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Analyse

Mais: Neue europäische Maisernte wird teurer

von , am
28.04.2014

Die neue europäische Ernte hat sich weiter verteuert und kostet bereits mehr als die alte Ernte.

Da die Landwirte deutlich weniger Körnermais gesät haben, wird die deutsche Maisernte kaum über Vorjahr liegen. Dagegen ist mit einer höheren Weizenernte zu rechnen. © landpixel

Am internationalen Maismarkt stützt der unverändert schwache Aussaatfortschritt in den USA die Preise am Weltmarkt und in Europa. Letzte Woche hat der IGC seine Erwartung an die neue US-Ernte deutlich um 10 Mio. t reduziert. Gleichzeitig stützen die Prognosen an eine unter den bisherigen Erwartungen bleibende ukrainische Maisernte die Preise. Insbesondere für die EU bedeutet dies eine knappere Versorgung, denn die Ukraine ist der wichtigste Lieferant für den EU-Maismarkt. Die Maispreise sind vor diesem Hintergrund in der letzten Woche am Weltmarkt gestiegen und haben sich in Europa gut behauptet. Die neue europäische Ernte hat sich sogar weiter verteuert und kostet bereits mehr als die alte Ernte.
 
US-Maisaussaat schleppend, Ernte wird kleiner
Der lange Winter und reichliche Niederschläge im Mittelwesten der USA verzögern die Aussaat von Mais beim weltweit wichtigsten Produzenten und Exporteur erheblich. Das Aussaattempo der US-Farmer ist fast so langsam wie 2013 und liegt unter dem langjährigen Mittel. Bis zum 20. April waren erst 6 % der geplanten Maisfläche bestellt. Im letzten Jahr waren zu diesem Termin bei ähnlich extremen Witterungsbedingungen ebenfalls erst 4 % des Mais ausgesät. Dagegen lag Anbaufortschritt im Jahr 2012 zu diesem Termin bei 26 % (!!) und im langjährigen Mittel bei 14 %. Der IGC hat seine Prognose für die neue US-Ernte um 10 Mio. t von 360 Mio. t auf 350 Mio. t reduziert. Die erwartete Exportmenge wurde (wegen der Ukrainekrise) hingegen von 40,0 Mio. t auf 42,0 Mio. t angehoben.
 
Ukraine: Auswirkungen auf die neue Ernte
Anhaltende Unsicherheit für die globale Angebotsentwicklung bringt die Entwicklung in der Ukraine. Der IGC hat seine Prognose für die neue ukrainische Ernte von 28 Mio. t auf 26,8 Mio. t reduziert und die erwartete Exportmenge von 19,0 Mio. t auf 18,0 Mio. t gesenkt. Damit wären die Auswirkungen noch der aktuellen Krise noch relativ moderat. Andere Analysten erwarten deutlich größere Auswirkungen auf die Erntemenge und den Export. Im laufenden Wirtschaftsjahr hat die Ukraine bis März etwa 18,0 Mio. t Mais exportiert. Im vorigen Wirtschaftsjahr 2012/13 exportierte die Ukraine 12,7 Mio. t Mais. Bis zum Ende des aktuellen Wirtschaftsjahres erwarteten Analysten Maisaufuhren von 19,0 Mio. t (USDA) bis 20,0 Mio. t (IGC). Das ukrainische Landwirtschaftsministerium schätzt die Ausfuhren für den Zeitraum April bis Juni noch auf rund 3,8 Mio. t und die Gesamtausfuhren damit auf rund 21 Mio. t.
 
Deutsche Maisimporte schon über 1 Mio. t
Die laufenden europäischen Mais-Importe schwächen sich kaum ab. Insgesamt wurden in diesem Wirtschaftsjahr bereits 11,53 Mio. t Mais in die EU importiert. Im Vergleich zum bisherigen Rekordjahr 2012/13 (9,4 Mio. t) sind die Einfuhren damit schon 2,13 Mio. t größer. Von den einzelnen EU-Ländern hat Spanien mit 3,36 Mio. t die größte Menge Mais aus Drittländern importiert. Auf Position zwei der europäischen Importeure stehen bislang die Niederlande mit 2,54 Mio. t, gefolgt von Italien mit 1,48 Mio. t und Portugal mit 1,09 Mio. t. Auf Position 5 unter den größten Maisimporteuren der EU (aus Drittländern) liegt knapp hinter Portugal Deutschland mit Einfuhren von 1,05 Mio. t (!!).
 
US-Exporte weiter deutlich über dem Vorjahr
Die laufenden Exportverkäufe von Mais aus den USA haben sich vor dem Hintergrund des wachsenden (preiswerteren) Angebots aus Südamerika auf etwas niedrigerem Niveau stabilisiert, liegen jedoch weiter sehr deutlich über dem Vorjahr. Nach den Daten des USDA wurden in der letzten Abrechnungswoche 0,61 Mio. t US-Mais ins Ausland verkauft und in de Woche zuvor 0,66 Mio. t. In den beiden Wochen zuvor lagen die Exportverkäufe noch bei 0,96 Mio. t und 1,4 Mio. t. Insgesamt summieren sich die US-Maisexporte in diesem Wirtschaftsjahr schon auf 42,57 Mio. t gegenüber 16,1 Mio. t im letzten Jahr zu diesem Termin. Das ist eine Zunahme der US-Ausfuhrmenge um 26,3 Mio. t. Von der neuen US-Ernte wurden bislang bereits 17,44 Mio. t in Ausland verkauft.
 
Neue europäische Ernte teurer
Am europäischen Terminmarkt haben die Maispreise am Freitag (25.04) für die alte Ernte leicht nachgegen und für neue Ernte etwas zugelegt. Im Wochenverlauf hatten sich die Preise insgesamt gut behauptet. Die Kontraktpreise für den Junitermin beendeten den Handel an der MATIF in Paris am Freitag mit 187 Euro/t und damit 0,75 Euro billiger wie am Vortag und eben so teuer wie vor einer Woche. Für den Novemberkontrakt (neue Ernte) legten die Preise am Freitag um 0,75 Euro auf 194,75 Euro zu. Damit ist die neue europäische Ernte 3 Euro teurer als vor einer Woche und knapp 7 Euro teurer als der aktuelle Mais. Im Großhandel bewegten sich die Maispreise in Frankreich am Freitag zwischen 165 Euro und 172 Euro (0) und waren damit ähnlich teurer wie letzte Woche. An den französischen Rheinhäfen (fob) wurde Mais für 181 Euro/t verladen. Am Großmarkt in Hamburg wurde Mais am Freitag (25.04) mit 206 Euro notiert und damit eben so teuer wie vor einer Woche. Am Großmarkt in Mannheim lagen die Maispreise Anfang letzter Woche (ab südwestd. Station) zwischen 190 Euro und 191 Euro (+1) und fob-Oberrhein zwischen 195 Euro und 196 Euro (+1).
 
Maispreise bleiben sehr fest
Am US-Terminmarkt in Chicago hatten die Maispreise am Freitag (25.04) deutlich zugelegt. Der Maitermin ging am Freitag in Chicago mit einem Aufschlag von 1,1 % und umgerechnet 144 Euro/t (507 Ct/bu) aus dem Handel und der Julitermin kostete 145,50 Euro (512,6 Ct/bu). Die neue Ernte (Dezember) wurde mit knapp 143,4 Euro (506,2 Ct/bu) gehandelt. Damit sind die US-Mais-Preise letzte Woche um 2,2 % und seit Mitte Januar um 21 % gestiegen. An den US-Exporthäfen (fob-Golf) kostete der Mais am letzten Freitag 235 USD/t (169,5 Euro/t) und der Junitermin wurde für knapp 233 USD/t (168 Euro/t) angeboten. Im elektronischen vorbörslichen Handel lagen die Maispreise am Montag in den USA erneut im Plus.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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