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Analyse

Brasilien: Rückstand bei der Soja-Aussaat fast aufgeholt

von , am
28.11.2014

Der bis Ende November erzielte Aussaatfortschritt liegt mit 76 Prozent fast auf dem Niveau des Vorjahres (79 %).

Soja-Aussaat: Die Sojapflanze braucht viel Wärme und Wasser zum Keimen. © oekolandbau.de
Rund drei Viertel der geplanten Flächen hatten die brasilianischen Farmer zum Beginn dieser Woche mit Sojabohnen bestellt, meldete das brasilianischen Consulting-Unternehmen AgRural. Im wichtigsten Anbaustaat Mato Grosso sind es sogar mehr als 90 Prozent. Damit ist der sehr große Rückstand bei der Sojaaussaat in Brasilien in den letzten Wochen deutlich kleiner geworden. Zunächst hatte ein sehr trockener und warmer Oktober den Aussaatbeginn und das Tempo der Aussaat in den meisten wichtigen Anbaustaaten jedoch erheblich verzögert und die Spekulationen über größere Produktionsausfälle angeheizt. In den letzten Wochen hat es jedoch vielerorts ausgiebig geregnet und die Aussaat- und Aufwuchsbedingungen haben sich deutlich verbessert. Der bis Ende November erzielte Aussaatfortschritt liegt mit 76 Prozent fast auf dem Niveau des Vorjahres (79 %).
 
Aussaat in den Hauptanbaustaaten abgeschlossen
Insbesondere im wichtigsten Anbaustaat von Soja (und Wintermais), im zentral-brasilianischen Mato Grosso war die Aussaat bereits zu 93 % abgeschlossen. Damit hat man ebenfalls beinahe den Stand des letzten Jahres (96 %) erreicht. Auch im zweitwichtigsten Anbausaat Mato Grosso do Sul war bereits 95 % des Sojas ausgesät. Dagegen lag der Aussaatfortschritt trockenheitsbedingt im drittgrößten Produktionsstaat Goias mit 81 % deutlich hinter dem Vorjahr (93 %). Bei der Nummer 4 unter den brasilianischen Anbaustaaten Paraná sind bisher 84 % der Bohnen gepflanzt und Rio Grande do Sul waren es nur 60 %. Am geringsten war der Aussaatfortschritt in Sao Paulo mit 55 %. im Unterschied zum letzten Jahr haben die brasilianischen Farmer auch eine deutlich kleinere Menge der neuen Ernte bereits über Vorkontrakte verkauft. Im wichtigsten Anbaustaat Mato Grosso sind es bislang nur 25 % im Vergleich zu 44 % im letzten Jahr und Paraná ware es gerade einmal 7 % im Vergleich zu 90 % vor einem Jahr.
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Rekorderwartungen werden erneut bestätigt
Trotz der Probleme bei der Aussaat wir die neuen Ernte (wegen der größeren Anbaufläche) einen Rekordwert erreichen. Allerdings hat das USDA-Büro in Brasilia die Ernte in dieser Woche wegen der nach unten korrigierten Ertragserwartung ebenfalls etwas nach unten korrigiert. Dennoch dürfte der brasilianische Export von Sojabohnen auf den höchsten bislang erreichten Wert steigen. Die Brasilianer wären mit der erwarteten Produktion (nach den USA) der weltweit zweitgrößte Produzent von Sojabohnen. Zudem wäre die erwartete Exportmenge (wegen der riesigen Bestände) ähnlich groß wie die der USA. Wie auch in den USA führt der derzeitige Preis- und Kostenverteil von Soja gegenüber Mais auch in Brasilien (und in Argentinien) zu einer Anbauausweitung bei Soja zu Lasten des Maisanbaus.
 
Anbaufläche deutlich größer als 2013
Die Aussaat von Sojabohnen beginnt in Brasilien im Oktober und zieht sich bis Anfang Dezember hin. Hauptaussaatmonat ist aber der November. Die brasilianischen Farmer versuchen jedoch, die Aussaat der Sojabohnen zeitlich immer weiter nach vorne zu ziehen, um nach einer frühen Sojaernte im Februar noch den sogenannten Wintermais (Safrina) als Zweitfrucht anzubauen. Das geschieht insbesondere auch über genetisch veränderte schneller reifende Sorten (in 90 bis 95 Tagen). Etwa 60 % aller Soja-Pflanzen gehören bereits zu dieser schnellwachsenden Kategorie. In diesem Jahr erreicht die Anbaufläche von Sojabohnen nach den Mitte November aktualisierten Daten des USDA-Büros in Brasilia eine Größenordnung von 31,5 Mio. ha. Im Vergleich zum letzten Jahr (30,1 Mio. ha) ist dies ein Zuwachs von 1,4 Mio. ha und gegenüber der Anbaufläche von 2012 (27,7 Mio. ha) sind dies sogar 3,8 Mio. ha mehr. Seit dem Jahr 2000 (13,9 Mio. ha) ist die Sojafläche in Brasilien damit um 17,5 Mio. ha gewachsen und hat sich damit mehr als verdoppelt.
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Produktion leicht nach unten korrigiert
Die Produktionsschätzungen auf der Basis der derzeitigen Anbaufläche liegen überwiegend zwischen 90 Mio. t und 94 Mio. t. Je nach Witterungsverlauf dürfte sich die Ernte in dieser Spanne bewegen. Das USDA-Büro in Brasilia hat seine Prognose zuletzt von 94 Mio. t auf 92 Mio. t gesenkt. Das brasilianische Landwirtschaftsministerium (CONAB) lag Mitte November mit seiner Ernte-Schätzung bei 90,5 Mio. t. Der brasilianische Export von Sojabohnen könnte im Wirtschaftsjahr 2014/15 mit rund 47 Mio. t ebenfalls eine neue Rekordmarke erreichen. Im letzten Jahr wurden 46,5 Mio. t exportiert und vor zwei Jahren waren es 41,9 Mio. t. Seit der Jahrtausendwende (16 Mio. t) hat sich die Exportmenge damit verdreifacht. Rund 70 % der brasilianischen Soja-Ausfuhren gehen nach China.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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