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Analyse

USDA: Europäer drücken globale Maisbilanz

von , am
14.09.2015

Ursache für den Preisanstieg an den Terminmärkten waren die relativ kräftigen Korrekturen des USDA an der globalen Maisernte und an den Endbeständen.

© Kurt/pixelio
 
In den USA legten die Maispreise nach dem neuen USDA-Report kräftig zu. Auch in Europa löste die neuen US-Daten eine Preiserholung aus. Ursache für den Preisanstieg an den Terminmärkten waren die relativ kräftigen Korrekturen des USDA an der globalen Maisernte und an den Endbeständen. Allerdings gingen die Veränderungen in den globalen Bilanzen ganz wesentlich auf die kräftig nach unten korrigierte Maisernte in der Europäischen Union zurück. Diese wird jetzt vom USDA jetzt ähnlich schwach eingeschätzt wie von der EU-Kommission.
 
Die Folge ist, dass die EU im Wirtschaftsjahr 2015/16 zum größten globalen Maisimporteur wird. Für die USA wurde die Ernte ebenfalls (moderat) nach unten korrigiert. Grund ist eine leichte Rücknahme der Erträge. Etwas kräftiger hat das USDA allerdings die US-Endbestände nach unten korrigiert. Darauf reagierte der Terminmarkt in Chicago auf diese Korrektur mit einem Preisanstieg von 3,4 %.
 
Globale Bestände schrumpfen stärker
Die vom USDA in seinem September-Report erwartete globalen Maisernte 2015/16 liegt jetzt bei rund 978 Mio. t und damit rund knapp 8 Mio. t niedriger als im August (986). Diese Produktion verfehlt die Rekordernte aus dem vorigen Jahr von 1.006 Mio. t (!!) jetzt um 29 Mio. t bzw. knapp 3 %. Trotz der Korrektur wäre dies immer noch die drittgrößte jemals eingebrachte Maisernte, nach den Maisernten 2014 und 2013. Leicht nach unten korrigiert hat das USDA im September den globalen Verbrauch auf 987 Mio. t. (Aug.: 988). Damit wächst die Lücke zwischen Produktion (978) und Verbrauch (985) auf etwa 7 Mio. t.
 
Die Endbestände schrumpfen etwas stärker als zuvor erwartet auf 190 Mio. t. Noch vor vier Wochen war das USDA von einem leichten Rückgang der globalen Bestände auf 195 Mio. t ausgegangen. Im zurückliegenden Wirtschaftsjahr waren die Bestände auf das Rekordhoch von 197 Mio. t angewachsen. Hauptgrund für den Bestandsrückgang ist der etwas stärkere Abbau der Bestände in den USA, in der EU und auch in Brasilien. Die globale Handelsmenge 2015/16 wächst wegen der noch größeren brasilianischen Exporte auf 128 Mio. t (Aug: 127) und liegt damit 1 Mio. t höher als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 127 Mio. t.
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Europäische Ernte bricht ein, Rekordimporte
Die Maisernte der Europäischen Union erwartet das USDA in seinem September-Report nur noch bei 58,0 Mio. t und damit nochmals 4,2 Mio. t kleiner als noch im August (62,2) und ähnlich noch etwas kleiner als die EU-Kommission (58,7). Die Rekordernte aus dem Vorjahr von 75,3 Mio. t wird um 17,3 Mio. t oder 23 % verfehlt. Die Ursache für die weitere Abwärtskorrektur der Ernte sind nach der Prognose des USDA die von 6,58 t/ha (Juli) auf 6,16 t/ha (Sept.) weiter nach unten gesetzten Erträge. Diese lagen im Jahr 2014 immerhin 7,90 t/ha. Die Erntefläche 2015 sieht das USDA bei 9,41 Mio. ha. und damit etwas kleiner als im August (9,47) und auch kleiner als im vorigen Jahr (9,54 Mio. ha).
 
Den europäischen Importbedarf von Mais hat das USDA im August auf 16,0 Mio. t nach oben gesetzt, nachdem man im August bereits von 15,0 Mio. t ausgegangen war und im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 nur 9,0 Mio. t Mais und damit 6 Mio. t weniger importierte. Damit wären die Europäer deutlich vor Japan (14,8), Mexiko (10,5) , Südkorea (10,0) und Ägypten (8,0) der größte Maisimporteur der Welt. Die europäischen Endbestände werden nach Meinung des USDA von 9,3 Mio. t in der zurückliegenden Saison (2014/15) auf 5,3 Mio. t (August: 6,4) abschmelzen.
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US-Ernte etwas kleiner, kleinere Bestände
Die Maisernte 2015 für die USA hat USDA im September, wie von den meisten Analysten erwartet noch einmal moderat nach unten korrigiert. Das USDA schätzt die neue Ernte im September auf 345,1 Mio. t und damit 2,5 Mio. t kleiner als im August (347,6). Im letzten Jahr (2014) hatte die US-Farmer allerdings eine Rekordernte von 361,0 Mio. t eingebracht und vor zwei Jahren erntete man 351,3 Mio. t Mais. Grund für die Produktionskorrektur im September ist die leichte Abwärtskorrektur der erwarteten Erträge auf 10,51 t/ha von zuvor 10,59 t/ha (Aug). Im Rekordjahr 2014 lagen die US-Maiserträge allerdings bei 10,73 t/ha.
 
Die Erntefläche hat das USDA hingegen unverändert bei 32,82 Mio. ha belassen, nach 33,64 Mio. ha im Jahr 2014 und 34,4 Mio. ha vor zwei Jahren. Die Exporte der USA sollen im Wirtschaftsjahr 2015/16 bei 47 Mio. t liegen und damit eben so groß wie in der August-Prognose (47,0) j und eben so hoch wie in der zurückliegenden Saison mit ebenfalls 47,0 Mio. t. Die US-Maisbestände sollen 2015/16 auf 40,5 Mio. t schrumpfen und damit weitaus kräftiger als im August erwartet (43,5 Mio. ) und trotzdem nur 3,5 Mio. t kleiner sein als im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 (44,0 Mio. t) .
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Ukraine baut Exporte weiter aus
Für die Ukraine, den im Wirtschafsjahr 2014/15 drittgrößten globalen Maisexporteur, hat das USDA in seinem September-Report die Maisernte 2015 bei 27 Mio. t bealssen. Damit wäre die Produktion nur 1,5 Mio. t kleiner als die bislang zweitgrößte ukrainische Ernte von 28,5 Mio. t aus dem Vorjahr (2014). Damit erwartet das USDA in diesem Jahr die bislang drittgrößte ukrainische Ernte (und damit auch ausreichend Mais für den Export nach Europa).
 
Die ukrainische Maisfläche veranschlagt das USDA im September unverändert auf 4,1 Mio. ha. Im letzten Jahr (2014) war die ukrainische Maisfläche mit 4,63 Mio. ha sogar 0,53 Mio. ha größer. Die erwarteten Erträge fallen mit 6,59 t/ha hingegen deutlich höher aus als als 2014 mit 6,15 t/ha. Das ukrainische Exportpotential sieht das USDA für das neue Wirtschaftsjahr 2015/16 jetzt jedoch bei 18,5 Mio. t und damit 1,0 Mio. t höher als im August und fast so hoch wie im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 (19,0 Mio. t).
 
Brasilien 2015 mit Rekordernte und mehr Exporten
Für Brasilien ließ das USDA die Erwartungen an die nächste Maisernte (2016) unverändert bei 79,0 Mio. t. Gleichzeitig erreichte die zu Ende zurückliegende brasilianische Ernte aus dem Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 84,0 Mio. t einen neuen Rekordwert. Die Aussaat für die Ernte 2016 beginnt in Brasilien erst im Oktober/November. Dabei liegt die erwartete Aussaatfläche für die Ernte 2016 nach Einschätzung des USDA bei 15,3 Mio. ha (Aug: 15,3 Mio. ha) und wäre damit nur 0,2 Mio. ha kleiner als zur Ernte 2015 mit 15,5 Mio. ha.
 
Das brasilianische Exportpotential sieht das USDA im Wirtschaftsjahr 2015/16 bei 29,0 Mio. ha (Aug: 28,0 Mio. t) und damit deutlich größer als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 22,0 Mio. t. Ein Grund für die wachsenden Exporte sind die sehr hohen Lagerbestände von fast 18,6 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2014/15 und immer noch 15,2 Mio. t (Aug: 16,6 Mio. t) im Wirtschaftsjahr 2015/16 und den im Vergleich zu den US-Exporten deutlich niedrigeren Preisen.
 
Dr. Olaf Zinke
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