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Analyse

Raps/EU: Rekordernte und Sojamarkt drücken Rapspreise auf 4Jahrestief

von , am
03.07.2014

Anfang Juli rutschten die Rapspreise für die neue Erne noch unter die Marke 340 Euro/t und damit auf den tiefsten Stand seit 4 Jahren (2010).

© landpixel
 
Anfang Juli setzt die EU-Kommission ihre Prognose für die neue europäische Rapsernte nach oben und schließt sich damit den Erwartungen der anderen europäischen und internationalen Analysten an. Allerdings bleibt die Kommission mit ihrer Ernte-Schätzung noch am unteren Ende der von den wichtigsten Analysten gemachten Prognosen. Der Druck auf die Rapspreise blieb wegen der rekordhohen Ernteerwartungen hoch und hat sich zum Monatswechsel mit den stark fallenden Sojapreisen noch verstärkt. Anfang Juli rutschten die Rapspreise für die neue Erne noch unter die Marke 340 Euro/t und damit auf den tiefsten Stand seit 4 Jahren (2010).
 
Kommission am unteren Ende der Prognosen
Die neue europäische Rapsernte 2014 schätzt die Kommission Anfang Juli auf 21,5 Mio. t und damit 0,3 Mio. t größer als vor vier Wochen. Im Vergleich zur Ernte 2013 von 20,9 Mio. t bedeutet die erwartete Erntemenge einen Zuwachs von 0,6 Mio. t. Würde die Prognose erreicht, würde nach den Daten der Kommission die bisherige Rekordernte aus dem Jahr 2009 (21,5 Mio. t) erreicht. Andere europäische und internationale Analysten schätzten die neue europäische Rapsernte indessen noch größer ein als die EU-Kommission. Derzeit liegt die Prognose von Töpfer International bei einer Erntemenge von 22,3 Mio. t. Der Verband der europäischen Getreidehändler COCERAL hatte seine Erwartungen sogar auf 22,79 Mio. t nach oben geschraubt und das USDA ging Mitte Juni immerhin von 22,0 Mio. t aus.
 
Rapssaat: Verbrauch ist größer als die Ernte
Bei den Rapsimporten erwartet die Kommission in der aktuellen Juli-Prognose einen Rückgang gegenüber dem zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr (3,5 Mio. t) um 0,2 Mio. t auf dann 3,3 Mio. t. Allerdings soll der Verbrauch von Rapssaat nach den aktuellen Erwartungen der Kommission auf 24,7 Mio. t steigen und damit 0,9 Mio. t größer sein als im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr (23,7 Mio. t). Gleichzeitig wäre die Verbrauchsmenge damit trotz der sehr großen Ernte noch 3,2 Mio. t größer als die von der Kommission erwartete Produktion. Die End-Bestände bleiben mit rund 1,3 Mio. t zum Vorjahr unverändert.
 
Rapsschrot: Rekord-Produktion und -verbrauch
Die Produktion von Rapsschrot erwartet die Kommission für das neue Wirtschaftsjahr bei etwa 13,5 Mio. t und damit nochmals 0,5 Mio. t größer wie im bisherigen Rekordjahr 2013/14 (13,00 Mio. t) und gleichzeitig 0,9 Mio. t höher als vor zwei Jahren (12,6 Mio. t). Der europäische Verbrauch von Rapsschrot steigt nach der aktuellen Prognose von 13,1 Mio. t im zurückliegenden Wirtschafsjahr auf 13,5 Mio. t im neuen Wirtschaftsjahr.
 
Rapsöl: Verbrauch wächst zu Lasten von Palmöl
Die Herstellung von Rapsöl nimmt mit erwarteten 9,7 Mio. t im Vergleich zum letzten Wirtschaftsjahr um 0,4 Mio. t zu und wäre damit sogar 0,6 Mio. t größer als vor zwei Jahren. Der europäische Verbrauch von Rapsöl steigt nach der aktuellen Prognose der Kommission von 9,3 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr auf 9,8 Mio. t im neuen Wirtschaftsjahr. Die Importe von Rapsöl sollen ebenfalls von 0,3 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr auf etwa 0,4 Mio. t leicht zunehmen. Gleichzeitig erwartet die Kommission, dass der Import von Palmöl in die EU, deutlich von 6,8 Mio. t auf 5,5 Mio. t zurückgeht.
 
Rapspreise fallen auf 4Jahrestief
Die Rapspreise für die neue Ernte sind am europäischen Terminmarkt Anfang Juli unter 340 Euro gefallen. In den letzten 4 Wochen war dies nochmal ein Rückgang von gut 10 Euro/t. Damit fallen die Rapspreise auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2010, also seit etwa 4 Jahren. Eine Ursache für den anhaltenden Preisrückgang ist die auf Rekordniveau erwartete neue europäische Rapsernte. Hinzu kommt sehr kräftige Preisrückgang am Sojamarkt zum Monatswechsel nach der Veröffentlichung der neuen Anbau- und Bestandsdaten in den USA. Am europäischen Terminmarkt wurde der Augustkontrakt (neue Ernte) am Donnerstag (03.07) mit knapp 339 Euro/t gehandelt. Im deutschen Großhandel lagen die Preismeldungen für die neue Ernte (August) am Donnerstag je nach Region sogar nur zwischen 330 Euro und 335 Euro..
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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