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Analyse

Kleinste europäische Maisernte seit 8 Jahren

von , am
31.08.2015

Zum Monatswechsel hat die EU-Kommission ihre Prognose zur europäischen Maisernte 2015 noch einmal drastisch gesenkt.

© goccedicolore/fotolia.com
Zum Monatswechsel hat die EU-Kommission ihre Prognose zur europäischen Maisernte 2015 noch einmal drastisch gesenkt. Dabei wurde die Ernteerwartung im Vergleich zur vorigen Schätzung noch einmal drastisch um 6,8 Mio. t bzw. gut 10 % auf nur noch 58,7 Mio. t zurückgenommen. Das wäre die kleinste europäische Maisernte dem Jahr 2007 als die Europäer nur 50,0 Mio. t Mais ernteten.
 
Im Vergleich zur Rekordernte aus dem Vorjahr von 77,8 Mio. t wäre die Maisernte 2015 sogar 19,1 Mio. t bzw. ein Viertel (24,6 %) kleiner. Sehr kräftige Abwärtskorrekturen hat die Kommission im August an den Ernten der großen südosteuropäischen Maiserzeuger und Überschussproduzenten Rumänien und Ungarn sowie auch noch einmal in Frankreich vorgenommen. Gleichzeitig blieb die Ernteprognose für Deutschland (noch) unverändert und liegt damit recht deutlich über der aktuellen Ernteschätzung des BMEL. Damit sind jedoch weitere Korrekturen an der europäischen Maisernte nach unten zu erwarteten.
 
Niedrigste Schätzung aller Analysten
Mit der aktuellen Ernteschätzung liegt die EU-Kommission jetzt unter den Prognosen und Erwartungen aller anderen der europäischen und Internationalen Analysten. So ging das europäische Analystenhaus Strategie Grains im August von einer Maisernte von 59,6 Mio. t. Das USDA hatte die europäische Maisernte seiner August-Prognose noch auf 62,2 Mio. t geschätzt uns der Internationale Getreiderat ging Ende August von 60,1 Mio. t aus.
 
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Import zu niedrig angesetzt?
Bei den Maisimporten erwartet die Kommission im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 eine Zunahme auf „nur“ 10,0 Mio. t und damit nur 0,7 Mio. t mehr als in der zurückliegenden Saison 2014/15 auf 9,3 Mio. t. Das UASDA geht im Augst allerdings von Importen von 15,0 Mio. t aus und der Internationale Getreiderat erwartet ebenfalls Einfuhren von 14,5 Mio. t.
 
Gleichzeitig rechnet die Kommission damit, dass die europäischen Endbestände von 22,4 Mio. t am Ende Wirtschaftsjahres 2014/15, auf nur 10,8 Mio. t im neuen Wirtschaftsjahr abschmelzen (sich halbieren). Der Einsatz von Mais in der Tierfütterung nimmt nach Einschätzung der Kommission (trotz der kleineren Ernte) von 60,0 Mio. t auf 61,3 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr zu. Der Export von Mais aus der EU schrumpft hingegen von 3,9 Mio. t auf 2,9 Mio. t in im Wirtschaftsjahr 2015/16.
 
Frankreich: Kleinste Maisernte seit 2006
Für Frankreich, den größten Maisproduzenten und Exporteur der EU, erwartet die Kommission 2015 einen drastischen Einbruch der Produktion. Die französische Maisernte 2015 schätzt die Kommission im August auf 13,5 Mio. t und damit 1,2 Mio. t kleiner als zur letzten Prognose im Juli (14,7). Gleichzeitig wäre die neue Maisernte 5,2 Mio. t bzw. 28 % kleiner als die Rekordernte aus dem 2014 von 18,7 Mio. t. Strategie Grains hat die französische Maisernte im August nur auf 13,3 Mio. t geschätzt und das französische Landwirtschaftsministerium geht von 13,5 Mio. t aus. Weniger Mais hat Frankreich zuletzt im Jahr 2006 geerntet (12,9 Mio. t).
 
Rumäniens Maisernte ein Drittel kleiner
Drastisch nach unten korrigiert hat die EU-Kommission im August auch die Ernteprognose für den derzeit zweitgrößten europäischen Maisproduzenten Rumänien. Die rumänische Maisproduktion 2015 wird derzeit noch bei rund 7,7 Mio. t erwartet. Das wäre im Vergleich zur letzten Schätzung Juli (11,3 Mio. t) eine 3,6 Mio. t kleinere Produktion. Im Vergleich zur sehr großen Ernte aus dem Jahr 2014 (11,3 Mio. t) wäre die jetzt erwarte Erntemenge ebenfalls 3,6 Mio. t bzw. knapp 32 % kleiner. Strategie Grains hatte die rumänische Maisernte im August noch auf 9,1 Mio. t geschätzt und damit deutlich größer.
 
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Ungarische Maisernte schrumpft um 30 %
Für Ungarn hat die EU-Kommission die Erwartungen an die Maisernte 2015 im August ebenfalls noch einmal um 0,9 Mio. t gesenkt. Derzeit geht man noch von einer Produktion von etwa 6,0 Mio. t aus, nach 6,9 Mio. t im Juli. Im Vergleich zur bisherigen ungarischen Rekordernte aus dem Jahr 2014 von 9,3 Mio. t, wäre die jetzt für 2015 erwartete Erntemenge 3,3 Mio. t oder etwa 35 % kleiner. Die Analysen von Strategie Grains hatten die ungarische Maisernte im August auf 6,6 Mio. t und damit 0,6 Mio. t größer geschätzt.
 
Leichte Aufwärtskorrektur für in Italien
Für Italien wurden die Erwartungen an die neue Maisernte 2015 im August hingegen angehoben. Dennoch wird die neue Maisernte deutlich kleiner als im Jahr 2014. Nach der aktuellen Kommissions-Schätzung wird die italienische Maisproduktion 2015 bei etwa 7,6 Mio. t liegen. Das sind 0,3 Mio. t mehr als bei der vorigen Prognose (7,3) erwartet wurden jedoch 1,1 Mio. t oder 13 % weniger als 2014 (8,7 Mio. t). Die Analysen von Strategie Grains hatte im August in ihrer Prognose eine italienische Maisernte von nur 6,7 Mio. t erwartetet und liegen damit deutlich niedriger als die Kommission.
 
Deutsche Maisernte (noch) nicht angepasst
Für Deutschland hat die EU-Kommission die Erwartungen an die Maisernte 2015 im August nicht verändert. Dabei geht man noch von einer Produktion von etwa 4,6 Mio. t aus. Im Vergleich zum Vorjahr (5,1 Mio. t) wäre jetzt für 2015 erwartete Erntemenge 0,5 Mio. t oder etwa 10 % kleiner. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat die deutsche Maisernte zuletzt jedoch nur noch auf 3,57 Mio. t geschätzt und liegt damit unter der Prognose der Kommission. Der Deutsche Raiffeisenband ging im August von einer deutschen Maisernte von 3,9 Mio. t aus.
 
Abwärtskorrektur auch in Polen und Bulgarien
Für unsere polnischen Nachbarn hat die EU-Kommission die Erwartungen an die Maisernte 2015 im August ebenfalls deutlich um 0,4 Mio. t gesenkt. Dabei geht man im August noch von einer Produktion von etwa 3,4 Mio. t aus. Im Vergleich zum Vorjahr (4,0 Mio. t) wäre die jetzt für 2015 erwartete Erntemenge 0,6 Mio. t oder etwa 15 % kleiner. Nach unten ging es auch mit der Ernteschätzung für Bulgarien, nämlich von 3,0 Mio. t (Juli) auf nur 2,5 Mio. t (August). Auch bei den Bulgarien bleibt die Produktion damit deutlich unter dem guten Vorjahresergebnis (2,9 Mio. t).
 
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Maispreise fallen unter Ernteniveau 2014
Am europäischen Maismarkt sind die Preise trotz der schrumpfen Ernteerwartungen im August um etwas 10 % von 185 Euro zum Monatsbeginn auf etwa 167 Euro kurz vor dem gefallen. Das sind die niedrigsten Preise seit Juni 2015. Ursache für die Preisschwäche sind die sehr großen Ernten in Südamerika, die hohen internationalen Bestände und daraus folgend der Druck auf die internationalen Exportpreise.
 
Seit Anfang Juli haben die Maispreise sogar 28 Euro bzw. 15 % nachgegeben. Am europäischen Terminmarkt notiert der Novemberkontrakt (neue Ernte) am Montag Nachmittag bei 166,75 Euro/t. Der Januarkontrakt wird bei 172,50 Euro gehandelt. Damit fallen die Maispreise auch unter das Preisniveau vom Vorjahr (167,50 Euro). Beim größten europäischen Maisproduzenten und innereuropäischen Exporteur Frankreich (fob Bordeaux) lagen die Maispreise am heutigen Montag (31. August) nur noch bei 168 Euro und damit nochmals 2 Euro niedriger als eine Woche zuvor (171 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke
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