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Analyse

Brasilien: Trockenheit verzögert Sojaaussaat

von , am
22.10.2014

Die nächste brasilianische Sojaernte im Frühjahr 2015 wird nach den derzeitigen Prognosen einen neuen Rekordwert erreichen.Am 19. Oktober waren wegen der anhaltenden Trockenheit in Zentralbrasilien gerade einmal 10 % der Sojabohnen gepflanzt.

Soja-Aussaat: Die Sojapflanze braucht viel Wärme und Wasser zum Keimen. © oekolandbau.de
Die nächste brasilianische Sojaernte im Frühjahr 2015 wird nach den derzeitigen Prognosen einen neuen Rekordwert erreichen. Gleichzeitig dürfte der brasilianische Export von Sojabohnen auf den höchsten bislang erreichten Wert steigen. Die Südamerikaner wären mit der erwarteten Produktion nach den USA der weltweit zweitgrößte Produzent von Sojabohnen. Gleichzeitig wäre die erwartete Exportmenge (wegen der rieseigen Bestände) ähnlich groß oder sogar größer als die der Amerikaner. Wie auch in den USA führt der derzeitige Preis- und Kostenverteil von Soja gegenüber Mais auch in Brasilien (und in Argentinien) zu einer Anbauausweitung bei Soja und zu einer Einschränkung des Maisanbaus. Das kräftig wachsende globale Sojaangebot dürfte die Preise für Sojabohnen und Eiweißfutter auch im nächsten Jahr unten halten. Bis zum 19. Oktober waren wegen der anhaltenden Trockenheit in Zentralbrasilien gerade einmal 10 % der Sojabohnen gepflanzt. Im letzten Jahr betrug die Aussaatfläche zu diesem Termin 19 % und im langjährigen Mittel waren es 20 %. Für die aktuelle Woche wurde für den wichtigen zentralbrasilianischen Anbaustaat Mato Grosso sowie für Goias und Mato Grosso do Sol Regen erwartet.
 
Anbaufläche wächst immer weiter
Die Hauptaussaat von Sojabohnen beginnt in Brasilien im Oktober und zieht sich bis Anfang Dezember hin. Hauptaussaatmonat ist bislang noch der November. Die brasilianischen Farmer versuchen jedoch, die Aussaat der Sojabohnen immer weiter vorzuziehen, um nach einer frühen Sojaernte im Februar noch den sogenannten Wintermais (Safrina) als Zweitfrucht anzubauen. Das geschieht insbesondere auch über genetisch veränderte schneller reifende Sorten (in 90 bis 95 Tagen). Etwa 60 % aller Pflanzen gehören bereits zu dieser schnellwachsenden Kategorie. In diesem Jahr erreicht die Anbaufläche von Sojabohnen nach den Daten des USDA-Büros in Brasilia eine Größenordnung von 31,5 Mio. ha. Im Vergleich zum letzten Jahr (30,1 Mio. ha) ist dies ein Zuwachs von 1,4 Mio. ha und gegenüber der Anbaufläche von 2012 (27,7 Mio. ha) sind die sogar 3,8 Mio. ha mehr. Seit dem Jahr 2000 (13,9 Mio. ha) ist die Sojafläche in Brasilien damit um 17,5 Mio. ha gewachsen und hat sich damit mehr als verdoppelt. Neben der Erschließung neuer Flächen geht der aktuelle Flächenzuwachs auch auf Kosten des Anbaus des normalen Sommermais.
 
Trockenheit verzögert Aussaat in Zentralbrasilien
Die Produktionsschätzungen auf der Basis der jetzt geplanten Anbaufläche liegen zwischen 91 Mio. t und 94 Mio. t. Je nach Witterungsverlauf soll sich die Ernte in dieser Spanne bewegen. Das USDA ging zuletzt von 94 Mio. t aus. Das brasilianische Landwirtschaftsministerium (CONAB) hat seine letzte Schätzung bei 91 Mio. t angesiedelt. Die ausbleibenden Niederschläge seit Mitte September (Frühjahr) haben die Aussaat vor allem im wichtigsten Anbaustaat Mato Grosso jedoch deutlich verzögert. In Mato Grosso wurden bislang erst 11 % der Fläche bestellt, im Vergleich zu 30 % im letzten Jahr. Diese Verzögerung verringert auch das optimale Zeitfenster für die Aussaat und das Wachstum von Wintermais (Safrina) als Zweitfrucht. Im zweitwichtigsten brasilianischen Anbaustaat Paraná sind hingegen schon 33 % der Bohnen im Boden, im Vergleich zu 40 % im letzten Jahr und 33 % im langjährigen Mittel. In Mato Grosso do Sol waren 10 % der Flächen bestellt und in Goias waren es nur 3 %.
 
Weniger Logistik-Probleme erwartet
Auch der brasilianische Export von Sojabohnen könnte im Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 49 Mio. t eine neue Rekordmarke erreichen. Im letzten Jahr wurden 46,8 Mio. t exportiert und vor zwei Jahren 41,9 Mio. t. Seit der Jahrtausendwende (16 Mio. t) hat sich die Exportmenge damit verdreifacht. Bereits im letzten Jahr hat Brasilien beinahe so viele Sojabohnen exportiert wie die USA. Das wird auch in der neuen Saison so bleiben. Rund 70 % der brasilianischen Ausfuhren gehen nach China. Beobachter gehen davon aus, dass die Logistikprobleme an den Exporthäfen trotz der größeren Ernte weiter abnehmen werden. Das hat zum einen mit dem weiteren Ausbau (und der Verlagerung) von Kapazitäten in die weiter nördlich gelegen Export-Häfen zu tun. Darüber wurde auch in den Verbesserung der Infrastruktur zu und am zweitgrößten Verladehafen Paranagua investiert. Bislang ging die Hauptausfuhr von Soja und Mais über die beiden großen Export-Häfen Santos und Paranagua.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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