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Analyse

Reichlich billiger Mais aus Südamerika

von , am
25.09.2015

Ende September hat der Internationale Getreiderat (IGC) die erwartete globale Maisernte im Wirtschaftsjahr 2015/16 per Saldo nur leicht nach unten korrigiert.

© Mühlhausen/landpixel
 
Die globale Maisernte wird zwar kleiner als die Rekordernte aus dem vorigen Jahr, die sehr großen südamerikanischen Ernten sorgen dennoch für ein großes und sehr preiswertes Angebot am Weltmarkt. Die riesigen globalen Maisbestände werden deshalb kaum abgebaut und befinden sich weiterhin auf sehr hohem Niveau. Ende September hat der Internationale Getreiderat (IGC) die erwartete globale Maisernte im Wirtschaftsjahr 2015/16 per Saldo nur leicht nach unten korrigiert. Grund ist die weitere Abwärtskorrektur für Maisernte in der Europäischen Union. Dafür ging es mit den Maisernten in der Ukraine, in China und auch in Brasilien noch einmal leicht nach oben.
 
 Drittgrößte Maisernte erwartet
Die Ende September vom IGC für die das Wirtschaftsjahr 2015/16 erwartete Maisernte ist rund 38 Mio. t bzw. 3,8 % kleiner als die rekordhohe Maisernte der zurückliegenden Saison 2014/15 (1005 Mio. t). Mit rund 967 Mio. t wäre die neue Ernte dennoch die bislang drittgrößte globale Maisernte überhaupt. Gegenüber der vorigen Schätzung von 968 Mio. t hat der IGC die erwartete Produktion per Saldo um 2,0 Mio. t nach unten gesetzt.
 
Europäische Ernte fällt unter 60 Mio. t
Für die Europäische Union rechnet der IGC nur noch mit einer Maisernte von 57,6 Mio. t, nach der Rekordernte von 75,6 Mio. t im Jahr 2014. Im Vergleich zum Vormonat (60,1) hat der IGC seine Schätzung noch einmal um 2,5 Mio. t gesenkt, und liegt damit unter der letzten Ernte-Prognose des USDA von 58,0 Mio. t. Den europäischen Importbedarf sieht der IGC bei 13,5 Mio. t (August: 14,5), nach 10,0 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr. Die Abwärtskorrektur der Importe dürfte vor allem der sehr großen Weizenernte geschuldet sein und dem größeren Angebot an Futterweizen.
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US-Maisernte nicht weiter verändert
Die US-Maisernte 2015 erwartet der IGC unverändert bei 340 Mio. t und damit eben so groß wie vor vier Wochen (340 Mio. t), jedoch 21 Mio. t kleiner als die Rekordernte aus dem letzten Jahr von 361,1 Mio. t. Vor zwei Jahren (2013) ernteten die US-Farmer 351,3 Mio. t Mais und damit 11,3 Mio. t mehr als jetzt erwartet werden
 
Brasilianische Maisernte auf Rekordstand
Im Unterschied zum USDA, ordnet der IGC die etwa im August abgeschlossenen Maisernten in Südamerika dem aktuellen Wirtschaftsjahr 2015/16 zu, während das USDA diese Ernten noch dem zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 zuschlägt. Damit sind die Daten beider Prognosen nicht unmittelbar vergleichbar. Die vom IGC der Saison 2015/16 zugeordnete Ernte 2015, hat der IGC für Brasilien nochmals leicht um 0,5 Mio. t auf 84,7 Mio. t (Aug: 80,3 Mio. t) nach oben korrigiert. Damit übertrifft die brasilianische Ernte 2015 den bisherigen Rekordwert von 81,5 Mio. t aus dem Jahr 2013 deutlich.
 
Für Argentinien melden die IGC-Analysten für 2015 ebenfalls eine sehr große Ernte von 30,0 Mio. t (Aug: 30,0), nach 33,0 Mio. t im vorigen Jahr (2014). Für die Ukraine hat der IGC die Ernteprognose leicht nach oben korrigiert. Für 2015 geht der IGC von einer ukrainischen Erntemenge von 24,5 Mio. t (Aug: 24,0) aus , nach 28,5 Mio. t im Jahr 2014. Das USDA erwartete allerdings noch eine deutlich größere Ernte von 27,0 Mio. t.
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Sehr hohe Exporte aus Brasilien
Leicht nach unten gesetzt hat der IGC Ende September seine Erwartungen an die globalen Handelsmengen bei Mais. Die Gesamtausfuhren sollen bei 124,9 Mio. t (Aug: 125,8 Mio. t) liegen und damit ähnlich hoch sein wie im zurückliegenden Wirtschaftsjahr mit 124,8 Mio. t. Die Ausfuhren Argentiniens sollen für 2015/16 bei 17,0 Mio. t liegen, nach 17,1 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2014/15 und die Exporte Brasiliens erwartet der IGC jetzt bei 27,5 Mio. t (Aug: 27,5 Mio. t) und damit 6,5 Mio. t höher als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr mit 21,0 Mio. t.
 
Die Exporte der USA sind wegen der hohen Bestände mit etwa 45,5 Mio. t (Aug: 46,5) nicht wirklich deutlich kleiner als im zurückliegenden Jahr mit 47,6 Mio. t. Für die Ukraine sieht der IGC die Ausfuhrmenge im  Wirtschaftsjahr 2015/16 bei 16,5 Mio. t (Aug: 16,5), nach 18,9 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2014/15.
 
Endbestände weiterhin sehr hoch
Den Maisverbrauch erwartet der IGC im Wirtschaftsjahr 2015/16 bei 970 Mio. t (Aug: 972) und damit rund 10 Mio. t kleiner als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr mit 980 Mio. t. Damit würde die globale Verbrauchsmenge die globale Produktion knapp übersteigen. Ende September geht der IGC davon aus, dass die globalen Endbestände vom aktuellen Rekordstand von 203 Mio. t nur um rund 4 Mio. t auf etwa 199 Mio. t (Aug: 199) im aktuellen Wirtschaftsjahr schrumpfen werden.
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Billiger Mais aus Südamerika
An den US-Exporthäfen lagen die Exportpreise (fob) für Mais am Donnerstag dieser Woche (24.09) bei knapp 175 USD/t (156 Euro) und damit allerdings 7 USD höher als vor vier Wochen (168). Die neue US-Ernte wurde für die Verladung im November für 178 USD (159 Euro) angeboten und damit 3 USD teurer als vor vier Wochen (175).
 
Mais aus Südamerika wurde Ende September an den dortigen Exporthäfen für 162 bis 164 USD/t (144 Euro) verladen und damit ähnlich teurer wie vor vier Wochen ( 162 bis 163 USD ) jedoch 13 USD billiger als die US-Ware.
 
In Europa lagen die Maispreise Ende September (Novemberkontrakt/neue Ernte) am Terminmarkt bei 164 Euro und damit 5 Euro niedriger als vor vier Wochen (169 Euro). Im Vergleich zu den sehr niedrigen Preisen im Vorjahr (139 Euro) liegen die Maispreise am europäischen Terminmarkt derzeit jedoch etwa 25 Euro höher.
 
Dr. Olaf Zinke
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