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Analyse

Rapsernte schrumpft, vor allem in Deutschland

von , am
07.07.2015

Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hat Anfang Juli die Erwartungen an die bevorstehende europäische Rapsernte gesenkt.

© landpixel
 
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hat Anfang Juli die Erwartungen an die bevorstehende europäische Rapsernte gesenkt. Mit dieser Korrektur schließen sich die Analysten den Einschätzungen einer ganzen Reihen von Marktbeobachtern und auch der EU-Kommission an, die die Rapsernte zuletzt ebenfalls nach unten korrigiert hatten. Grund für die Korrekturen ist die Trockenheit der letzten Wochen und zuletzt auch noch die extreme Hitzewelle in Zentral- und Westeuropa.
 
Mitterweile liegt die Ernteerwartung von Strategie Grains auf einem ähnlichen Niveau wie die aktuelle Ernteschätzung der EU-Kommission. Besonders kräftig nach unten korrigiert wurde von den Analysten die Rapsernte in Deutschland, aber auch für die  anderen bedeutenden europäischen Rapsproduzenten Frankreich, Vereinigtes Königreich und Polen ging es mit der Prognose nach unten.  
 
Rapspreise deutlich höher als 2014
Die europäischen Rapspreise waren zuletzt vor dem Hintergrund der Witterungsprobleme in Europa sowie in Kanada (Canola) und den USA (Soja) sehr kräftig gestiegen, Zum Beginn der aktuellen Woche (06.07) geraten die Rapspreise mit den nachgebenden Soja- und Canolapreisen jedoch ebenfalls unter Druck.
 
Der aktuelle Augustkontrakt für Raps (neue Ernte) wurde am europäischen Terminmarkt kurz nach dem Monatswechsel (03.07) noch mit 394 Euro gehandelt und zum Beginn der aktuellen Woche (06.07) mit 389 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr (339 Euro) waren die Rapspreise am europäischen Terminmarkt jedoch 55,0 Euro (!!) bzw. 16 Euro höher. Das waren die höchsten Rapspreise seit Juni 2015 also seit etwa einem Jahr.
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Analysten korrigieren Rapsernte nach unten
Die europäische Rapsernte 2015 schätzen die Analysten von Strategie Grains Anfang Juli auf 21,8 Mio. t und damit immerhin 0,5 Mio. t kleiner als vor vier Wochen mit 22,3 Mio. t. Im Vergleich zur Rekordernte 2014 von 24,3 Mio. t bedeutet die erwartete Erntemenge einen Rückgang der europäischen Produktion von 2,5 Mio. t bzw. gut 10 %.
 
Trotz der erwarteten Korrekturen wäre die neue Ernte immer noch die zweitgrößte Rapsernte in der Europäischen Union und würd die bislang zweitgrößte Ernte aus dem Jahr 2009 von 21,5 Mio. t noch immer um 0,3 Mio. t übertreffen. Die europäische Anbaufläche 2015 sehen die Experten von Strategie Grains bei 6,5 Mio. ha und damit unverändert zu letzten Prognose (6,5) jedoch 0,2 Mio. ha kleiner als 2014 mit 6,7 Mio. ha.
 
Kommission und Strategie Grains fast gleich
Ende Juni hatte die EU-Kommission ihre Erwartung an die europäischen Rapsernte 2015 ebenfalls deutlich gesenkt. Auf der Grundlage der Anbaudaten und Ertragserwartungen aus den Ländern rechnet die Kommission mit einer europäischen Rapsproduktion von 21,7 Mio.t und bleibt damit deutlich 0,7 Mio. t unter der Schätzung vier Wochen zuvor von 22,4 Mio. t. Gleichzeitig stimmt die Kommission in ihrer Erwartung gut der Schätzung von Strategie Grains überein. Allerdings geht die Kommission von einer geringfügig größeren Anbaufläche von 6,6 Mio. ha aus.
 
Deutlich kleinere Ernte für Deutschland
Die Produktionsschätzung von Strategie Grains für die deutsche Rapsernte 2015 liegt Anfang Juli nur noch bei 5,1 Mio. t und damit 0,5 Mio. t niedriger als bei der letzten Prognose (5,6). Im Vergleich zur Rapsernte von 2014 (6,2 Mio. t) wäre die jetzt für 2015 erwartete Erntemenge 1,1 Mio. t oder 18 % kleiner.
 
Ach im langjährigen Vergleich ist die neue deutsche Ernte relativ schwach, denn in den letzten 11 Jahren gab es in Deutschland neun Ernten die größer waren als jetzt für 2015 erwartet wird. Damit  wäre Deutschland nach Frankreich nur noch der zweitgrößte Rapsproduzent der EU. Die deutsche Anbaufläche von Raps sehen die Experten von Strategie Grains bei 1,3 Mio. ha und damit unverändert zur vorigen Prognose (1,3) und 0,1 Mio. ha kleiner als 2014 mit 1,4 Mio. ha.
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Frankreich trotz Korrektur größter Rapsproduzent
Die französische Rapsproduktion 2015 erwarten die Analysten von Strategie Grains Anfang Juli bei 5,2 Mio. t und damit 0,1 Mio. t kleiner als zur vorigen Prognose mit 5,3 Mio. t und zugleich 0,3 Mio. t oder 5,5 % kleiner als zur Ernte 2014 (5,5 Mio. t). Damit wäre Frankreich jetzt knapp vor Deutschland der größte Rapsproduzent der EU.
 
Im langjährigen Vergleich wäre dies die bislang fünftgrößte französische Rapsernte. Die französische Anbaufläche von Raps sehen die Experten von Strategie Grains bei etwa 1,3 Mio. ha und damit unverändert zur letzten Prognose (1,3), jedoch 0,2 Mio. ha kleiner als im vorigen Jahr mit 1,5 Mio. ha.
 
Ernte in Polen 12 Prozent kleiner als 2014
Die Nummer drei unter den europäischen Rapsproduzenten ist Polen. Bei unseren östlichen Nachbarn könnte die Erntemenge 2015 nach der aktuellen Prognose von Strategie Grains rund 2,8 Mio. t erreichen und damit etwa 0,1 Mio. t kleiner sein bei der vorigen Prognose erwartet wurde und sogar 0,5 Mio. t bzw. 12,5 % kleiner als 2014 (3,2 Mio. t).
 
Im langjährigen Vergleich wäre dies jedoch nach 2014 die bislang zweitgrößte polnische Rapsernte. Die polnische Anbaufläche von Raps schätzten die Experten von Strategie Grains auf 0,906 Mio. ha und damit etwas kleiner als zur letzten Prognose (0,915) und erste recht kleiner als 2014 mit 0,951 Mio. ha.
 
Produktion im UK nach unten korrigiert
Eine etwas kleinere Rapsernte als bei der vorigen Prognose veranschlagt Strategie Grains auch für das Vereinigte Königreich den viertgrößten Rapsproduzente der EU. Die Rapsproduktion soll nach der aktuellen Prognose 2,2 Mio. t erreichen und damit 0,1 Mio. t kleiner sein als noch vor vier Wochen erwartet wurde (2,3). Im Vergleich zur Ernte 2014 von 2,5 Mio. t wäre die Produktion auf der Insel jedoch 0,3 Mio. t oder 12 % kleiner.
 
Im langjährigen Vergleich wäre dies nur die bislang fünft- oder sechstgrößte Rapsernte auf der Insel. Die Anbaufläche von Raps im Vereinigten Königreich schätzt Strategie Grains auf zuletzt 0,63 Mio. ha und damit unverändert zur letzten Prognose (0,63) jedoch knapp 7 % kleiner als 2014 mit 0,675 Mio. ha.
 
Dr. Olaf Zinke
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