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Analyse

Brasilien/Soja: Rekordernte, mehr Exporte und Preisdruck

von , am
29.01.2014

In den letzten Wochen wurde die erwartete Sojaernte in Brasilien immer weiter nach oben korrigiert.

© Mühlhausen/landpixel

 
In den letzten Wochen wurde die erwartete Sojaernte in Brasilien immer weiter nach oben korrigiert. Nun schließt sich auch das in Brasilien tätige Büro des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) der Einschätzung der meisten Analysten an und setzt seine Ernteprognose weiter nach oben. Eine ganze Reihe brasilianischer Ernteschätzungen liegen indessen noch höher und nicht wenige Beobachter halten weitere Korrekturen nach oben durchaus für wahrscheinlich. Die Haupterntezeit liegt nach derzeitigen Schätzungen zwischen dem 15 Februar und dem 15 März.
 
Ernte hat bereits begonnen, neuer Rekord
Im wichtigsten Anbausaat Mato Grosso hat die Ernte der frühgepflanzten Sojabohnen im bereits im Januar begonnen (Knapp 5 %) und auch im Bundesstaat Paraná ist die Ernte seit Mitte Januar im Gange. Das USDA-Büro in Brasilien schätzt die Gesamtproduktion jetzt auf 89,5 Mio. t, nachdem die letzte Ernteprognose im Dezember bei 88,5 Mio. t lag. Das USDA hat in seinem offiziellen Januarreport zuletzt eine Produktion von 89,0 Mio. t veranschlagt. Die wichtigsten brasilianischen Schätzungen bewegten sich zwischen 90,3 Mio. t (CONAB), 91,6 Mio. t (Agroconsult) sowie 91,8 Mio. t (Safras) und waren damit durchweg höher als die USDA-Schätzungen. Im letzten Jahr hatten die brasilianischen Farmer ihre bisherige Rekordernte von 82 Mio. t Sojabohnen eingebracht. Vor zwei Jahren lag die Ernte witterungsbedingt lediglich bei 66,5 Mio. t.
 
Sehr frühe Ernte, größere Fläche
Grund für die hervorragenden Ernteprognosen sind die ausgezeichneten Wachstumsbedingungen (Niederschläge) in den meisten wichtigen Anbauregionen sowie der sehr gute Zustand der Sojapflanzen, in Verbindung mit einem sehr frühen Aussaatzeitpunkt. Das verdeutlicht auch der sehr frühe Erntebeginn in Mato Grosso und Paraná Anfang bzw. Mitte Januar. Die Haupterntezeit dürfte nach derzeitigen Schätzungen zwischen dem 15 Februar und dem 15 März liegen und damit ebenfalls deutlich früher als in den Jahren zuvor. Die Sojafläche wurde vom brasilianischen USDA-Büro auf 29,4 Mio. ha geschätzt. Im Vergleich zum letzten Jahr wäre dies ein Anbauzuwachs von 1,7 Mio. ha und gegenüber dem Jahr 2012 beträgt der Zuwachs sogar 4,4 Mio. ha. Seit der Jahrtausendwende hat sich die Anbaufläche von Soja in Brasilien sogar mehr als verdoppelt und seit 2006 beträgt der Zuwachs rund 10 Mio. h bzw. rund ein Drittel.
 
Exporte wachsen immer weiter
Die Exportmöglichkeiten veranschlagt das USDA-Büro in Brasilien für das Wirtschaftsjahr 2013/14 auf 46 Mio. t nach 45 Mio. t in der Dezemberprognose. Das USDA selbst war in seiner letzten offiziellen Schätzung Mitte Januar von einer Exportmenge von 44,5 Mio. t ausgegangen. Damit wäre Brasilien mit einigem Abstand vor den USA (41 Mio. t) und erst recht vor Argentinien (10 Mio. t) erneut der größte Exporteur von Sojabohnen. Im letzten Wirtschaftsjahr exportierten die Brasilianer nach ihrer Rekordernte bereits 43 Mio. t und vor zwei Jahren waren es knapp 32 Mio. t. Größter Absatzmarkt ist erwartungsgemäß China. Das Reich der Mitte kaufte im vergangenen Kalenderjahr mehr als Hälfte seiner Sojaimporte (63 Mio. t) in Brasilien und nur ein Drittel in den USA.
 
Keine bessere Logistik, aber mehr Exporthäfen
Wahrscheinlich werden mit der Riesenernte die Logistikprobleme der Brasilianer nicht unbedingt kleiner, zumal es kaum neue Investitionen in die Transport- und Lagerlogistik gegeben hat. Allerdings könnt sich die Ausfuhr auf deutlich mehr Häfen verteilen als im letzten Jahr. Davon geht zumindest das USDA-Büro in Brasilien aus. So waren über den (südlichen) Hafen in Rio Grande im letzten Jahr bereits mehr Sojabohnen verladen und exportiert worden als über den bislang wichtigsten Hafen in Paranagua. Die Situation verdeutlich die Verladezeit während der Haupternte 2013. Dort lagen die Wartezeiten in Rio Grande bei maximal 15 Tagen und im bisherigen Haupthafen Paranagua bei bis zu 100 Tagen. Nach Einschätzung von Analysten werden dieses Jahr wohl auch deutlich mehr Bohnen an die Häfen im Norden und Nordosten des Landes fließen und die Wartezeiten verkürzen.
 
Im Frühjahr deutlich niedrigere Preise
Soja der letzten US-Ernte kostet derzeit an den Exporthäfen am US-Golf für die Februarverladung 520 USD/t (380 Euro) und für den April immerhin noch 504 USD/t (367 Euro). An den argentinischen Exporthäfen wird Soja der alten Ernte derzeit für 521 USD/t (381 Euro) verladen. Für den Apriltermin kostete argentinisches Soja dann nur noch 477 USD/t (349 Euro) und für den Mai 475 USD/t. Preismeldungen aus Brasilien und Paraguay liegen für April ebenfalls bei etwa 475 USD/t. Am europäischen Importhafen Rotterdam (cif) kosten brasilianische Sojabohnen für den Märztermin aktuell 528 USD/t (386 Euro) und für den April 518 USD/t (379 Euro). US-Bohnen kosteten im Februar noch 571 USD/t (418 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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