Login
Analyse

Silomaisernte deutlich kleiner, Preise höher als 2014

von , am
07.10.2015

Der Erntemenge bei Silomais ist in Deutschland im Jahr 2015 etwa 14 % kleiner als die Rekordernte aus dem Vorjahr.

Obwohl die Anbaufläche nahezu gleich war, fällt die Silomaisernte 2015 um 14 Prozent kleiner aus als 2014. © Mühlhausen/landpixel

Die Erntemenge bei Silomais ist in Deutschland im Jahr 2015 etwa 14 % kleiner als die Rekordernte aus dem Vorjahr. Dabei ist die Produktion vor allem im Süden und Osten Deutschlands empfindlich eingebrochen, während die Silomaisernte im Westen kaum kleiner ist als 2014. Die Silomaisfläche ist in Deutschland ähnlich groß wie die Rekordfläche aus dem vorigen Jahr, die durchschnittlichen Erträge sind wegen der extremen Witterungsverhältnisse jedoch deutlich unter den langjährigen Mittelwert gefallen.
 
Nach den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes ist die Erntemenge bei Silomais in Deutschland mit 84,9 Mio. t etwa 14 % bzw. 14,3 Mio. t kleiner als die Rekordernte aus dem letzten Jahr (99,2 Mio. t). Während die Anbaufläche jedoch mit 2,1 Mio. ha etwa stabil war (Vj. 2,09 Mio. ha), sind die Erträge um knapp 15 Prozent auf 404 dt eingebrochen. Im Vorjahr lagen die Durchschnittserträge bei 473 dt/ha. Der langjährige Ertragsdurchschnitt von 441 dt/ha wird ebenfalls um gut 8 Prozent verfehlt. Anderseits ist aktuelle Erntemenge größer als die schwache Silomaisernte aus dem Jahr 2013 (78,2 Mio. t). Die kalkulatorischen Silomaispreise sind 2015 (wie die Körnermaispreise) höher als im vorigen Jahr.
 
{BILD:645038:png} 
Stabile Produktion in Niedersachsen, Einbruch in Bayern
Die beiden größten deutschen Silomaisproduzenten sind Niedersachsen und Bayern. Beide Bundesländer verfügen auch über die größten Tierbestände sowie über die höchste Zahl an Biogasanlagen. In diesem Jahr ist die Silomaiserzeugung in Bayern jedoch drastisch eingebrochen und war in Niedersachsen auf dem sehr hohen Vorjahresniveau nahezu stabil. In Niedersachsen ging die Silomaisproduktion im Jahr 2015 lediglich um 1,1 % bzw. 0,3 Mio. t auf 25,4 Mio. t zurück.
 
In Bayern nahm die erzeugte Menge Silomais hingegen um 25,9 % bzw. 5,8 Mio. t auf 16,6 Mio. t ab. Zusammen ernten beide deutschen Top-Produzenten etwa die Hälfte (49 %) des deutschen Silomais. Gegengenüber dem Vorjahr wurde die Anbaufläche in beiden Ländern leicht ausgeweitet und lag in Bayern bei 0,43 Mio. ha (Vj. 0,42) und in Niedersachsen bei 0,53 Mio. ha (Vj. 0,52). Die Erträge sind in Bayern (386 dt/ha) 27 % niedriger als 2014 (526 dt) und in Niedersachsen (482 dt/ha) wird das Vorjahresergebnis von 491 dt/ha nur um 1,8 % verfehlt bzw.
 
Moderater Rückgang in NRW und in SH
Die Nummer drei unter den den deutschen Silomaisproduzenten ist Nordrhein-Westfalen. In NRW blieb die Erntemenge ähnlich wie in Niedersachsen fast stabil. Dabei wurde die Anbaufläche um knapp 4 % auf 0,18 Mio. ha augeweitet, während die Erträge um 4,5 Prozent auf 463 dt/ha zurückgingen (Vj. 485). Nach Niedersachsen und Hessen erreichten die Landwirte in NRW damit die dritthöchsten Durchschnittserträge unter allen Bundesländern. Insgesamt fällt die Erntemenge in NRW um 0,8 Prozent kleiner aus und liegt bei etwa 8,61 Mio. t nach 8,68 Mio. t im Jahr 2014.
 
Auf Rang vier unter den deutschen Silomaisproduzenten kommt im Jahr 2015 Schleswig-Holstein. Hier ging die Produktion um 7,1 % auf 7,7 Mio. t zurück. Dabei ging die Anbaufläche um gut 5 % zurück, während die Erträge um 2 % auf 430 dt (Vj. 440) schrumpften.
 
{BILD:645039:png} 
Kleinere Ernten in Baden-Württemberg und Brandenburg
Eine Erntemenge mehr als 5 Mio. t Silomais erreichten neben den vier deutschen TOP-Produzenten noch Mecklenburg-Vorpommern und über 4,0 Mio. t kamen Baden-Württemberg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Knapp über der Marke von 5 Mio. t lag 2015 die Silomaisernte in Mecklenburg-Vorpommern. Hier ernteten die Landwirte auf Grund leichter Anbaueinschränkungen und 14 % niedrigerer Erträge (349 dt/ha) rund 5,02 Mio. t Silomais, anstelle der 5,96 Mio. t im letzten Jahr. Das ist immerhin ein Produktionsrückgang von etwa 16 %.
 
In Baden-Württemberg nahm die Anbaufläche um rund 3 Prozent zu, während die Erträge mit rund 384 dt/ha rund 21 % niedriger sind als 2014 und nur eine rund 20 % kleinere Ernte von 4,99 Mio. t (Vj. 6,25 Mio.) erlaubten. Über die Marke von 4 Mio. t kam auch die Silomaisproduktion in Brandenburg, mit einer Erntemenge von 4,7 Mio. t, nach 6,5 Mio. t im letzten Jahr. Das ist ein Produktionsrückgang von 28 % gegenüber 2014 und auf die mit 275 dt/ha (Vj. 369 dt) deutlich niedrigeren Erträge zurückzuführen.
 
Preisfindung bei Silomais ist nicht einfach
Für Silomais gibt es keinen ausgeprägten überregionalen Markt und deshalb auch keine Richtpreise wie etwa bei Körnermais. Die Preisfindung erfolgt also vor dem Hintergrund der Marktlage (Angebot und Nachfrage) und der jeweiligen Preiseentwicklung bei Futtergetreide. Wegen der deutlich niedrigeren Erträge dürften zudem die Produktionskosten dieses Jahr höher sein als 2014.
 
{BILD:645040:png} 
Ausschlaggebend ist jedoch die Entwicklung der Preise für Futtergetreide und damit auch die möglichen Alternativen für die Tierhalter (und Biogasanlagen). In diesem Jahr ist das Angebot an Silomais, speziell in den südlichen Regionen mit starker Viehhaltung und vielen Biogasanlagen (Bayern) erheblich kleiner als 2014. Andererseits ist das Angebot an Futtergetreide (Weizen, Gerste) gut und an Körnermais sehr knapp. Die Futtergetreidepreise sind zudem deutlich höher als 2014.
 
Silomais (kalkulatorisch) deutlich teurer als 2014
Für Körnermais wurden Anfang Oktober in Süddeutschland (Mannheim) im Großhandel Preise zwischen 167 Euro/t und 169 Euro/t geboten. Am europäischen Terminmarkt lagen die Maispreise für den November bei etwa 166 Euro. Im letzten Jahr bewegten sich die Preise in Süddeutschland (Mannheim) zum gleichen Termin zwischen 135 Euro/t und 140 Euro/t. Am Terminmarkt lagen die Maispreise für den November 2014 bei 143 Euro und waren damit 23 Euro oder 16 Prozent niedriger.
 
Zuletzt lagen die durchschnittlichen Erzeugerpreise für Körnermais in Deutschland zwischen 155 und 160 Euro. Bei einem Silomaisertrag von 450 dt/ha bis 500 dt/ha und einem Trockensubstanzgehalt von 40 Prozent ergibt sich daraus ein kalkulatorischer Silomaispreis (Maispreisrechner der LWK NS) von etwa 22,0 Euro/t bis knapp 23,0 Euro/t. Im letzten Jahr (2014) haben die Silomaispreise kalkulatorisch lediglich zwischen 13 Euro/t und 14 Euro/t gelegen und waren gut 40 % niedriger.
 
Dr. Olaf Zinke
 
Auch interessant