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Analyse

Kommission bestätigt sehr kleine Maisernte

von , am
01.10.2015

Ende September hat die EU-Kommission ihre Prognose zur europäischen Maisernte 2015 noch einmal moderat gesenkt.

© krick/agrar-press
 
Ende September hat die EU-Kommission ihre Prognose zur europäischen Maisernte 2015 noch einmal moderat gesenkt. Dabei wurde die Ernteerwartung im Vergleich zur vorigen Schätzung nur noch um 0,3 Mio. t bzw. auf 58,4 Mio. t zurückgenommen. Damit erwartet die Kommission weiterhin die kleinste europäische Maisernte seit 2007 als die Europäer lediglich 50,0 Mio. t Mais ernteten. Im Vergleich zur Rekordernte aus dem Jahr 2014 von 77,9 Mio. t wäre die Maisernte 2015 jetzt 19,5 Mio. t bzw. ein Viertel (25,0 %) kleiner.
 
Nochmals moderat nach unten korrigiert hat die Kommission Ende September die Ernten  einiger  südosteuropäischer Maiserzeuger. Für Frankreich blieb die Ernteprognose hingegen unverändert auf dem sehr niedrigen Stand des Vormonats. Das wäre die kleinste französische Ernte seit dem Jahr 2006. Etwas überraschend ließ die EU-Kommission die Ernteprognose für Deutschland erneut unverändert und bleibt damit weiterhin recht deutlich über der Ernteschätzung des BMEL.
 
Analysten-Schätzungen dicht beieinander
Die aktuelle Ernteerwartung der EU-Kommission liegt im Mittelfeld der Prognosen der anderen europäischen und internationalen Analysten. Dies liegen jedoch relativ eng beieinander. So ging das europäische Analystenhaus Strategie Grains Mitte September nur noch von einer europäischen Maisernte von etwa 57,3 Mio. t. aus, während der Getreidehändler ADM/Töpfer die Ernte Ende September auf 60,0 Mio. t leicht nach oben schätzte.
 
Das US-Landwirtschaftsministerium hatte die europäische Maisernte Mitte September hingegen von 62,2 Mio. t auf 58,0 Mio. t nach unten korrigiert und der Internationale Getreiderat (IGC) senkte seine Prognose von 60,1 Mio. t auf nur noch 57,6 Mio. t.
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Importe steigen, Bestände halbiert
Bei den Maisimporten erwartet die Kommission im Wirtschaftsjahr 2015/16 eine Zunahme auf 11,0 Mio. t und damit trotz der sehr schwachen Ernte nur 1,6 Mio. t mehr als in der zurückliegenden Saison 2014/15 mit 9,6 Mio. t. Das USDA ging im September allerdings von Importen von 16,0 Mio. t aus und der Internationale Getreiderat erwartet Einfuhren von 13,5 Mio. t. Gleichzeitig rechnet die Kommission damit, dass sich die europäischen Endbestände von 22,6 Mio. t am Ende Wirtschaftsjahres 2014/15, auf nur 10,7 Mio. t im neuen Wirtschaftsjahr halbieren.
 
Riesenlücke zwischen Produktion und Verbrauch
Der Einsatz von Mais in der Tierfütterung nimmt nach Einschätzung der Kommission (trotz der kleineren Ernte) von 60,0 Mio. t auf 62,3 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr 2015/16 zu. Der Export von Mais aus der EU schrumpft hingegen von knapp 4,0 Mio. t auf 3,0 Mio. t im im Wirtschaftsjahr 2015/16.
 
Den Gesamtverbrauch gibt die Kommission mit 81,3 Mio. t an und damit sogar etwas höher als im vorigen Jahr mit knapp 80,0 Mio. t. Die Lücke zwischen Produktion und Verbrauch beträgt nach den Daten der Kommission immerhin 22,9 Mio. t. Das USDA erwartet indessen nur einen Verbrauch von 77,0 Mio. t und damit 4,0 Mio. t weniger. Der Einsatz von Mais in der Industrie wird von der Kommission mit 10,0 Mio. t angegeben, davon gehen 4,7 Mio. t in die Herstellung von Bioethanol.
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Maispreise deutlich höher als 2014
Am europäischen Maismarkt haben die Preise im September innerhalb einer relativ engen Spanne geschwankt. Am europäischen Terminmarkt notiert der Novemberkontrakt (neue Ernte) kurz vor dem Monatswechsel (30.09) bei 163,50 Euro/t. Der Januarkontrakt wurde mit 171,75 Euro gehandelt. Vor vier Woche lagen die Novemberpreise bei 166,75 Euro/t. und damit etwa 3,0 Euro höher. Der Januarkontrakt wurde vor vier Woche mit 172,50 Euro gehandelt du damit knapp 1,0 Euro teurer. Die Maispreise vom Vorjahr (139 Euro) werden am europäischen Terminmarkt derzeit deutlich um 24 Euro bzw. 17,3 % übertroffen.
 
Beim größten europäischen Maisproduzenten und innereuropäischen Exporteur Frankreich (fob Bordeaux) lagen die Maispreise am heutigen Mittwoch (31. September) unter dem Druck der beginnenden Ernte allerdings nur noch bei 154 Euro und damit 14 Euro niedriger als vor vier Wochen. Trotzdem waren die Preise in Frankreich 21 Euro höher als im vorigen Jahr zum gleichen Termin (133 Euro).
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Am südwestdeutschen Großmarkt in Mannheim hatte man inländischen Mais zum Beginn dieser Woche noch mit 167 bis 169 Euro und damit etwa so teurer wie eine Woche zuvor Franko Niederrhein lagen die Preisvorstellungen für alterntigen Mais zuletzt bei 167 Euro. Franko Südholland nannte man Maispreise von 177 Euro/t. Franko Rhein-Main-Gebiet meldete man Preise von 175 Euro bis 180 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke
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