Login
Analyse

Lücke am globalen Maismarkt, Bestände schrumpfen

von , am
13.07.2015

Kein Wunder das die Maispreise zuletzt kräftig gestiegen sind. Die neue globale Maisernte wurde vom USDA im aktuellen Juli-Report weiter nach unten korrigiert.

© Schollen/landpixel.de
 
Kein Wunder das die Maispreise zuletzt kräftig gestiegen sind. Die neue globale Maisernte wurde vom USDA im aktuellen Juli-Report weiter nach unten korrigiert. Die Lücke zwischen Verbrauch und Produktion wird damit größer und die globalen Bestände schrumpfen im neuen Wirtschaftsjahr und wachsen nicht etwa weiter, wie noch im Juni erwartet wurde. Hauptgrund für diese Entwicklung ist die weiter nach nach korrigierte Maisernte und die deutlich schrumpfenden Bestände beim weltweit größten Mais-Exporteur USA.
 
Auch in Europa wird die neue Maisernte wohl noch kleiner ausfallen als bislang schon erwartet wurde und der Importbedarf wächst. Anderseits erreicht die aktuelle brasilianische Ernte einen neuen Rekordwert und auch die nächst Ernte der Brasilianer könnte die bisherigen Erwartungen übertreffen. Auch die aktuelle chinesische Maisernte erreicht einen neuen Rekordwert, allerdings auch der chinesische Verbrauch und die chinesischen Maisbestände.
 
Verbrauch übersteigt Produktion, Bestände schrumpfen
Die vom USDA in seinem Juli-Report erwartete globalen Maisernte 2015/16 liegt bei rund 987 Mio. t und damit rund 2 Mio. t niedriger als im Juni. (898). Diese Produktion verfehlt die Rekordernte aus dem letzten Jahr von 1.001 Mio. t um 14 Mio. t. dennoch wäre dies die drittgrößte jemals eingebrachte Maisernte nach 2014 und 2013. Unverändert auf einem Rekordwert belassen hat das USDA im Juli den globalen Verbrauch bei 991 Mio. t. (Juni: 991).
 
Damit wächst die Lücke zwischen Produktion und Verbrauch und die Endbestände schrumpfen auf knapp 190 Mio. t von etwa 194 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 204/15. Noch vor vier Wochen war das USDA von einem Anwachsen der globalen Bestände auf 195 Mio. t ausgegangen. Hauptgrund für den Bestandsrückgang (und die kräftig gestiegen Maispreise) ist das deutlich über den Erwartungen liegende Abschmelzen der Bestände in den USA. Die globale Handelsmenge 2015/16 wächst wegen der stärkeren brasilianischen Exporte indessen auf 125 Mio. t (Juni:124) und liegt damit 3,5 Mio. t höher als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 122,5 Mio. t.
{BILD:638907:png} 
Europäer ernten weniger und importieren mehr
Die Maisernte der Europäischen Union erwartet das USDA in seinem Juli-Report nur noch bei 65,8 Mio. t und damit 2,3 Mio. t kleiner als noch im Juni. Die Rekordernte aus dem Vorjahr von 75,0 Mio. t wird um knapp 10 Mio. t oder 12 % verfehlt. Die Ursache für die weitere Abwärtskorrektur der Ernte sind nach der Prognose des USDA die von 7,18 t/ha (Juni) auf 6,93 t/ha (Juli) weiter nach unten gesetzten Erträge. Dies lagen im Jahr 2014 immerhin 7,87 t/ha. Die Erntefläche 2015 sieht das USDA bei 9,49 Mio. ha. und damit unverändert zum Juni und etwas kleiner als im vorigen Jahr (9,53 Mio. ha).
 
Den europäischen Importbedarf von Mais hat das USDA im Juli auf 14,0 Mio. t nach oben gesetzt, nachdem man im Juni noch von 12,0 Mio. t ausgegangen war und im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 nur 8,0 Mio. t Mais und damit 6 Mio. t weniger importierte. Damit wären die Europäer knapp hinter Japan und deutlich vor Mexiko, Südkorea und Ägypten der zweitgrößte Maisimporteur der Welt. Die europäischen Endbestände würden nach Meinung des USDA von 8,0 Mio. t in der zurückliegenden Saion (2014/15) auf 6,1 Mio. t (2015/16) abschmelzen. Im Juni hatte man noch mit Beständen von 7,1 Mio. t gerechnet.
 
US-Ernte kleiner, Bestände schrumpfen
Die Maisernte 2015 für die USA hat USDA im Juli wegen der extremen Witterung im Mittelwesten nach unten korrigiert. Jedoch nicht so kräftig wie die Analysten zuvor erwartet hatten. Das USDA schätzt die neue Ernte im Juli uaf 343,7 Mio. t und damit 2,5 Mio. t kleiner als im Juni (346,2). Im letzten Jahr (2014) hatte die US-Farmer eine Rekordernte von 361,0 Mio. t eingebracht und vor zwei Jahren (351) 351,3 Mio. t geerntet. Grund für die weitere Produktionskorrektur im Juli ist die noch kleinere Erntefläche die das USDA jetzt bei 32,82 Mio. ha erwartet, nach 33,06 Mio. h in der Juni-Prognose und 33,64 Mio. ha im Jahr 2014.
 
Die im Juli vom USDA erwarteten Erträge bleiben jedoch mit 10,47 t/ha unverändert zum Juni und etwas niedriger als im Rekordjahr 2014 mit 10,73 t/ha. Die Exporte der USA sollen im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 (trotz der kleineren Ernte) bei 48 Mio. t liegen und damit nur 0,5 Mio. t niedriger als in der Juni-Prognose (48,5), jedoch 2 Mio. t höher als in der zurückliegenden Saison mit 46,0 Mio. t. Die US-Maisbestände sollen 2015/16 auf 40,6 Mio. t schrumpfen und damit deutlich stärker als im Juni erwartet (45,0 Mio. ) und damit am Ende 4,4 kleiner sein als im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 (45,2 Mio. t) .
{BILD:638908:png} 
Ukraine mit gute Ernte ausreichend Exportmais
Für die Ukraine, den im Wirtschafsjahr 2014/15 drittgrößten globalen Maisexporteur, erwartet das USDA in seinem Juli-Report für 2015 unverändert eine Maisernte von etwa 26 Mio. t, nach der bislang zweitgrößten ukrainischen Ernte von 28,5 Mio. t aus dem Vorjahr (2014). Das wäre ein Rückgang der Produktion von etwa 9 % bzw. 2,5 Mio. t. Gleichzeitig wäre dies immer noch die drittgrößte ukrainische Ernte.
 
Grund für den Produktionsrückgang ist der Rückgang der Maisfläche von 4,63 Mio. ha (2014) auf nur noch 4,3 Mio. ha (2015). Auch die erwarteten Erträge fallen mit 6,05 t/ha etwas niedriger aus als 2014 mit 6,15 t/ha. Das ukrainische Exportpotential sieht das USDA für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 unverändert bei 16,0 Mio. t, nach 18,0 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 und 20,0 Mio. t vor zwei Jahren.
 
Brasilien Rekordernte und mehr Exporten
Für Brasilien korrigiert das USDA die Erwartungen an die nächste Maisernte (2016) auf 77,0 Mio. t (Juni: 75) nach oben. Allerdings erreichte gerade zu Ende gehende brasilianische Ernte aus dem Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 82,0 Mio. t (Juni: 81,0) einen neuen Rekordwert. Die Aussaat für die Ernte 2016 beginnt in Brasilien erst im Oktober/November. Dabei liegt die erwartete Aussaatfläche für die Ernte 2016 nach Einschätzung des USDA bei 15,0 Mio. ha (Juni: 14,8 Mio. ha) und wäre damit um 0,3 Mio. ha kleiner als zur Ernte 2015 mit 15,3 Mio. ha.
 
Das brasilianische Exportpotential sieht das USDA im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 hingegen bei 26,5 Mio. ha (Juni: 24,0 Mio. t), nach 22,0 Mio. im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15. Ein Grund für die wachsenden Exporte sind die sehr hohen Lagerbestände von fast 18,8 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2014/15 und immer noch 14,6 Mio. t im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16.
 
Argentinien mit guter Ernte
Für Argentinien erwartet das USDA für die Ernte 2016 weiterhin eine moderate Anbauausweitung von 3,0 Mio. ha auf 3,1 Mio. ha. Die für 2016 erwartete Produktion bleibt wegen der guten Erträge in diesem Jahr mit 25 Mio. t (Juni: 25 Mio. t) unverändert zur aktuell zu 60 % abgeschlossen Ernte 2015 (25,0 Mio. t). Das Exportpotential Argentiniens schätzt das USDA für die neue Saison 2015/16 auf 15,0 Mio. t (Juni: 16,0) nach 18,0 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15.Das wäre eine etwas kleinere Exportmenge wie die der Ukraine (16,0). Die argentinischen Endbestände schrumpfen indessen von 1,5 Mio. t auf 1,0 Mio. t.
 
China mit Rekordernte und Rekordbeständen
Für China liegt die derzeitige Importprognose bei 3,0 Mio. t nach ebenfalls 3,0 Mio. t im zurückliegenden Jahr. Grund für die stagnierenden Importe ist die vom USDA (und von China selbst) für 2015 erwartete chinesische Rekordernte von 229 Mio. t (Juni: 228 Mio. t) nach knapp 216 Mio. t im letzten Jahr. Die chinesischen Lagerbestände wachsen deshalb um knapp 13 Mio. t auf den Rekordwert von 91,9 Mio. t (Juni: 90,9) bzw. 49 % (!!) der globalen Maisbestände. Die Importmenge des weltweit größten Importeurs Japan erwartet das USDA im neuen Wirtschaftsjahr relativ stabil bei 15,0 Mio. t nach 15,0 Mio. t im vorigen Wirtschaftsjahr. Die Importmenge Ägyptens erwartet das USDA bei rund 8,0 Mio. t nach 7,5 Mio. t im Vorjahr.
 
Dr. Olaf Zinke
Auch interessant