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Analyse

Maispreise in Frankreich schwächer, in Deutschland stabil

von , am
05.10.2015

Die europäischen Maispreise sind im Verlauf der vorigen Woche am Terminmarkt etwas zurückgegangen.

© Schollen/landpixel.de
 
Die europäischen Maispreise sind im Verlauf der vorigen Woche am Terminmarkt etwas zurückgegangen. Am Kassamarkt waren die Preise leicht rückläufig (Frankreich), oder haben sich behauptet (Deutschland). In den USA haben sich die Maispreise im Wochenverlauf fast nicht verändert und in Südamerika sind die Maispreise weiterhin am niedrigsten. Zum Monatswechsel hatte die EU-Kommission ihre Prognose zur europäischen Maisernte 2015 noch einmal moderat gesenkt. Dabei wurde die Ernteerwartung im Vergleich zur vorigen Schätzung um 0,3 Mio. t bzw. auf 58,4 Mio. t zurückgenommen.
 
Damit erwartet die Kommission weiterhin die kleinste europäische Maisernte seit dem Jahr 2007 als die Europäer lediglich 50,0 Mio. t Mais ernteten. Für Frankreich blieb die Ernteprognose unverändert auf dem sehr niedrigen Stand des Vormonats. Das wäre die kleinste französische Ernte seit dem Jahr 2006. Etwas überraschend ließ die EU-Kommission die Ernteprognose für Deutschland unverändert und bleibt damit recht deutlich über der Ernteschätzung des BMEL.
 
Riesen-Lücke zwischen Verbrauch und Produktion
Bei den Maisimporten erwartet die Kommission im Wirtschaftsjahr 2015/16 eine Zunahme auf 11,0 Mio. t und damit trotz der sehr schwachen Ernte nur 1,6 Mio. t mehr als in der zurückliegenden Saison 2014/15 mit 9,6 Mio. t. Das USDA ging im September hingegen von Importen von 16,0 Mio. t aus und der Internationale Getreiderat erwartet Einfuhren von 13,5 Mio. t.
 
Gleichzeitig geht die Kommission davon aus, dass sich die europäischen Maisbestände von 22,6 Mio. t am Ende des Wirtschaftsjahres 2014/15, auf nur noch 10,7 Mio. t im neuen Wirtschaftsjahr halbieren. Den Gesamtverbrauch gibt die Kommission mit 81,3 Mio. t an und damit sogar etwas höher als im vorigen Jahr mit knapp 80,0 Mio. t. Die Lücke zwischen Produktion und Verbrauch beträgt nach den Daten der Kommission immerhin 22,9 Mio. t.
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Neue Daten aus den USA und aus Südamerika
Am kommenden Freitag Abend (09.10.) wird der neue USDA-Report aktuelle Daten zu der auf vollen Touren laufenden US-Maisernte bringen. Diese Daten könnten die Märkte diese Woche kräftig bewegen. Im Vorfeld des Reports werden Analysten ihre Einschätzung zu Erträgen und zur erwarteten Produktion geben und dürften damit ebenfalls für Bewegung sorgen.
 
In Südamerika steht zudem die Aussaat von Sommermais (und Soja) für die Ernte im Frühjahr 2016 unmittelbar bevor und insbesondere aus Brasilien (CONAB und USDA) werden diese Woche aktuelle Daten zu den Aussaatflächen bei Mais und Soja erwartet.
 
EU: Maispreise im Wochenvergleich zurückgegangen
Die Maispreise haben sich am europäischen Terminmarkt am Freitag kaum verändert. Der Novemberkontrakt (neue Ernte) beendete den Handel bei 162,0 Euro/t und damit 0,25 Euro bzw. 0,1 % höher als am Vortag (161,75 Euro). Der Januarkontrakt notierte bei 170,50 Euro und damit ebenfalls 0,25 Euro höher als am Vortag (170,25 Euro). Das Preisniveau der Vorwoche (165,25 Euro) wurde vom November-Mais um etwa 3,25 Euro verfehlt. Die Maispreise vom Vorjahr (134,50 Euro) wurden am europäischen Terminmarkt deutlich um 27,50 Euro bzw. 20,4% übertroffen.
 
Am heutigen Montag Nachmittag (14:00) wird der Mais am europäischen Terminmarkt zu etwas höheren Preisen gehandelt. Der November-Mais notiert 1,0 Euro höher bei 163,0 Euro. Der Januarkontrakt notiert 0,50 Euro höher bei 171,00 Euro/t.
 
Maispreise in Frankreich schwächer
Beim größten europäischen Maisproduzenten und wichtigsten innereuropäischen Exporteur haben die Maipreise in der vorigen Woche unter dem Druck der laufneden Ernte etwas nachgegeben. Am wichtigsten französischen Handelsplatz für Mais (fob Bordeaux) lagen die Maispreise am heutigen Montag (05. Oktober) bei 153 Euro und damit 3 Euro niedriger als vor einer Woche (156 Euro). Im vorigen Jahr lagen die Maispreise am französischen Handelsplatz Bordeaux bei 140 Euro und waren damit 13 Euro niedriger.
 
Kassapreise in Deutschland stabil bis fest
Am Ende der der vorigen Woche lagen die Preisvorstellungen für neuerntigen Mais franko Niederrhein bei 169 Euro und damit 2 Euro höher als vor einer Woche (167 Euro). Franko Südholland nannte man Maispreise von 179 Euro (Vw: 177 Euro/t). Franko Rhein-Main-Gebiet meldete man Mitte der vorigen Woche Preise von 175 Euro bis 178 Euro (Vw: 175 Euro bis 180 Euro).
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US-Exportpreise kaum verändert
Die Preisforderungen für Exportmais haben an den Exporthäfen der USA für den vorderen Termin leicht zugelegt und sich für die hinteren Termine nicht verändert. Am vorigen Freitag (02.10) lagen die Exportpreise für US-Mais am US-Golf (fob) für die Verladung im Oktober bei 179,6 USD/t (159,8 Euro/t) und damit 1,60 USD höher als in der Vorwoche (178,0 USD).
 
Für den November lagen die Preise bei knapp 181 USD/t (161,0 Euro) und damit unverändert zur Vorwoche (181 USD). Die Preisforderungen für die neue US-Ernte (Dezember) lagen bei 182 USD/t (161,9 Euro) und damit ebenfalls auf dem gleichen Niveau wie der vorigen Woche (182,0 USD).
 
Südamerikanischer ist am billigtsen
Die Preise für südamerikanischen Mais (September) lagen am Freitag voriger Woche fob-Exporthafen bei 164 USD/t (145,9 Euro) und waren damit 16 USD niedriger als für die US-Ware und 1 USD höher als in der vorigen Woche (163 USD). Zur Verladung im November kostete der Mais an den südamerikanischen Exporthäfen 167 USD/t (148,6 Euro) und damit etwa 14 USD weniger als der für den gleichen Termin angebotene US-Mais.
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EU-Maisimporte noch 30 % niedriger als 2014
Der Import von Mais in die Europäische Union war in den ersten 13 Wochen (bis 29.09) des laufenden Wirtschaftsjahres 2015/16 kleiner als im vorigen Jahr. Mit Mais-Importen von 1,62 Mio. t wird die Einfuhrmenge aus dem vorigen Wirtschaftsjahr (2,27 Mio. t) derzeit um 30 % verfehlt. Allerdings nehmen die Einfuhren üblicherweise erst mit der neuen Ernte auf der Nordhalbkugel (Ukraine, Europa, USA) kräftig zu.
 
Deutschland hat bis 29. September schon 231.000 t Mais importiert, Spanien kommt auf 548.895 t, die Niederlande auf 315.565 t, Irland auf 106.000 t und das Vereinigte Königreich auf 113.000 t.
 
Dr. Olaf Zinke
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