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Analyse

EU: Rapspreise steigen trotz Rekordernte, Anbaurückgang

von , am
07.10.2014

Die Einschätzung der EU-Kommission zur aktuellen europäischen Rapsernte bleibt weiterhin deutlich niedriger als die Prognosen der meisten anderen Analysten.

Für Raps ging es an der Matif um 1,25 Euro aufwärts auf 368,75 Euro je Tonne. © Mühlhausen/landpixel
Die Einschätzung der EU-Kommission zur aktuellen europäischen Rapsernte bleibt weiterhin deutlich niedriger als die Prognosen der meisten anderen europäischen und internationalen Analysten. Dennoch bedeutet auch die von der Kommission erwartete Erntemenge einen neuen Produktionsrekord für die EU. Die Rapspreise haben sich trotz der sehr bärischen Erntedaten Anfang Oktober kräftig erholt und sind auf den höchsten Stand seit Juli gestiegen. Zuvor waren die Kurse im September jedoch kräftig gefallen. Ursache für den Preisrückgang waren die immer weiter nach oben gesetzten Prognosen für die angelaufene Sojaernte in den USA.
 
Anbaurückgang für Ernte 2015
Die Meldungen über einen deutlichen Anbaurückgang zur neuen Ernte 2015 haben dann jedoch (neben der sehr langsamen Sojaernte) zu einer Preiserholung am Rapsmarkt beigetragen. Das europäische Analystenahaus Strategie Grains meldete Anfang Oktober für 2014 zwar eine Rapsernte von fast 24 Mio. t. Für die neue Saison geht man jedoch von einem deutlichen Anbaurückgang in Frankreich, Deutschland und anderen wichtigen Anbauländern aus. Der erwartete Flächenrückgang für die europäischen Ernte 2015 könnte bei mehr als 5 Prozent oder etwa 0,36 Mio. ha auf nur noch 6,3 Mio. ha liegen. Bei den diesjährigen Erträgen von 3,3 t/ha bedeutet dies einen Produktionsrückgang von gut 1,1 Mio. t im Jahr 2015. Hinzu kommen die aktuellen Berichte über erhebliche Insektenschäden an den ausgesäten Rapspflanzen in einer Reihe von EU-Ländern.
 
Andere Analysten erwarten deutlich größere Ernte
Die neue europäische Rapsernte 2014 schätzt die Kommission zum Monatswechsel auf 22,2 Mio. t und damit 0,2 Mio. t kleiner als im August mit 22,4 Mio. t. Im Vergleich zur Ernte 2013 von 20,9 Mio. t bedeutet die prognostiziere Erntemenge einen Zuwachs von 1,3 Mio. t. Würde die Prognose erreicht, wäre dies für die EU die bislang mit Abstand größte Ernte. Andere europäische und internationale Analysten schätzen die neue europäische Rapsernte jedoch deutlich größer ein als die EU-Kommission. Derzeit liegt die Prognose von ADM/ Töpfer bei einer Erntemenge von 23,8 Mio. t. Strategie Grains erwartet die Rapsernte ebenfalls bei 23,8 Mio. t und das USDA ging Mitte September von 23,4 Mio. t aus.
 
Weniger Importe, Rekord beim Verbrauch
Bei den Importen von Rapssaat erwartet die Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr mit rund 3,0 Mio. t einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr (3,49 Mio. t) von 0,5 Mio. t. Der europäische Verbrauch von Rapssaat (ohne Exporte) wird indessen auf einen neuen Rekordwert von 25,0 Mio. t veranschlagt und damit 1,3 Mio. t größer als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr (23,7 Mio. t) und 2,8 Mio. t größer als die von der Kommission unterstellte Produktion. Die europäischen End-Bestände von Rapssaat bleiben mit rund 1,25 Mio. t zum Vorjahr fast unverändert (1,3 Mio. t).
 
Kräftiger Zuwachs beim Verbrauch von Rapsschrot
Die Produktion von Rapsschrot erwartet die Kommission für das aktuelle Wirtschaftsjahr bei etwa 13,66 Mio. t und damit nochmals 0,7 Mio. t größer als im bisherigen Rekordjahr 2013/14 (12,97 Mio.t) und gleichzeitig 1,0 Mio. t höher als vor zwei Jahren (12,62 Mio. t). Der europäische Verbrauch von Rapsschrot steigt nach der aktuellen Kommissions-Prognose auf 13,7 Mio. t im aktuellen Wirtschafsjahr von 13,1 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2013/14.
 
Produktion und Verbrauch von Rapsöl wachsen
Auch die Produktion von Rapsöl nimmt mit erwarteten 9,8 Mio. t im Vergleich zum zurückliegenden Wirtschaftsjahr (9,3 Mio. t) um 0,5 Mio. t zu und wäre damit 0,7 Mio. t größer als vor zwei Jahren (9,1 Mio. t). Der europäische Verbrauch von Rapsöl steigt nach der Prognose der Kommission von 9,3 Mio. t auf knapp 9,9 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr deutlich an. Deshalb sollen auch die Importe von Rapsöl von 0,3 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr auf etwa 0,37 Mio. t zunehmen. Gleichzeitig gehen die europäischen Importe von Palmöl von 6,86 Mio. t auf 6,1 Mio. t zurück.
 
Rapspreise Anfang Oktober kräftig erholt
Am europäischen Terminmarkt sind die Rapspreise im September von 328 Euro bis auf 310 Euro gefallen. Anfang Oktober gab es dann eine sehr kräftige Preiserholung auf den höchsten Stand seit Ende Juli. Der Novemberkontrakt wurde am 06. Oktober am Terminmarkt mit 331 Euro gehandelt und damit gut 20 Euro über dem letzten Tiefstand im September. Im Vergleich zum Oktober des Jahres 2013 (369 Euro) waren die Rapspreise am europäischen Terminmarkt 38 Euro oder 10 % niedriger. Im deutschen Großhandel lagen die Preismeldungen zum gleichen Zeitpunkt an den wichtigsten Handelsplätzen zwischen 321 und 329 Euro (Sept: 310 Euro und 322 Euro). Für die Lieferung im Dezember wurden zwischen 328 und 335 Euro geboten (Sept: 315 Euro und 327 Euro )geboten.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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