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Analyse

Raps/EU: Große Ernte drückt Preise und kurbelt Verbrauch an

von , am
03.09.2014

Von den Ernteprognosen kann der europäische Rapsmarkt offenbar keine Entlastung erwarteten.

Für Raps ging es an der Matif um 1,25 Euro aufwärts auf 368,75 Euro je Tonne. © Mühlhausen/landpixel
Von den Ernteprognosen kann der europäische Rapsmarkt offenbar keine Entlastung erwarteten. Das gilt sowohl für die im Herbst erwartet riesige Sojaernte in den USA als auch für die aktuelle Rapsernte in Europa. Ende August setzte die EU-Kommission ihre Ernteprognose jedenfalls weiter nach oben und lässt den Raps-Preisen damit wenig Spielraum. Moderate Unterstützung kam zuletzt immer wider vom Sojamarkt wo der sehr knappe vordere Termin (alte Ernte) einen noch stärkeren Rückgang der Preise verhinderte. Dennoch hat es auch bei Soja im Juli und nochmals Ende August kräftige Preis-Korrekturen nach unten gegeben. Die Rapspreise haben sich jedoch nach dem weiteren scharfen Rückgang im Juli, dann im August einigermaßen behauptet und zeigen damit möglichweise eine gewisse Untergrenze an. Die weitere Preisentwicklung wird jedoch auch von der wirklichen Größe der neuen US-Sojaernte abhängen. Der Import an Rapssaat wird wegen der großen Ernte im aktuellen Wirtschaftsjahr zurückgehen. Gleichzeitig erreicht der Verbrauch von Rapssaat eine neue Rekordmarke ebenso wie der Verbrauch von Rapsschrot.
 
Andere Analysten erwarten noch größere Ernte
Die neue europäische Rapsernte 2014 schätzt die Kommission Ende August auf 22,4 Mio. t und damit nochmals 0,2 Mio. t größer als im Juli mit 22,2 Mio. t. Im Vergleich zur Ernte 2013 von 20,9 Mio. t bedeutet die prognostiziere Erntemenge einen Zuwachs von 1,5 Mio. t. Würde die Prognose erreicht, wäre dies für die EU die bislang mit Abstand größte Ernte. Andere europäische und internationale Analysten schätzen die neue europäische Rapsernte noch größer ein als die EU-Kommission. Derzeit liegt die Prognose von ADM Deutschland (Töpfer) bei einer Erntemenge von 23,5 Mio. t. Strategie Grains hatte seine Ernteschätzung auf 23,9 Mio. t nach oben geschraubt und Oilworld schätzte Anfang August 23,1 Mio. t.
 
Weniger Importe, Rekord beim Verbrauch
Bei den Importen von Rapssaat erwartet die Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr mit rund 3,0 Mio. t einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr von 0,5 Mio. t. Der Verbrauch von Rapssaat wird indessen auf den neuen Rekordwert von 25,2 Mio. t veranschlagt und damit 0,5 Mio. t größer als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr (23,7 Mio. t) und 2,8 Mio. t größer als die erwartete Produktion. Die End-Bestände bleiben mit rund 1,3 Mio. t zum Vorjahr unverändert.
 
Verbrauch von Rapsschrot wächst kräftig
Die Produktion von Rapsschrot erwartet die Kommission für das aktuelle Wirtschaftsjahr bei etwa 13,8 Mio. t und damit nochmals 0,8 Mio. t größer wie im bisherigen Rekordjahr 2013/14 (13,0 Mio.t) und gleichzeitig 1,2 Mio. t höher als vor zwei Jahren (12,6 Mio. t). Der europäische Verbrauch von Rapsschrot steigt nach der aktuellen Kommissions-Prognose von 13,1 Mio. t im zurückliegenden Wirtschafsjahr 2013/14 auf 13,8 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr.
 
Produktion von Rapsöl nimmt kräftig zu
Auch die Produktion von Rapsöl nimmt mit erwarteten 9,9 Mio. t im Vergleich zum zurückliegenden Wirtschaftsjahr (9,3 Mio. t) um 0,6 Mio. t zu und wäre damit 0,8 Mio. t größer als vor zwei Jahren (9,1 Mio. t). Der europäische Verbrauch von Rapsöl steigt nach der aktuellen Prognose der Kommission von 9,3 Mio. t im zurückliegenden Wirtschafsjahr auf 9,9 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr ebenfalls deutlich an. Die Importe von Rapsöl sollen ebenfalls von 0,3 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr auf etwa 0,4 Mio. t zunehmen.
 
Rapspreise weiter auf 4Jahrestief, Kurse zuletzt behauptet
Am europäischen Terminmarkt sind die Rapspreise von Ende Juni bis Mitte Juli nochmals um etwa 12 % oder 45 Euro auf etwa 315 Euro/t (neuen Ernte) gefallen. Danach haben sich die Rapspreise (mit den Sojapreisen) dann wieder etwas erholt. Im August schwankten die Kurse am Terminmarkt dann hauptsächlich zwischen 320 und 325 Euro/t. Der Novemberkontrakt bewegte sich Anfang September bei rund 324 Euro. Im Vergleich zum Monatswechsel August/September des Jahres 2013 (386 Euro) sind die aktuellen Rapspreise am europäischen Terminmarkt 62 Euro oder 18 % niedriger. Gleichzeitig befinden sich Rapspreise auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2010 also seit gut 4 Jahren. Im deutschen Großhandel lagen die Preismeldungen Anfang September je nach Region und Handelsplatz zwischen 310 Euro und 322 Euro. Für die Lieferung im November wurden zwischen 315 Euro und 327 Euro geboten.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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