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Analyse

Mais/EU: Große Ernte, Importe halbiert, fallende Preise

von , am
06.06.2014

Die Erwartung der EU-Kommission an die europäische Maisernte 2014 bleibt Anfang Juni unverändert optimistisch.

© Schollen/landpixel.de
 
Die Erwartung der EU-Kommission an die europäische Maisernte 2014 bleibt Anfang Juni ausgesprochen optimistisch. Mit 69,1 Mio. t verfehlt die Kommissions-Prognose nur knapp die 70-Mio.-t-Marke. Gleichzeitig ist die erwartete Erntemenge bei Mais deutlich größer als 2013 und würde ein neuer Produktionsrekord sein. Den Importbedarf veranschlagt die Kommission wegen der größeren Ernte (und des reichlich verfügbaren Futterweizen) nicht einmal halb hoch wie im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr 2013/14. Außerdem nehmen die Endbestände zu. Die Maispreise in der EU sind zuletzt mit den Weltmarktpreisen kräftig gefallen. Dabei ist die neue Ernte am europäischen Terminmarkt bislang rund 8 Euro teuer als der aktuelle Mais.
 
Produktion auf Rekordkurs, andere Analysten vorsichtiger
Die europäische Maisernte 2014 schätzt die Kommission Anfang Juni auf 69,1 Mio. t. Im Vergleich zur Ernte 2013 von 64,95 Mio. t wäre dies ein Produktionszuwachs von 4,15 Mio. t oder fast 7 %. Gleichzeitig würde für die EU ein neuer Produktionsrekord aufgestellt (bisher 68,6 Mio. t im Jahr 2011/12). Die Anbaufläche von Mais erwartet die Kommission in diesem Jahr mit 9,82 Mio. ha knapp 0,1 Mio. ha größer als im Vorjahr (9,75). Allerdings übertrifft die Kommission mit ihrer Schätzung zur neuen Maisernte die aktuellen Prognosen der meisten anderen Analysten wie etwa von Strategie Grains (65,9 Mio. t) Töpfer (65,2), dem IGC (65,8) oder dem USDA (64,6).
 
Importe würden sich halbieren
Bei den Maisimporten erwartet die Kommission im nächsten Wirtschaftsjahr einen drastischen Rückgang. Mit geschätzten 6,0 Mio. t ist die erwartete Importmenge rund 8,1 Mio. t fast 60 % kleiner als die Rekordmenge die die Kommissions-Experten für die noch laufende Saison unterstellen (14,1 Mio. t). Gleichzeitig sollen die Endbestände von 15,0 Mio. t zum Ende der noch laufenden Saison, auf 16,1Mio. t zum Ende der kommenden Saison wachsen.
 
Deutlich weniger Mais ins Tierfutter
Der Einsatz von Mais in der Tierfütterung geht - trotz der größeren Ernte - von 59,7 Mio. t auf 57,0 Mio. t deutlich zurück. Grund ist auch die große Weizenernte und der höhere Verbrauch von Futterweizen. Der Export von Mais aus der EU nimmt von 2,6 Mio. t im laufenden Wirtschaftsjahr auf 2,05 Mio. t in 2014/15 ab. Für die Herstellung von Bioethanol werden nach der aktuellen Prognose der Kommission 3,6 Mio. t Mais eingesetzt und damit 0,3 Mio. t mehr als im Vorjahr.
 
Maispreise fallen auf 8Monatstief
Die Maispreise haben im Mai kräftig nachgegeben. Zum Ende der Maisaussaat in den USA hat sich der Preisdruck sogar noch verstärkt. In Europa betrug der Preisabschlag im Mai immerhin 12 % bzw. etwa 20 Euro und die Preise fielen auf den tiefsten Stand seit Oktober 2013 bzw. seit 8 Monaten. Am europäischen Terminmarkt beendeten die Kontraktpreise für den Junitermin den Handel an der MATIF in Paris am Donnerstag (05.06) mit nur noch 168 Euro/t. Für den Novemberkontrakt (neue Ernte) bewegten sich Preise bei knapp 177 Euro. Damit ist die neue europäische Ernte rund 9 Euro teurer wie der aktuelle Mais.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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