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Analyse

Mais/EU: Riesige Maisernte drückt Maispreise unter 140 Euro

von , am
19.09.2014

Kurz vor dem Beginn der europäischen Maisernte wird ein neuer Produktionsrekord immer wahrscheinlicher.

© marshi/aboutpixel.de
 
Kurz vor dem Beginn der europäischen Maisernte wird ein neuer Produktionsrekord immer wahrscheinlicher. Davon gehen zumindest immer mehr europäische Analysten aus. Die europäischen Maispreise haben auf diese Entwicklung bereits reagiert und sind für die neue Ernte sowohl am Terminmarkt als auch am Kassamarkt unter 140 Euro/t gefallen. Das ist der niedrigste europäische Maispreis seit April 2010 also seit rund viereinhalb Jahren. Der europäische Importbedarf würde wegen der erwarteten Rekordernte ebenfalls deutlich reduziert. Dennoch bleibt die erwarteten Importmengen im internationalen Vergleich immer noch relativ hoch, denn auch die erwartete Rekordernte deckt nicht den Bedarf der Europäer. Außerdem sind die Weltmarktpreise (Importpreise) für Mais, wegen der ebenfalls rekordhoch erwarteten globalen Produktion, noch niedriger als in der EU und kurbeln die Einfuhren an.
 
Europäische Maisernte erstmals über 70 Mio. t
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains schätzte die europäische Maisernte im September auf 71,3 Mio. t und damit 3,3 Mio. t größer als in der August-Prognose (68,0 Mio. t) und außerdem deutlich über der 70-Mio.-t-Marke. Gleichzeitig wäre das für die Europäer die bislang mit Abstand größte Maisernte überhaupt, deutlich über dem bisherigen Produktionsrekord aus dem Jahr 2011 (68,6 Mio. t). Die europäische Maisernte des Jahres 2013 (64,4 Mio. t) wird mit der erwarteten Erntemenge sogar um 6,9 Mio. t bzw. 11 % übertroffen. Die EU-Kommission liegt mit ihrer Ernte-Prognose von 73,4 Mio. t sogar noch über der Schätzung von Strategie Grains. Der Bedarf/Verbrauch von Mais am europäischen Binnenmarkt liegt nach den Berechnungen der EU-Kommission bei knapp 76 Mio. t und damit etwas über der erwarteten Erntemenge. Den europäischen Importbedarf schätzt die Kommission auf etwa 9,0 Mio. t und das USDA auf 10,0 Mio. t. Im vorigen Wirtschaftsjahr haben die EU-Länder allerdings die Rekordmenge von 16,0 Mio. t Mais importiert.
 
Frankreich mit Rekord und Ungarn mit viel Mais
Für Frankreich, den größten Maisproduzenten (und Exporteur) der Europäischen Union, erwartet Strategie Grains im September eine Maisernte von 16,9 Mio. t und damit 1,0 Mio. t mehr wie zur August-Prognose (15,9) und sogar 2,0 Mio. t größer als 2013 (14,9 Mio. t). Diese Erntemenge würde auch für Frankreich einen neuen Produktionsrekord bedeuten. Die Analysten von ADM/Töpfer hatten Ende August in ihrer Prognose eine französische Maisernte von 16,1 Mio. t erwartet und die staatliche Agrarbehörde France Agrimer ging Anfang September von 16,1 Mio. t aus. Für Ungarn setzte Strategie Grains die erwartete Maisernte auf 8,5 Mio. t nach oben (August 8,0 Mio. t). Im Vergleich zur Erntemenge von 2013 (6,7 Mio. t) wäre die jetzt für Ungarn erwartete Produktion 1,8 Mio. t oder etwa 27 % größer. Die Analysten von ADM/Töpfer hatten Ende August in ihrer Prognose eine ungarische Maisernte von 7,9 Mio. t erwartet.
 
Rumänien ebenfalls mit Produktionsrekord
Ebenfalls kräftig nach oben korrigiert haben die Analysten von Strategie Grains die Erwartungen an die Maisernte für den zweitgrößten europäischen Maisproduzenten Rumänien. In der Septemberprognose erreicht die rumänische Maisproduktion einen Umfang von rund 10,6 Mio. t und wäre ein neuer Produktionsrekord. Gleichzeitig sind dies 0,7 Mio. t mehr als im August erwartet wurden (9,9 Mio. t) und 0,2 Mio. t mehr als die bisherige Rekordernte aus dem Jahr 2013 (10,4 Mio. t). Die Analysten von ADM/Töpfer hatten die rumänische Maisernte in ihrer Prognose Ende August sogar auf 10,7 Mio. t geschätzt.
 
Mehr Mais in Italien und Deutschland
Eine größere Maisernte als 2013 erwarten die Analysten von Strategie Grains in der Septemberschätzung auch für Italien. Die italienische Maisproduktion könnte nach der aktuellen Prognose 8,2 Mio. t erreichen. Das sind 0,4 Mio. t mehr als im August erwartet wurden (7,8 Mio. t) und 0,6 Mio. t mehr als 2013 (7,6 Mio. t). Die Analysten von ADM/Töpfer haben die italienische Maisernte sogar auf 8,5 Mio. t geschätzt. Für Deutschland erwartetet ADM/Töpfer eine Maisernte von rund 5,1 Mio. t und die Prognose des DRV lag im August bei 5,0 Mio. t. Auch in Deutschland wird damit eine deutlich größere Ernte als im letzten Jahr (4,07 Mio. t) erwartet.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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