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Analyse

Brasilien: Riesige Sojaernte beginnt deutlich früher

von , am
15.01.2014

Brasiliens kommende Sojaernte könnte alle bisherigen Prognosen übertreffen.

Die Brasilianer sollen dieses Jahr mit 111 Mio. t eine Rekordsojaernte einfahren. © landpixel
Brasiliens kommende Sojaernte könnte alle bisherigen Prognosen übertreffen. Das lassen jedenfalls die letzten Schätzungen von brasilianischen Analysten erwarten. Grund sind die ausgezeichneten Wachstumsbedingungen (Niederschläge) in den meisten wichtigen Anbauregionen sowie der hervorragende Zustand der Sojapflanzen in Verbindung mit dem sehr frühen Aussaatzeitpunkt. Damit wachsen auch die Aussichten auf eine sehr frühe Ernte und in der Folge auch auf eine frühe Aussaat und eine lange Wachstumsperiode von Winter-Mais (Safrina) als Zweitfrucht nach Soja.
 
Ernte noch mit Luft nach oben
Bereits in der letzten Woche setzte die staatlich brasilianische Marktagentur CONAB die erwartetet Sojaernte auf 90,3 Mio. t nach oben und liegt damit nochmals über der schon nach oben korrigierten Januar-Prognose des USDA von 89,0 Mio. t. Der brasilianische Landwirtschaftsminister Antonio Andrade hielt letzte Woche sogar eine Ernte von 95 Mio. t für erreichbar. Für Brasilien bedeutet bereits die vom USDA erwartete Erntemenge einen neuen Produktionsrekord. Die letzte Rekordernte wurde im letzten Wirtschaftsjahr mit 82 Mio. t von rund 27,7 Mio. ha eingebracht. In diesem Jahr ist die Anbaufläche mit 29,5 Mio. ha nochmals fast 2 Mio. ha größer.
 
Wachstumsbedingungen besser als im Vorjahr
Die brasilianische Analystenfirma Agroconsult schätzte vor dem Hintergrund der auszeichneten Wachstums-Konditionen die Sojaernte diese Woche ebenfalls weiter nach oben. Auf rund 91,6 Mio. t veranschlagte Agroconsult die die brasilianische Produktion und damit noch einmal deutlich höher als das USDA (89) oder als CONAB (90,3). Begründet wurde die Aufwärtskorrektur damit, dass die Wachstumsbedingungen in den beiden wichtigsten Anbaustaaten Mato Grosso und Paraná besser sind als im letzten Jahr und in Rio Grande do Sol der Nummer ebenso gut wie in im letzten Jahr.
 
Ernte beginnt schon Mitte Februar
Der Entwicklungsstand der Sojapflanzen ist zudem fast durchweg weiter als im Vorjahr zu diesem Termin. Vor diesem Hintergrund schließt Agroconsult auf einen sehr frühen Erntezeitpunkt. Die Haupterntezeit liegt danach zwischen 15 Februar und 15 März. Vor 10 Jahren begann die Haupterntezeit erst 4 Wochen später. Verantwortlich für den besonders frühen Erntebeginn ist nach Agroconsult allerdings das Zusammenfallen einer Reihe von günstigen Bedingungen. Zum einen wollen die Landwirte möglichst früh ernten, damit der Wintermais als Zweitfrucht möglichst lange wachsen kann. Zum anderen ermöglicht der technologische und züchterische Fortschritt einen immer früheren Erntezeitpunkt. Und nicht zuletzt hat in diesem Jahr das sehr gute Wetter( Regen) vielerorts eine sehr frühe Aussaat ermöglicht.
 
Neue Logistik-Probleme erwartet
Der brasilianische Export von Sojabohnen dürfte im neuen Wirtschaftsjahr ebenfalls einen neuen Rekordwert erreichen. Das USDA prognostiziert die Ausfuhren in seinem aktuellen Report auf 44 Mio. t nach knapp 42 Mio. t im letzten Jahr. Damit wäre Brasilien vor den USA erneut der größte Exporteur von Sojabohnen. Allerdings könnten Ausfuhren auch noch größer ausfallen. Diese riesige Exportmenge dürfte die bekannten Logistik-Probleme an den Exporthäfen allerdings erneut deutlich machen. Außerdem dürfte die größere und frühere Sojaernte auch die Transport- und Lagerlogistik am Binnenmarkt erheblich strapazieren, denn zeitgleich läuft die Ernte von Sommermais. Im letzten Jahr hatte der Rückstau an den Exporthäfen dazu geführt, dass einige Schiffe bis zu 70 Tage auf die Verladung von Soja und Mais warten mussten. In der Folge hatten sich Transport- und Logistikkosten vom größten Anbaustaat Mato Grosso bis zu zum Hafen Paranagua binnen Jahresfrist verdoppelt. Nach Einschätzung von Agroconsult gibt es in diesem Jahr trotz einer um 9 Mio. t größeren Sojaernte kaum zusätzliche Lager- und Transportkapazitäten.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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