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Analyse

USDA/Mais: Reichlich versorgter Markt gibt Richtung vor

von , am
12.06.2014

Am Maismarkt bestätigt das USDA in seinem Juni-Report noch einmal sehr gute globale Versorgung für 2014/15.

© Schollen/landpixel.de
 
Am Maismarkt bestätigt das USDA in seinem Juni-Report noch einmal die sehr gute globale Versorgung für 2014/15. Die globale Maisproduktion wurde gegenüber dem Mai-Report leicht nach oben korrigiert und erreicht nach der Einschätzung des USDA in etwa das Rekordergebnis des aktuellen Wirtschaftsjahres (2013/14). Hauptursache ist die bislang erwartete Wiederholung der Rekordernte in den USA. Der globale Maisverbrauch wurde gegenüber der Maisschätzung leicht nach oben gesetzt und liegt zudem deutlich höher als im laufenden Wirtschaftsjahr. Dennoch lässt die große Ernte die Bestände auf den höchsten Stand seit 15 Jahren (1999) anwachsen. Gleichzeitig liegt die globale Handelsmenge nur ganz knapp unter dem Rekordwert des noch laufenden Wirtschaftsjahres. Insgesamt wirken die Daten und Prognosen zum Maismarkt ausgesprochen bärisch. Vor diesem Hintergrund ging der Mais in Chicago am Mittwoch mit einem Abschlag von 1,0 % aus dem Handel und auch in Europa gaben die Kurse nach. Am Donnerstag Nachmittag (MEZ) lagen die Maispreise im vorbörslichen Handel in Chicago erneut leicht im Minus.
 
Produktion übersteigt Verbrauch deutlich
Die Juni-Schätzung des USDA zur kommenden Maisernte 2014/15 liegt bei 981 Mio. t und damit 2 Mio. t höher als im Mai (979 Mio. t.) Diese Produktion entspricht in etwa der Rekordernte aus dem letzten Jahr von ebenfalls 982 Mio. t und würde damit die größte jemals eingebrachte Erntemenge erneut erreichen. Kräftig zunehmen soll 2014/15 jedoch auch der globale Verbrauch von 951 Mio. t auf 967 Mio. t (Mai: 966 Mio. t) und damit ebenfalls auf einen neuen Rekordwert steigen. Dennoch übertrifft die neue Ernte den Verbrauch immer noch um knapp 14 Mio. t. Die Bestände wachsen deshalb ebenfalls von 169 Mio. t auf 183 Mio. t (Mai: 182 Mio. t) auf den höchsten Stand seit 15 Jahren (1999). Die globale Handelsmenge erreicht mit 118,4 Mio. t (Mai: 117,9 Mio. t) fast den bisherigen Rekordwert von 119,4 Mio. t im noch laufenden Wirtschaftsjahr. Insgesamt wäre die Versorgunglage am globalen Maismarkt damit im kommenden Wirtschaftsjahr sehr gut.
 
US-Ernte erreicht Vorjahreswert, Bestände wachsen
Die neue Maisernte für die USA liegt nach der Juni-Prognose des USDA unverändert bei 353,96 Mio. t nach der bisherigen Rekordernte von 353,7 Mio. t im letzten Jahr (2013) und 274 Mio. t im Dürrejahr 2012. Die Exporte der USA sollen im nächsten Wirtschaftsjahr dennoch auf 43 Mio. t zurückgehen, von etwa 48 Mio. t im noch laufenden Wirtschaftsjahr und nur 18,2 Mio. t vor zwei Jahren. Die US-Maisbestände könnten bei diesem Szenario von 29 Mio. t (2013/14) auf knapp 44 Mio. t wachsen und damit um 15 Mio. t wachsen.
 
Europäer weltweit zweitgrößter Mais-Importeur
Die neue Maisernte der Europäischen Union erwartet das USDA mit 65,25 Mio. rund 0,7 Mio. t größer als im Mai-Report mit 64,6 Mio. t. Damit wäre die EU-Ernte auch größer als im letzten Jahr (2013) mit 64,6 Mio. t und jedoch deutlich kleiner als Kommission erwartet (69,1 Mio. t). Der europäische Import von Mais soll bei der erwarteten Erntemenge auch im nächsten Wirtschaftsjahr 2014/15 sehr hoch bleiben. Die aktuelle Rekordeinfuhr von 14 Mio. t (!!) wird mit erwarteten Importen von 13 Mio. t nur knapp verfehlt und ist vor allem den starken europäischen Weizenexporten geschuldet. Die Kommission hatte bisher eine Halbierung der europäischen Maisimporte erwartet. Damit wären die Europäer nach Japan und noch vor Mexiko und Südkorea erneut der zweitgrößte Maisimporteur der Welt.
 
Ukrainische Ernte besser als erwartet
Für die Ukraine, den in diesem Wirtschaftsjahr drittgrößten globalen Maisexporteur, hat das USDA im Unterschied zum Mai-Report die erwartete Maisernte von 26 Mio. t auf 27,0 Mio. t nach oben gesetzt. Damit blieb die Produktion jedoch immer noch unter dem bisherigen Rekord von 30,9 Mio. t aus dem letzten Jahr (2013). Das wäre ein Rückgang der Produktion von etwa 13 % bzw. 3,9 Mio. t. Dennoch wäre dies die bislang zweitgrößte ukrainischen Ernte überhaupt. Dabei bleibt die Aussaatfläche nach Einschätzung des USDA mit 4,8 Mio. ha etwa so groß wie im letzten Jahr (4,83 Mio. ha.). Hauptgrund für den Produktionsrückgang ist der geringere Einsatz von Dünger und Pflanzenschutz ,wegen der kräftig gestiegenen Produktionskosten und infolge dessen die niedrigeren Erträge. Das ukrainische Exportpotential sieht das USDA im Juni-Report bei 16,0 Mio. t (Mai: 16 Mio. t) nach 19,0 Mio. t im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr und 12,7 Mio. t vor zwei Jahren.
 
Brasilien mit stabilen Produktions- und Exportzahlen
Für Brasilien schätzt das USDA die nächste Maisernte unverändert auf 74,0 Mio. t nach 76 Mio. t (Mai-report) 75,0 Mio. t im noch aktuellen Wirtschaftsjahr 2013/14 und dem bisherigen Ernterekord von 81,5 Mio. t vor zwei Jahren. Die Aussaat der neuen Ernte 2013/14 beginnt in Brasilien allerdings erst im Oktober/November. Dabei geht die Aussaatfläche nach Einschätzung des USDA auf 14,8 Mio. ha leicht zurück (Vj.: 15,00 Mio. ha.). Das brasilianische Exportpotential sieht das USDA im nächsten Wirtschaftsjahr bei 22,0 Mio. t (Mai: 21,5 Mio. t) nach 20,5 Mio. t (Mai: 21,0 Mio. t) im noch laufenden Wirtschaftsjahr und 26 Mio. t vor zwei Jahren. Grund für die relativ stabilen Ausfuhren sind die sehr hohen Lagerbestände von 15,4 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr und immer noch 13,75 Mio. t (Mai:13,2 Mio. t) im nächsten Jahr.
 
Argentinien könnte Exporte ausweiten
Für Argentinien erwartet das USDA wegen einer moderaten Anbauausweitung von 3,4 Mio. ha auf 3,65 Mio. ha mit rund 26,0 Mio. t (Vj. 24,0 Mio. t) eine etwas größere Ernte. Das Exportpotential Argentiniens schätzt das USDA für die nächste Saison 2014/15 auf 17 Mio. t, nach 9,5 Mio. t (Mai: 10 Mio. t) im noch laufenden Wirtschaftsjahr und fast 23 Mio. t vor zwei Jahren. Dabei sind die argentinischen Endbestände derzeit so hoch wie lang nicht mehr und werden von 3,0 Mio. t und auf 4,5 Mio. t (Mai: 4,0 Mio. t) wachsen.
 
China importiert weniger, Japan etwas mehr
Die Importmenge des weltweit größten Importeurs Japan erwartet das USDA im neuen Wirtschaftsjahr relativ stabil bei 16,0 Mio. t nach 15,5 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr. Für China liegt die derzeitige Importprognose bei 3,0 Mio. t nach 4,0 Mio. t (Mai: 4,5 Mio. t) im noch laufenden Wirtschaftsjahr. Grund ist die vom USDA erwartete chinesische Rekordernte von 220 Mio. t nach 218 Mio. t im letzten Jahr. Die chinesischen Lagerbestände wachsen um knapp 1 Mio. t auf den Rekordwert von 78,2 Mio. t (Mai: 78,6 Mio. t) bzw. 43 % (!!) der globalen Maisbestände. Die Importmenge des weltweit drittgrößten Importeurs Mexiko geht wegen einer etwas besseren Ernte von 11,5 Mio. t auf 10,9 Mio. t zurück , während Südkoreas Einfuhren mit 9,5 Mio. t unverändert erwartet werden.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
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