2006 (80 dt/ha) also seit 9 Jahren.
 
Auch die Anbaufläche ist nochmals etwas kleiner als 2014. Mit rund 459.000 ha erwartet das Statistische Bundesamt die Erntefläche nochmals 22.000 ha bzw. 4,5 % kleiner als 2014. Im Vergleich zur bisher größten Maisfläche von 2012 mit 526.000 ha, beträgt der Rückgang sogar 13 Prozent oder 67.000 ha und auch das langjährige Mittel von 487.000 ha wird 2015 deutlich verfehlt.
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Ernte dürfte vor allem im Süden einbrechen
Offizielle Erntedaten aus den Bundesländern liegen zu diesem Termin noch nicht vor. Die vier mit Abstand größten Maisproduzenten in Deutschland sind jedoch Bayern, NRW, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Im vorigen Jahr brachten diese vier Länder zusammen mehr als 80 Prozent der deutschen Maisernte ein. In diesem Jahr dürften vor allem die beiden großen süddeutschen Haupterzeuger von Körnermais deutlich kleinere Ernten einfahren als 2014, während die Erntemengen in NRW und Niedersachsen nicht so deutlich hinter dem Vorjahresergebnissen zurückbleiben dürften.
 
Völlig anders als bei Silomais dürfte auch die Ertragsentwicklung bei Körnermais nicht sein. In Bayern brach die Silomaisproduktion in diesem Jahr um 26 % ein und in Baden-Württemberg um 20 %. In Niedersachsen war die Silomaisernte hingegen nur 1 % kleiner als 20104 und in NRW betrug der Rückgang nur 0,8 %. Im Jahr 2014 lagen die Erntemengen bei Körnermais in Bayern bei 1,44 Mio. t, in NRW bei 1,2 Mio. t,  in Niedersachsen bei 0,85 Mio. t und in Baden-Württemberg bei 0,83 Mio. t.
 
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Deutscher Importbedarf bei Mais ist sehr hoch
Nach den Berechnungen der BLE bewegte sich der deutsche Bedarf/Verbrauch von Körnermais in Deutschland in den letzten Jahren zwischen 7,0 Mio. t rund 7,5 Mio. t. Die Erntemenge deckt also nur die Hälfte des deutschen Bedarfs/Verbrauchs. Bei jährlichen deutschen Maisausfuhren (in andere EU-Länder) von etwa 1,7 bis 1,9 Mio. t, waren Maisimporte nach Deutschland von 3,8 bis 3,9 Mio. t nötig. Das entspricht in diesem Jahr der gesamten deutschen Erntemenge.
 
Der Einsatz von Mais in der Tierfütterung bewegte sich in den letzten Jahren zwischen 4,5 Mio. t und 5,2 Mio. t. In den Nahrungssektor flossen etwa 1,6 Mio. t Mais und zur energetischen Nutzung wurden in Deutschland 0,3 bis 0,4 Mio. t Körnermais eingesetzt.
 
Maispreise  deutlich höher höher als 2014
Die Preise für Körnermais sind in Deutschland und Europa deutlich höher als 2014. Für Körnermais wurden Anfang Oktober in Süddeutschland (Mannheim) Großhandelspreise von 167 Euro/t und 169 Euro/t notiert. Im vorigen Jahr bewegten sich die Preise in Süddeutschland (Mannheim) zum gleichen Termin zwischen 135 Euro/t und 140 Euro/t und waren also rund 30 Euro bzw.17 % niedriger .
 
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Am europäischen Terminmarkt liegen die Maispreise für die neue Ernte (November) derzeit bei etwa 166 Euro. Im vorigen Jahr wurden zum gleichen Zeitpunkt 143 Euro notiert und damit 23 Euro oder 16 Prozent weniger. Vom größten innereuropäischen Mais-Exporteur Frankreich, wurden Anfang Oktober am wichtigsten Handelsplatz in Bordeaux für die neue Ernte Maispreise von 156 Euro gemeldet, nachdem man im vorigen Jahr zum gleichen Termin 136 Euro notiert hatte.
 
Dr. Olaf Zinke
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