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Analyse

Europäische Sojaproduktion kommt nicht voran

von , am
20.11.2014

Die Länder der Europäischen Union sind der mit Abstand größte globale Importeur von Sojaschrot und nach China der zweitgrößte Importeur von Sojabohnen.

Das Defizeit der EU an Eiweißfutermitteln ist so groß, dass eine einheimische Eiweißversorgung unmöglich erscheint, warnt der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT). © sima/fotolia
Die Länder der Europäischen Union sind der mit Abstand größte globale Importeur von Sojaschrot und nach China der zweitgrößte Importeur von Sojabohnen. Die europäische Produktion von Sojabohnen ist indessen vergleichsweise klein und hat in den letzten Jahren (trotz zahlreicher Initiativen) stagniert. Ein wachsender Teil des Bedarfs an Eiweißfutter und Pflanzenöl wurde in den letzten Jahren über den Anbau von Rapssaat abgedeckt. Diesem Wachstum sind jedoch sowohl aus Gründen der Fruchtfolge als auch aus ökonomischen Gründen Grenzen gesetzt. In diesem Wirtschaftsjahr werden die Länder der EU nach Einschätzung der Kommission rund 12,6 Mio. t Sojabohnen zu Gewinnung von Schrot und Öl importieren. Hinzu kommen Importe von 18,9 Mio. t Sojaschrot (entspricht etwa 24 Mio. t Sojabohnen). Dem steht eine Verbrauchsmenge der Europäer von 28,2 Mio. t Sojaschrot (entspricht etwa 35 Mio. t Sojabohnen) sowie 3,8 Mio. t Sojaöl gegenüber. Die Sojaproduktion der Europäischen Union liegt in diesem Jahr bei etwa 1,3 Mio. t und erreicht damit knapp 4 % der Verbrauchsmenge.
 
Anbaufläche stagniert auf niedrigem Niveau
In Europa wurden 2014 auf rund 0,507 Mio. ha Sojabohnen angebaut. Im Vergleich zum Jahr 2013, mit einer Anbaufläche von 0,468 Mio. ha, ist dies ein Zuwachs von etwa 8 Prozent. (Gleichzeitig ist die Anbaufläche von Rapssaat mit 6,76 Mio. ha und auch von Sonnenblumen mit 4,2 Mio. ha um ein Vielfaches größer). In den Jahren 2010 bis 2012 bewegte sich die Anbaufläche von Sojabohnen in der EU indessen relativ stabil zwischen 0,43 Mio. ha und 0,49 Mio. ha. Im Jahr 2008 war die Sojafläche zweitweise auch auf weniger als 0,3 Mio. ha abgesackt. Andererseits hatten die europäischen Landwirte im Jahr 2006 auch schon auf 0,560 Mio. ha Soja angebaut und damit auf einer größeren Fläche als im Jahr 2014.
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Langfristig keine Verbesserung
Die europäische Sojaernte 2014 wird von der Kommission mit 1,3 Mio. t angegeben. Das wäre die größte Ernte seit dem Jahr 2006 als die Europäer (auf der bislang größten Anbaufläche) 1,39 Mio. t Sojabohnen ernteten. Die bislang größte europäische Sojaernte wurde allerdings im Jahr 2001 eingebracht und erreichte einen Umfang von 1,46 Mio. t Langfristig zeigen sowohl die Flächenentwicklung als auch die Produktion eine Stagnation bzw. wenn man den wichtigsten Produzenten Italien nimmt sogar eine Tendenz nach unten.
 
Italien ist der wichtigste europäische Produzent
Der wichtigste Sojaproduzente der Europäischen Union ist Italien mit einem Anteil an der Gesamtproduktion von zuletzt etwa 45 Prozent. Deutlich dahinter folgen dann Rumänien, Kroatien und Frankreich, mit Produktionsanteilen von jeweils 10 Prozent bis 14 Prozent. Weniger als jeweils 10 Prozent zur europäischen Sojaproduktion steuern derzeit Österreich, Ungarn, die Slowakei und Tschechien bei. Dabei weist keiner der wichtigen europäischen Produzenten in den letzten Jahren ein erkennbares (nachhaltiges) Wachstum des Anbaus und der Produktion auf, obwohl ein Teil der Länder mit der Donau-Soja-Initiative den Anbau von gentechnikfreiem Soja in der EU fördern wollen. Nach Angaben des Verbandes Tiernahrung (DVT) liegt der Anteil an gentechnisch verändertem Soja bei den drei wichtigsten Exporteuren Brasilien, USA und Argentinien zwischen 90 und 100 Prozent.
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Sojaschrot kommt aus Argentinien und Brasilen
Die Importmenge der Europäischen Union an Sojabohnen im Wirtschaftsjahr 2014/15 wird von der EU-Kommission auf 12,6 Mio. t geschätzt, nach 13,5 Mio. t im vorigen Wirtschaftsjahr 2013/14. Gleichzeitig werden im aktuellen Wirtschaftsjahr 18,9 Mio. t Sojaschrot (entspricht etwa 24 Mio. t Sojabohnen) in die EU importiert, nach 18,5 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr. Bei Sojabohnen sind die Länder der EU mit einem Anteil am Welthandel (Importen) von 11 % deutlich nach China ( 66 %) der zweitgrößte globale Importeur. Bei Sojaschrot ist die EU mit einem Anteil von 33 % an der globalen Handelsmenge der mit Abstand größte Importeur, deutlich vor Indonesien (6 %) und Vietnam (5 %). Die wichtigsten Lieferanten von Sojabohnen für den europäischen Markt waren im letzten Jahr Brasilien (44 %), die USA (27 % ) und Paraguay (12 %). Bei Sojaschrot kamen mehr als die Hälfte aller Lieferungen aus Argentinien und deutlich mehr als 40 % aus Brasilien.
 
Verbrauch (Import) von Sojaschrot bleibt hoch
Der europäische Verbrauch von Sojaschrot liegt nach Daten der Kommission in diesem Wirtschaftsjahr bei etwa 28,2 Mio. t (entspricht etwa 35 Mio. t Sojabohnen). Das ist eine ähnlich große Menge wie letzten Jahr, jedoch rund 2 Mio. t mehr als vor zwei Jahren (26,1 Mio. t). Dazu kommen noch 13,9 Mio. t Rapsschrot und 7,4 Mio. t Sonnenblumenschrot sowie weitere Ölschrote. Beim Rapsschrot hat der europäische Verbrauch seit dem Jahr 2011 um 1,6 Mio. t oder 12 % zugenommen. Deutschland verbrauchte nach den Angaben des BLE im Jahr 2012 rund 4,4 Mio. t Sojaschrot und rund 3,0 Mio. t Rapsschrot. Auch hierzulande ist der Verbrauch von Rapsschrot in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Einschließlich der übrigen Schrote erreicht der deutsche Verbrauch von Ölschroten insgesamt einen Umfang von etwa 8,2 Mio. t.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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