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Analyse

Neue Sojaernte übersteigt Verbrauch, bärische Aussichten

von , am
19.05.2015

Bei Sojabohnen meldet der zurückliegende USDA-Report für 2015/16 wohl die bärischsten Marktdaten und Bilanzen von allen Teilmärkten.

© landpixel
 
Bei Sojabohnen meldet der aktuelle USDA-Report für 2015/16 wohl die bärischsten Marktdaten und Bilanzen von allen Teilmärkten. Das hat auch zu weiterem Druck auf die Sojapreise geführt und wird ebenfalls nicht ohne Einfluss auf die weitere Entwicklung der Rapspreise bleiben. Hauptgrund für den Preisdruck ist ein weiteres kräftiges Anwachsen der ohnehin schon auf Rekordstand befindlichen Sojabestände auf ein neues Allzeithoch. Zwar nimmt Verbrauch ebenfalls weiter kräftig zu, jedoch deckt die etwa auf dem Rekordniveau des aktuellen Wirtschaftsjahres 2014/15 erwartete Ernte den größeren Bedarf locker ab und lässt die Bestände nochmals kräftig wachsen. Dabei könnt die Ernte sogar noch größer werden, den sowohl in den USA (Ernte 2015) als auch in Brasilien (Ernte 2016) und Argentinien (2016) werden für die kommende Ernte neue Rekordanbauflächen erwartet.
 
USDA erwartet ein weiteres Rekordjahr
Die erste Schätzung des USDA zur globalen Sojaernte 2015/16 liegt bei 317,3 Mio. t. Die erwartete Produktion erreicht damit etwa die Rekordernte aus dem aktuellen Wirtschaftsjahr von 317,2 Mio. t. Sehr kräftig zunehmen wird (auch wegen der gefallenen Preise), der globale Verbrauch von Sojabohnen von etwa 292 Mio. t auf 304 Mio. t und damit nicht nur auf einen neuen Rekordwert sondern erstmals auf über 300 Mio. t. Dennoch übertrifft die erwartete Sojaproduktion den Verbrauch um rund 13 Mio. t. Die Bestände wachsen deshalb von 85,5 Mio. t auf 96,2 Mio. t und damit ebenfalls auf einen neuen Rekordstand. Die erwartete globale Handelsmenge übertrifft mit 122 Mio. t den bisherigen Rekordwert aus dem aktuellen Wirtschaftsjahr (117,5 Mio. t ) um 4,5 Mio. t. Insgesamt wäre die Versorgunglage am globalen Sojamarkt damit im kommenden Wirtschaftsjahr außergewöhnlich komfortabel.
 
Sojaanbau in den USA auf Rekordstand
Die neue Sojaernte für die USA wird nach der derzeitigen Prognose des USDA bei knapp 105 Mio. t erwartet. Das wäre nur etwas weniger als Rekordernte von 108 Mio. t aus dem letzten Jahr (2014) und deutlich mehr als vor zwei Jahren (2013) mit 91,3 Mio. t. Allerdings haben die US-Farmer den Sojaanbau (zu Lasten von Mais) von etwa 33,61 Mio. ha auf 33,87 Mio. ha ausgeweitet und damit einen neuen Rekordwert erreicht. Die derzeit vom USDA erwarteten Erträge bleiben jedoch mit 3,09 t/ha etwas niedriger wie im Rekordjahr 2014 mit 3,21 t/ha. Die Exporte der USA sollen im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 ganz leicht auf 48,3 Mio. t von knapp 49,0 Mio. t zurückgehen. Die US-Schrotexporte bleiben im nächsten Wirtschaftsjahr mit rund 10,7 Mio. t relativ stabil. Die US-Sojabestände könnten sich von 9,5 Mio. t in diesem Wirtschaftsjahr auf knapp 13,6 Mio. t nochmals sehr kräftig zunehmen.
 
Brasilien mit neuem Produktions- und Exportrekord
Für Brasilien schätzt das USDA die nächste Sojaernte (2016) auf den neuen Rekordwert von 97,0 Mio. t, nach dem bisherigen Rekord von 94,5 Mio. t zur gerade abgeschlossenen Ernte 2015. Die Aussaat der neuen Ernte 2016 erfolgt in Brasilien allerdings erst im Oktober/November. Dabei soll die Aussaatfläche nach Einschätzung des USDA nochmals von 31,5 Mio. ha auf 32,5 Mio. ha zunehmen. Das brasilianische Exportpotential sieht das USDA im nächsten Wirtschaftsjahr sogar bei 49,8 Mio. t nach 45,7 Mio. im noch laufenden Wirtschaftsjahr. Damit würde Brasilien als Exporteur vor den USA liegen. Die Schrotexporte Brasiliens wachsen mit etwa  14,5 Mio. t  um 0,5 Mio. t. Die Lagerbestände wachsen nochmals sehr kräftig von 24,9 Mio. t auf 31,0 Mio. t im nächsten Wirtschaftsjahr.
 
Argentinien mit den größten globalen Beständen
Für Argentinien erwartet das USDA für 2016 ebenfalls eine Anbauausweitung von 19,5 Mio. ha auf 20,0 Mio. ha. Die Produktion wird wegen der etwas niedrigeren Erträge 2016 bei etwa 57,0 Mio. t erwartet, nach der derzeit noch laufenden Rekordernte (2015) von 58,5 Mio. t. Das Exportpotential Argentiniens bei Sojabohnen schätzt das USDA für die nächste Saison 2014/15 auf 8,5 Mio. t. Gleichzeitig wachsen die argentinischen Endbestände auf den neuen Rekordwert von 32,8 Mio. t nach 31,95 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr. Grund für die weltweit größten Bestände ist die anhaltende Zurückhaltung der argentinischen Farmer bei der Vermarktung von Sojabohnen, wegen der staatlichen Handelsrestriktionen, der hohen Steuern und der Inflation. Die Schrotexporte Argentiniens (des mit Abstand größten Schrotexporteurs) wachsen nach Einschätzung des USDA von knapp 28,9 Mio. t in dieser Saison auf 31,0 Mio. t im nächsten Wirtschaftsjahr.
 
Europäer importieren mehr Schrot
Der Import der EU von Sojabohnen soll nach Einschätzung des USDA im nächsten Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 12,8 Mio. t (Vj: 12,8) relativ stabil bleiben. Nach China ist die EU der zweitgrößte Importeur von Sojabohnen. Der Import von Sojaschrot in die EU nimmt nach der Prognose des USDA jedoch von 19,3 Mio. t im noch laufenden Wirtschaftsjahr auf 20,1 Mio. t im nächsten Wirtschaftsjahr zu. Damit bleibt die EU (deutlich vor Indonesien, Vietnam und Thailand) der mit Abstand größte Importeur von Sojaschrot mit rund einem Drittel der globalen Handelsmenge.
 
Chinas Sojaimporte wachsen weiter
Die Sojaimporte des weltweit größten Importeurs China, erwartet das USDA im kommenden Wirtschaftsjahr 2015/16 bei etwa 77,5 Mio. t und damit rund 4,0 Mio. t größer als im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 73,5 Mio. t und 70,4 Mio. t vor zwei Jahren. Damit fließt rund zwei Drittel des Welthandels mit Sojabohnen nach China. Für Chinas eigene Sojaproduktion liegt die derzeitige Produktionsprognose bei 11,5 Mio. t nach 12,4 Mio. t im letzten Jahr und 12,2 Mio. t vor zwei Jahren. Die chinesischen Lagerbestände nehmen von 14,4 Mio. t auf 13,9 Mio. t leicht ab.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
 
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