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Analyse

Mais: Rekordernte in Brasilien drückt Exportpreise

von , am
10.07.2015

Die für die Exportmärkte und die globalen Maispreise wichtige brasilianische Maisernte könnte 2015 einen neuen Rekordwert erreichen.

© landpixel
 
Die für die Exportmärkte und die globalen Maispreise wichtige brasilianische Maisernte könnte 2015 einen neuen Rekordwert erreichen. Ursache ist die sehr deutlich über den ursprünglichen Erwartungen liegende Erntemenge beim sogenannten Wintermais (Safrina). Zu diesem Ergebnis kommt jetzt das staatliche brasilianische Landwirtschaftsamt CONAB (Companhia Nacional de Abastecimento) in seinem aktuellen Anbau- und Ernte-Report von Anfang Juli.
 
Private brasilianische Analysten schätzten die noch laufende Wintermaisernte sogar noch größer ein als CONAB und damit auch die Gesamternte. Diese Korrekturen in Brasilien könnten auch zu (bisher nicht erwarteten) Aufwärtskorrekturen an der globalen Maisernte führen. Allerdings wird die aktuelle Ernte von den Brasilianern und dem USDA noch dem zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 zugeschlagen und nicht dem neuen Wirtschafjahr, so das die alte Maisernte 2014/15 größer wird als zuletzt ausgewiesen.
 
Sommermaisfläche schrumpft weiter
Die Aussaat von Sommermais (beginnt in Brasilien im Süden bereits im September und zieht sich meist bis in den November hinein. Geerntet wird der Sommermais dann von Februar bis März. In seinem aktuellen Juli-Report geht CONAP von einer Erntefläche bei Sommermais 6,06 Mio. ha aus. Vor vier Wochen im Mai-Report veranschlagte man die Erntefläche der im Frühjahr 2015 abgeschlossenen Sommermaisernte noch auf 6,15 Mio. ha etwas größer.
 
Im letzten Jahr (2014) lag die Erntefläche von Sommermais allerdings bei 6,62 Mio. ha und war damit 9,2 % oder 0,56 Mio. ha größer als in diesem Jahr (2015). Offenbar haben die brasilianischen Farmer den Anbau von Sommermais aus Preis- und Kostengründen weiter zu Gunsten von Sojabohnen eingeschränkt. In den letzten Jahren wurde insbesondere in Zentralbrasilien immer mehr Wintermais (als Zweitfrucht nach Soja) angebaut.
 
Wintermais auf 60 % der Maisfläche
Für Wintermais beginnt die Aussaat unmittelbar nach der Sojaernte im Februar. Geerntet wird dann von Ende Juni bis Jul, teilweise auch bis in den August hinein. In seinem aktuellen Juli-Report veranschlagt CONAP die Wintermaisfläche für die Ernte 2015 auf 9,51 Mio. ha und damit auf 61 % der gesamten Maisfläche. Im Juni lag die Anbauschätzung noch 0,18 Mio. ha niedriger bei 9,33 Mio. ha und vor einem Jahr (2014) hatten die brasilianischen Farmer auf 9,21 Mio. ha Wintermais ausgesät und damit auf 3,2 % oder 0,3 Mio. ha weniger als 2015.
 
Der Umfang der Wintermaisanbaus hängt dabei ganz wesentlich von einem möglichst frühen Zeitpunkt der Sojaernte in Zentralbrasilien ab sowie den zu diesem Zeitpunkt gefallenen Niederschlägen. In diesem Jahr (2015) hatte die Sojaernte sehr früh begonnen.
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Neue Rekordproduktion bei Wintermais
Die gesamte brasilianische Maisproduktion 2015 schätzt CONAP im Juni auf 81,8 Mio. t und damit 2,0 % oder 1,6 Mio. t größer als noch im Juni mit 80,2 Mio. t und 0,8 Mio. t größer als das USDA in seinem Juni-Report mit 81,0 Mio. t geschätzt hat. Das wäre ein neuer Produktionsrekord. Die brasilianische Analystenfirma Safras & Mercado geht aktuelle sogar von einer deutlich größeren Gesamternte von 85,5 Mio. t aus (nach zuvor 82,3 Mio. t). Im letzten Jahr ernteten die brasilianischen Farmer nach den Daten von CONAP 80,05 Mio. t Mais und damit 1,8 Mio. t weniger als im aktuellen Jahr 2015.
 
Von der 2014er Ernte waren 31,65 Mio. t Sommermais sowie 48,4 Mio. t spät geernteter und vorrangig für die Exportmärkte bestimmter Wintermais. In diesem Jahr (2015) meldet CONAP eine Sommermaisernte von 30,2 Mio. t und eine Ernte bei Wintermais von etwa 51,5 Mio. t. Die Analystenfirma Safras & Mercado hat seine Ernteschätzung sogar auf den neuen Rekordwert von 55,8 Mio. t nach oben geschraubt. Mit der aktuellen CONAB-Schätzung wäre die Produktion von Wintermais nochmals rund 3,1 Mio. t größer als im vorigen Jahr (2014). Gleichzeitig wäre dies die bislang größte Wintermaisernte und auch die größte Gesamternte bei Mais in Brasilien (trotz der kleineren Sommermaisernte).
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Sehr hohe Maisexporte zu erwarteten
Sommermais wird in Brasilien hauptsächlich im Süden (43 %) und im Südosten (28 %) des Landes in den Zentren der Tierproduktion angebaut und geerntet. Der Anbau von Wintermais erfolgt hingegen hauptsächlich in Zentralbrasilien (66 % der Produktion) und "nur" zu etwa 20 % in den südlichen Hochburgen der brasilianischen Tierproduktion. Gleichzeitig ist der Wintermais hauptsächlich für die Exportmärkte bestimmt. Im Wirtschaftsjahr 2013/14 hat Brasilien rund 22,0 Mio. t Mais exportiert und im Wirtschaftsjahr 2014/15 rechnet das das USDA mit Exportmenge von 21,5 Mio. t.
 
Für die neue Saison 2015/16 erwartet das USDA wegen der sehr großen brasilianischen Maisbestände und der zuletzt stetig nach oben korrigierten Ernte Exporte von 24,0 Mio. t. Hier könnte es wegen der weiter wachsenden ernte durchaus noch Korrekturen der Ausfuhrmengen nach oben geben. Der bisherige Ausfuhrrekord aus dem Wirtschaftsjahr 2012/13 lag bei 26,0 Mio. t.
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Brasilianischer Mais wird billiger, US-Mais teurer
Die aktuellen Angebotspreise für den südamerikanischen Mais liegen für an den brasilianischen und argentinischen Exporthäfen für den Juli zwischen 185 USD/t (167 Euro) und 190 USD/t (172 Euro) und für die Anlieferung im August/September nur noch bei 178 USD/t (Brasilien) bis 188 USD/t) (Argentinien). US-Mais koste an den dortigen Exporthäfen (fob-Golf) für den Juli bis August aktuell rund 194 USD/t (175 Euro) und für den November (neue Ernte) 205,5 USD/t (186 Euro). Damit steigt das Preisniveau in den die nächsten Wochen für den US-Mais an und geht für den Mais aus Brasilien zurück.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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