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Analyse

Mais/EU: Maisernte übertrifft Erwartungen, Preise im Keller

von , am
03.09.2014

Die bevorstehende europäische Maisernte 2014 könnte alle bisherigen Erwartungen übertreffen.

© Mühlhausen/landpixel
Die bevorstehende europäische Maisernte 2014 könnte alle bisherigen Erwartungen übertreffen. Davon geht zumindest die EU-Kommission in ihrer aktuellen Prognose von Ende August aus. Mit 73,4 Mio. t liegt die aktuelle Kommissions-Prognose sehr deutlich über der 70-Mio.-t-Marke. Gleichzeitig ist erwartete Erntemenge deutlich größer als 2013 und auch der bisherige Produktionsrekord aus dem Jahr 2011 würde sehr deutlich übertroffen. Die europäischen Importe veranschlagt die Kommission trotz der größeren Ernte und des reichlich verfügbaren Futterweizen weiterhin relativ hoch. Grund dürften die sehr stark gefallenen Maispreise sein. Außerdem nehmen die Endbestände sehr kräftig zu. Die Maispreise am europäischen Terminmarkt (für die neuen Ernte) befinden sich vor Erntebeginn auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2010 also seit mehr als 4 Jahren.
 
Neuer Produktionsrekord, andere Analysten vorsichtiger
Die Erwartungen an die europäische Maisernte 2014 setzte die Kommission Ende August nochmals um 2,6 Mio. t auf 73,4 Mio. t nach oben (Juli: 70,8 Mio. t). Im Vergleich zur Ernte 2013 von 65,4 Mio. t wäre dies ein Produktionszuwachs von 8,0 Mio. t oder etwa 12 %. Gleichzeitig würden die Landwirte in der EU eine neue Rekordernte einbringen. Der bisherige Rekord von 68,6 Mio. t stammt aus dem Jahr 2011/12. Die Anbaufläche von Mais veranschlagt die Kommission in diesem Jahr auf 9,79 Mio. ha (Juli: 9,84 Mio. ha) und damit kaum größer als im Vorjahr (9,73). Die durchschnittlichen Erträge werden allerdings bei 7,5 t/ha erwartet, nach 7,2 t/ha in der Juli-Schätzung und nur 6,7 /ha im letzten Jahr (2013). Die Crop-Monitoring Agentur der EU (MARS) hatte die Erträge bei Mais im August auf 7,53 t/ha veranschlagt. Allerdings übertrifft die Kommission mit ihrer Schätzung zur neuen Maisernte weiterhin die Prognosen aller anderen Analysten wie etwa von Strategie Grains (68,0 Mio. t) Töpfer (68,9), dem IGC (67,8) oder dem USDA (67,0) die zuletzt ebenfalls durchweg nach oben korrigiert wurden.
 
Importe deutlich kleiner als im Vorjahr
Bei den Maisimporten erwartet die Kommission im nächsten Wirtschaftsjahr einen kräftigen Rückgang. Allerdings fällt dieser kleiner aus als vor dem Hintergrund der großen Ernte und des reichlichen Angebots an Futterweizen zu erwarten wäre. Grund für die relativ hohen Importe dürften die niedrigen internationalen Maispreise sein. Mit geschätzten 9,0 Mio. t (Juli: 9,0 Mio. t) ist die erwartete Importmenge jedoch 6,0 Mio. t kleiner als die Rekordmenge die die Kommissions-Experten letzte Saison ermittelte (15,1 Mio. t). Das USDA erwartet für die neue Saison (wegen der kleineren Ernteprogose) hingegen Importe von 11,0 Mio. t (Juli 13,0 Mio. t) und der IGC rechnet wie die Kommission mit 9,0 Mio. t. Gleichzeitig sollen die Endbestände von 13,9 Mio. t in der letzten Saison, auf 18,4 Mio. t (Juli: 17,1 Mio. t) zum Ende der aktuellen Saison anwachsen.
 
Weizenangebot begrenzt Einsatz im Tierfutter
Der Einsatz von Mais in der Tierfütterung bleibt - trotz der deutlich größeren Ernte - mit 60,7 Mio. t (Juli: 60,7 Mio. t) im aktuellen Wirtschaftsjahr, ähnlich groß wie in der letzten Saison mit 60,6 Mio. t. Grund dürfte die sehr große Weizenernte und der höhere Verbrauch von Futterweizen sein. Der Export von Mais aus der EU erreicht nach Meinung der Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr 2,3 Mio. t nach 4,2 Mio. t in der letzten Saison. Für die Herstellung von Bioethanol werden nach der aktuellen Prognose der Kommission 3,6 Mio. t Mais eingesetzt und damit 0,3 Mio. t mehr als im Vorjahr.
 
Maispreise weiter unter Druck
Am europäischen Terminmarkt haben die Maispreise im Juli um knapp 10 % von 171 Euro auf 155 nachgegeben. Im August rutschten Die Preise nochmals um 3 bis 4 Euro auf etwa 151 Euro nach unten. Damit betrug der Preisrückgang am Terminmarkt seit Mai (192 Euro) 21 % oder bzw. mehr als 40 Euro und die Preise fielen auf den tiefsten Stand seit Juni 2010 also seit 4 Jahren. Im letzten Jahr (2013) kostete der Mai am Terminmarkt Anfang September 181 Euro und damit rund 30 Euro mehr als in diesem Jahr. Am Terminmarkt bewegten sich die Kontraktpreise für den November-Termin an der MATIF am Dienstag (02.09) bei knapp 152 Euro/t. Am Großmarkt in Mannheim lagen die Maispreise (alte Ernte) ab südwestd. Station zwischen 174 und 177 Euro/t und fob-Oberhein zwischen 176 und 178 Euro/t. In Frankreich bewegten sich die Maispreise im Großhandel (fob Bordeaux) zum Monatswechsel bei 151 Euro/t.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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