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Analyse

Rapsanbau geht zurück, Kassapreise gestiegen

von , am
03.12.2014

Zum Monatswechsel hat die EU-Kommission ihre Einschätzung zur Erntemenge und zu den Versorgungsbilanzen am europäischen Rapsmarkt im aktuellen Wirtschaftsjahr aktualisiert.

Der Raps hat seine Aufwärtstendenz an der Matif gestern fortgesetzt. © hapo/landpixel
Zum Monatswechsel hat die EU-Kommission ihre Einschätzung zur Erntemenge und zu den Versorgungsbilanzen am europäischen Rapsmarkt im aktuellen Wirtschaftsjahr aktualisiert. Andere Analysten schätzen auf Basis der bislang vorliegenden Daten die Aussaatflächen für die Ernte 2015. Dabei zeichnet sich offenbar (nicht zuletzt in Deutschland) eine relativ deutliche Anbaueinschränkung und damit auch eine kleinere Produktion im Jahr 2015 ab. Das gilt ganz offensichtlich auch für die Ukraine, den wichtigsten ausländischen Rapslieferanten für den EU-Markt. Diese Aussichten haben die Rapspreise (trotz der der sehr großen Ernte) im November ebenso gestützt wie die sehr festen Sojapreise. Zumindest bei Sojabohnen haben die Preise zum Monatswechsel jedoch deutlich nachgegeben und ziehen auch die Rapspreise am Terminmarkt mit nach unten. Am deutschen Kassamarkt behaupten sich die Preise Anfang Dezember hingegen und sind höher als vor vier Wochen.
 
Rapspreise am Kassamarkt höher als im November
Am europäischen Terminmarkt sind die Rapspreise im November von 335 Euro zeitweise bis auf 347 Euro gestiegen. Anfang Dezember konnten die Terminmarktpreise dieses Niveau jedoch nicht halten und rutschten mit den nachgebenden Sojapreisen wieder nach unten. Der Februarkontrakt wurde am 02. Dezember am Terminmarkt mit 337 Euro/t gehandelt und damit ähnlich hoch wie Anfang November (335 Euro). Im Vergleich zum Dezember des Jahres 2013 (373 Euro) sind die Rapspreise am europäischen Terminmarkt 36 Euro oder 10 % niedriger. Am deutschen Kassamarkt war das Niveau der Rapsreise indessen deutlich höher als vor einem Monat. Im Großhandel lagen die Rapspreise am 02. Dezember an den wichtigsten deutschen Handelsplätzen zwischen 340 und 342 Euro (Nov: 323 Euro und 330 Euro). Für die Lieferung im Februar werden aktuell Preise zwischen 341 und 345 Euro geboten (Nov: 331 Euro und 338 Euro) geboten. Aus Frankreich meldet man Anfang Dezember im Großhandel Rapspreise (fob Mosel) von 338 Euro/t.
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Anbaurückgang für Ernte 2015 von 6 Prozent
Gestützt wurden die Rapspreise im November erneut durch die aktualisierten Daten und Prognosen zur Entwicklung des Rapsanbaus in Europa und der Ukraine für die Ernte 2015. Die aktuellen Schätzungen gehen von einem Flächenrückgang in der Europäischen Union zwischen 4,0 Prozent (Strategie Grains) und fast 6,0 Prozent (IGC) für die Ernte 2015 aus. Für Deutschland rechnet der IGC mit einem Anbaurückgang von mehr als 6 Prozent bzw. rund 0,1 Mio. ha auf 1,3 Mio. ha. Der erwartete Flächenrückgang für die europäische Ernte 2015 würde insgesamt zwischen etwa 0,25 Mio. ha und etwa 0,4 Mio. ha liegen. Die Erntefläche im Jahr 2014 lag bei 6,76 Mio. ha und war damit geringfügig größer als im letzten Jahr mit 6,72 Mio. ha. Der Durchschnittsertrag für die Ernte 2014 wurde mit 3,3 t/ha angegeben, nach 3,1 t/ha im letzten Jahr.
 
Rekordernte im Jahr 2014 wird bestätigt
Die europäische Rapsernte 2014 erreichte nach den aus den EU-Ländern gemeldeten Erntedaten einen Umfang von 22,46 Mio. t und hat sich damit im Vergleich zum Oktober nicht mehr verändert. Im Vergleich zur Ernte 2013 von 20,9 Mio. t bedeutet die derzeitige Erntemenge einen Zuwachs von 1,6 Mio. t. Damit haben die europäischen Landwirte im Jahr 2014 die bislang mit Abstand größte Raps-Ernte in der EU eingebracht. Andere europäische und internationale Analysten liegen mit ihren Einschätzungen zur europäischen Rapsernte allerdings weiterhin über der aktuellen Ernteschätzung der EU-Kommission. Ende November ging ADM Deutschland (Töpfer) weiterhin von einer Erntemenge von 24,1 Mio. t aus (Okt: 24,1). Strategie Grains veranschlagt die Rapsernte im November ebenfalls auf 24,0 Mio. t und das USDA setzte die Produktion Mitte November auf 24,0 Mio. t aus (Okt: 23,5) nach oben.
 
Importe rückläufig, Verbrauch übersteigt Produktion
Bei den Importen von Rapssaat erwartet die Kommission im laufenden Wirtschaftsjahr mit rund 3,0 Mio. t einen Rückgang (wegen der größeren Ernte) gegenüber dem Vorjahr (3,5 Mio. t) von 0,5 Mio. t. Der europäische Verbrauch von Rapssaat wird zudem auf einen neuen Rekordwert von 25,3 Mio. t veranschlagt und damit nochmals 1,6 Mio. t größer als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr (23,7 Mio. t) und sogar 2,9 Mio. t größer als die von der Kommission unterstellte Produktion. Die europäischen Endbestände von Rapssaat verändern sich mit rund 1,25 Mio. t zum Vorjahr (1,3 Mio. t) nur sehr wenig.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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