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Analyse

Mais: Ernteprognosen drücken Maispreise, wenig Spielraum

von , am
02.09.2014

Am Maismarkt bestimmen derzeit die Ernteprognosen die Richtung bei den Preisen.

Die Maispreise folgen momentan dem Trend aus den USA-nämlich abwärts. © Fritz/agrarheute.com
 
Am Maismarkt bestimmen derzeit die Ernteprognosen die Richtung bei den Preisen. Am letzten Freitag im August hatte der Internationale Getreiderat (IGC) seine Schätzung für die globale Maisernte noch weiter nach oben geschraubt. Grund waren weitere Aufwärtskorrekturen der Maisernten für die USA, für Brasilien, für die Europäische Union und für die Ukraine. Außerdem wird eine sehr große Ernte in China erwartet. Die Maisbestände wachsen vor diesem Hintergrund auf den höchsten Stand seit mindestens 15 Jahren (1999) und drücken die Maispreise auf dem tiefsten Stand seit dem Juni 2010.
 
Rekordernte in der EU erwartet, weniger Importe
Zum Monatswechsel hat außerdem auch die EU-Kommission ihre Prognose zur europäischen Maisernte aktualisiert. Mittlerweile übertrifft die neue EU-Prognose mit 73,4 Mio. t aller anderen Analysten-Schätzungen und auch den bisherigen europäischen Produktionsrekord aus dem Jahr 2008 von 68,1 Mo. t. Diese riesige Ernte hätte erheblichen Einfluss auf den Importbedarf der EU und damit auch auf die Absatz- und Erlösmöglichkeiten der Ukraine, als den wichtigsten Lieferanten von Mais in die EU. Die Weltmarktpreise für Mais könnten infolge dieser Entwicklung noch stärker unter Druck geraten.
 
Angebot an Futterweizen drückt auch Maispreise
Aber nicht nur wegen der sehr kräftig wachsenden Maisproduktion geraten die Preise unter Druck sondern auch wegen des rekordhohen Angebots an preiswertem Futterweizen. Vor diesem Hintergrund sind die Maispreise in den USA von Mai bis Juli um etwa 30 % gefallen und haben sich dann im August mehr oder weniger behauptet. In Europa sind die Maispreise von Mai bis Juli um gut 20 % zurückgegangen und haben auch im August nochmals um etwa 2 % nachgegeben. In Europa und den USA befinden sich Maispreise auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2010 also seit gut 4 Jahren.
 
Maispreise in Europa weiter schwach
Am europäischen Terminmarkt haben die Maispreise im Verlauf der letzten Woche nochmals etwas nachgegeben. Für den Novemberkontrakt (neue Ernte) gaben die Preise im Wochenverlauf erneut leicht nach und rutschten um rund 1,0 Euro auf 151,75 Euro nach unten (Vw: 152,75). Im Vergleich Monatswechsel August/September 2013 (185 Euro) sind die Maispreise am europäischen Terminmarkt damit 33 Euro oder 18 % niedriger. Seit Anfang Mai 2014 (195 Euro) haben die Maispreise in Europa sogar 43 Euro oder 22 % verloren. Derzeit befinden sich die europäischen Maispreise auf dem tiefsten Stand seit Juni 2010. In Frankreich bewegten sich die Maispreise im Großhandel (fob Bordeaux) zum Monatswechsel bei 151 Euro und damit 6 Euro niedriger als eine Woche zuvor. Am Großmarkt in Mannheim lagen die Maispreise Ende August ab südwestd. Station für alterntigen Mais zwischen 174 und 177 Euro/t (Vw: 172 und 177 Euro) und fob-Oberrhein zwischen 176 und 178 Euro (Vw: 176 und 178 Euro/t).
 
US-Mais-Preise rutschen weiter abwärts
Am Montag (01.09) wurde in den USA wegen eines Feiertags nicht gehandelt. Im Verlauf der letzten Woche haben die US-Maispreise jedoch weiter nachgegeben. Für die nächsten Wochen werden die Ertragsschätzungen für die neue US-Ernte die Preisentwicklung bestimmen. US-Analysten gehen vor dem Hintergrund des aktuellen Crop-Monitorings davon aus, dass das USDA die Erträge und die Produktion in seinem Septemberreport weiter nach oben setzt. Der Septembertermin ging am letzten Freitag (29.08) in Chicago mit umgerechnet 107,6 Euro/t (359 Ct/bu) und damit 1,5 Euro billiger als am Freitag der Vorwoche aus dem Handel. Der Dezemberkontrakt wurde etwas schwächer mit 109,3 Euro (364,6 Ct/bu) gehandelt und der März bei etwa 113 Euro (377,6 Ct/bu). Im Vergleich zum Monatswechsel August/September 2013  sind die Maispreise in den USA derzeit 28 Prozent oder umgerechnet 42 Euro/t niedriger. An den US-Exporthäfen (fob-Golf) kostete der Mais am Freitag (29.08) für die Verladung im September 190,5 USD/t (145 Euro/t) und für den Oktober 193 USD/t (147 Euro) und damit rund 2 bis 3 USD/t weniger als vor einer Woche.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass-2014
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