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Analyse

USDA/Mais: Wenig Aussicht auf höhere Maispreise

von , am
12.09.2014

Am Maismarkt bestätigt das USDA in seinem September-Report noch einmal außergewöhnlich gute globale Versorgung.

© Schollen/landpixel.de
Am Maismarkt bestätigt das USDA in seinem September-Report noch einmal die außergewöhnlich gute globale Versorgung für 2014/15 und schickt die bereits kräftig gefallenen Maispreise ein weiteres Mal auf Talfahrt. Die weitweite Maisproduktion wurde gegenüber dem August-Report des USDA noch einmal moderat nach oben korrigiert und übertrifft damit weiterhin das bisherige Rekordergebnis des letzten Wirtschaftsjahres (2013/14). Hauptursache für die Aufwärtskorrektur ist die kräftig nach oben gesetzte Rekordernte in den USA. Der globale Maisverbrauch wurde ebenfalls auf einen neuen Rekordwert angehoben. Dennoch lässt die große Ernte die Bestände auf den höchsten Stand seit 15 Jahren (1999) anwachsen. Anderseits liegt die globale Handelsmenge recht deutlich unter dem Rekordwert des letzten Wirtschaftsjahres.
 
US-Preise fallen auf 5Jahrestief; EU-Mais unter 140 Euro
Trotz des kräftigen Preisrückgangs der letzten Wochen wirkten die neuen Daten zum Maismarkt erneut bärisch. In Chicago ging der Mais am Donnerstag mit einem Abschlag von 1,5 % aus dem Handel und kostet umgerechnet nur noch 104 Euro/t (341 Ct/bu). Das ist der niedrigste Maispreis seit September 2009 also seit 5 Jahren. In Europa hatten die Maispreise am Donnerstag sogar um fast 3 % nachgegeben und waren deutlich unter die Marke von 140 Euro/t gefallen. Das waren die niedrigsten europäischen Maispreise seit April 2010. Am Freitag Vormittag (MEZ) bewegten sich die Maispreise im vorbörslichen Handel in Chicago seitwärts und lagen in Europa leicht im Plus.
 
Rekord-Produktion, Bestände auf 15Jahreshoch
Die September-Schätzung des USDA zur neuen Maisernte 2014/15 liegt bei 988 Mio. t und damit nochmals 3 Mio. t höher als im August (985 Mio. t.) Diese Produktion übertrifft die Rekordernte aus dem letzten Jahr von 987 Mio. t um gut 1 Mio. t und wäre damit die größte jemals eingebrachte Erntemenge. Hauptrund für den Produktionsanstieg ist die nochmals kräftig um rund 10 Mio. t nach oben gesetzte neue US-Rekordernte, die auch den zuvor von Analysten erwarteten Wert übertrifft. Allerdings gab es diesmal auch Abwärtskorrekturen der Erntemengen in China, in der Ukraine, in Argentinien und in Russland. Die erwartete Ernte der EU hat das USDA nach oben gesetzt ebenso wie Maisproduktion Brasilien. Sehr kräftig zunehmen soll 2014/15 der globale Verbrauch von 952 Mio. t auf 971 Mio. t (August: 969 Mio. t) und damit ebenfalls auf einen neuen Rekordwert. Dennoch übertrifft die neue Ernte den Verbrauch immer noch um 17 Mio. t. Die Bestände wachsen deshalb ebenfalls von 171 Mio. t auf 190 Mio. t (August: 188 Mio. t) und damit auf den höchsten Stand seit 15 Jahren (1999). Die globale Handelsmenge verfehlt mit 117 Mio. t (August: 177 Mio. t) den bisherigen Rekordwert von 127 Mio. t aus dem letzten Wirtschaftsjahr jedoch sehr deutlich.
 
US-Ernte nochmals kräftig nach oben gesetzt
Die neue Maisernte für die USA wurde in der September-Prognose des USDA (wegen der außergewöhnlich hohen Erträge von 10,78 t/ha) von 356 Mio. t auf 366 Mio. t nach oben gesetzt und übertrifft damit sehr deutlich die bisherige Rekordernte von 353,7 Mio. t aus dem letzten Jahr (2013). Die Exporte der USA sollen im neuen Wirtschaftsjahr dennoch auf 44,5 Mio. t (August: 44,0) zurückgehen, nach 49,5 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr und nur 18,3 Mio. t im Dürrejahr 2012/13. Die US-Maisbestände sollen nach diesem Szenario von 30 Mio. t (2013/14) auf 51 Mio. t zunehmen (August: 46 Mio. t) und drücken enorm auf die Preise.
 
Europäer mit sehr guter Ernte und weniger Importen
Die neue Maisernte der Europäischen Union erwartet das USDA im August bei 68,3 Mio. und damit rund 1,3 Mio. t größer als im August-Report mit 67,0 Mio. t. Damit wäre die EU-Ernte auch deutlich größer als im letzten Jahr (2013) mit 64,2 Mio. t und die zweitgrößte bislang eingebrachte Maisernte nach 2011 (68,6 Mio. t). Der vom USDA erwartetet Verbrauch liegt mit 75,5 Mio. t (Vj.: 76,0 Mio. t) allerdings deutlich über der Produktion. Der europäische Import von Mais soll wegen der größeren Erntemenge im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 jedoch zurückgehen. Die Rekordeinfuhr von 16,0 Mio. t (!!) im letzten Jahr wird mit erwarteten Importen von 10 Mio. t (August: 11 Mio. t) um 6,0 verfehlt. Damit wären die Europäer nach Japan und Mexiko und noch vor Südkorea der drittgrößte Maisimporteur der Welt.
 
Ukraine erntet weniger Mais
Für die Ukraine, den im letzten Wirtschaftsjahr drittgrößten globalen Maisexporteur, hat das USDA die erwartete Maisernte im September mit um 1,0 Mio. t auf 26,0 Mio. t gesenkt. Damit liegt die Produktion deutlich unter dem bisherigen Rekord von 30,9 Mio. t aus dem letzten Jahr (2013). Das wäre ein Rückgang von etwa 16 % bzw. 4,9 Mio. t. Dennoch wäre dies die bislang zweitgrößte ukrainische Ernte überhaupt. Hauptgrund für den Produktionsrückgang sind die niedriger erwarteten Erträge. Das ukrainische Exportpotential sieht das USDA im September-Report unverändert bei 16,0 Mio. t (August: 16 Mio. t) nach 20,0 Mio. t im letzten gehenden Wirtschaftsjahr und 12,7 Mio. t vor zwei Jahren.
 
Brasiliens Ernte wird etwas größer
Für Brasilien schätzt das USDA die nächste Maisernte um 1,0 Mio. t auf 75,0 Mio. t nach oben,  nach einer Ernte von 79,3 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 und dem bisherigen Ernterekord von 81,5 Mio. t vor zwei Jahren. Die Aussaat der neuen Ernte 2014/15 beginnt in Brasilien im Oktober/November. Dabei geht die Maisfläche zur neuen Ernte nach Einschätzung des USDA auf 15,0 Mio. ha zurück (Vj.: 15,7 Mio. ha.). Das brasilianische Exportpotential sieht das USDA im neuen Wirtschaftsjahr bei 22,5 Mio. t (August: 22,0 Mio. t) nach 22 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2013/14 und 26 Mio. t vor zwei Jahren. Grund für die relativ stabilen Ausfuhren sind die sehr hohen Lagerbestände von 17,8 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 und 17, 0 Mio. t (August 15,8 Mio. t) im neuen Wirtschaftsjahr.
 
Argentinien mit kleiner Anbaufläche
Für Argentinien erwartet das USDA wegen eines Anbaurückgangs von 3,4 Mio. ha auf 3,25 Mio. ha (August: 3,65 Mio. ha) mit rund 23,0 Mio. t eine rund 3 Mio. t kleinere Ernte als noch im August (26,0) und 2 Mio. t weniger als im letzten Jahr (25,0 Mio.t). Das Exportpotential Argentiniens schätzt das USDA für die nächste Saison 2014/15 auf 13,5 Mio. t (August: 15 Mio. t), nach 12,5 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2013/14 und fast 23 Mio. t vor zwei Jahren. Dabei bleiben die argentinischen Endbestände mit 2,6 Mio. t ähnlich hoch wie im Vorjahr mit 2,8 Mio. t.
 
Chinas Ernte nach unten korrigiert
Für China hat das USDA die Ernteschätzung im September deutlich gesenkt. Nach der zunächst vom USDA erwarteten chinesischen Rekordernte von 222,0 Mio. t (August) liegt die USDA Prognose jetzt nur noch bei 217 Mio. t und damit sogar unter dem bisherigen Rekordergebnis aus dem Vorjahr von 218,5 Mio. t. Die derzeitige Importprognose bliebt indessen mit 3,0 Mio. t unverändert nach 3,5 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr. Die chinesischen Lagerbestände bleiben auf dem bisherigen Rekordwert von 77,4 Mio. t stehen. Diese Menge entspricht 41 % (!!) der globalen Maisbestände. Die Importmenge des weltweit größten Importeurs Japan erwartet das USDA im neuen Wirtschaftsjahr relativ stabil bei 15,7 Mio. t nach 15,5 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr. Die Importmenge des weltweit zweitgrößten Importeurs Mexiko bleibt mit 10,9 Mio. t ebenfalls fast etwa stabil, während Südkoreas Einfuhren mit 9,5 Mio. t (Vj: 10,3) etwas kleiner erwartet werden.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
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