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Analyse

Rapspreise erreichen 370-Euro-Marke

von , am
28.09.2015

Die Rapspreise in der vorigen Woche am Terminmarkt und am Kassamarkt kräftig gestiegen.

Der Raps konnte 0,75 Euro gewinnen und schloss bei 376,50 Euro je Tonne. © landpixel/Beuermann
 
Die Rapspreise sind in der vorigen Woche am Terminmarkt und am Kassamarkt kräftig gestiegen. Zum Beginn der aktuellen Woche steigen die Preise weiter und erreichen erstmals seit Mitte August wieder die 370-Euro-Marke. Hauptgrund für den Preissprung bei Sojabohnen am vorigen Freitag und den Anstieg der Rapspreise in Europa war eine Vereinbarung zwischen den USA und China.
 
Darin geht es um die Lieferung von 13,2 Mio. t US-Sojabohnen nach China (Allerdings hat China im vorigen Wirtschaftsjahr auch ohne Vereinbarungen 28 Mio. t US-Soja gekauft). Hinzu kam eine kräftige Aufwertung der brasilianischen Währung und damit auch eine Verteuerung der brasilianischen Sojaexporte.
 
Ukraine mit deutlich kleiner Aussaatfläche
Vom Rapsmarkt meldete man zudem, dass die Aussaatfläche von Winterraps in der Ukraine wegen der dortigen Trockenheit um nochmals deutlich um 0,2 Mio. ha auf nur noch 0,5 Mio. ha zurückgehen könnte. Die Ukraine ist der mit Abstand wichtigste ausländische Rapslieferant für den europäischen Markt und eine kleinere Rapsernte wirkt sich unmittelbar auch auf die Versorgungssituation der Europäer aus, die im vorigen Wirtschaftsjahr etwa 2,4 Mio. t Rapssaat importiert haben.
 
Die Ukraine hat 2015 etwa 1,7 Mio. t Raps von 0,68 Mio. ha geerntet und 2014 etwa 2,2 Mio. t von 0,88 Mio. ha. Davon wird der größte Teil in die EU exportiert. Aus Kanada meldete man indessen von der derzeit laufenden Canolaernte überwiegend durchschnittliche Erträge und bestätigt damit die jüngste Aufwärtskorrektur der Ernteerwartung durch das kanadische Statistikamt.
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Nur wenig Anreiz zur Anbau-Expansion
Zur Aussaatfläche von Winterraps in der Europäischen Union liegen bislang noch keine belastbaren Aussagen vor. Der IGC ging in seiner Schätzung nicht davon aus, dass die europäische Anbaufläche ausgeweitet wird. Mit den vergleichsweise niedrigen Preisen sehen Analysten den Anreiz mehr Raps anzubauen als sehr gering an.
 
Die Preisrelation von Raps zum Weizen hat sich zuletzt nicht verbessert und liegt auf einem ähnlichen Niveau wie im vorigen Jahr und zudem unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Aussaatbedingungen waren 2015 indessen überwiegend gut, bis auf einige osteuropäische Länder wo es zur Aussaatzeit zu trocken war.
 
Europäische Rapsernte bei 21,6 Mio. t
Diese Woche haben die Analysten des internationalen Getreidehändlers ADM (Töpfer) die europäische Rapsernte 2015 von 21,35 Mio. t auf 21,55 Mio. t noch einmal leicht nach oben geschätzt (Vj: 24,7 Mio. t). Für Deutschland gibt ADM die Ernte 2015 mit 5,0 Mio. t (Vj. 6,3) an, für Frankreich mit 5,3 Mio. t (Vj. 5,5), für das Vereinigte Königreich mit 2,4 Mio. t (Vj: 2,5) und für Polen mit 2,8 Mio. t (Vj. 3,5 Mio. t) sowie für Tschechien mit 1,2 Mio. t (Vj: 1,5).
 
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Terminmarktpreise am Montag bei 370 Euro
Die Rapspreise haben am Freitag am europäischen Terminmarkt sehr kräftig zugelegt. Der Novemberkontrakt wurde mit 369,75 Euro gehandelt und damit zu 5,50 Euro höheren Preisen als am Vortag (364,25 Euro). Der Februarkontrakt notierte bei 368,50 Euro und damit 5,25 Euro höher als am Vortag (363,25). Das Preisniveau der Vorwoche (359,50 Euro) wurde vom November-Raps um 110,25 Euro übertroffen. Im Vergleich zum Vorjahr (313,25 Euro) sind die aktuellen Rapspreise (November) am europäischen Terminmarkt 56,50 Euro bzw. 18,0 % höher.
 
Am heutigen Montag Nachmittag (14:00) liegen die Rapspreise am europäischen Terminmarkt leicht im Plus. Der November-Raps liegt nach einem deutlich stärkeren Anstieg zum Handelsbeginn von gut 2,0 Euro, am Nachmittag noch 0,25 Euro im Plus und notiert bei 370,0 Euro. Der Februar-Kontrakt notiert um 14:00 Uhr ebenfalls 0,25 Euro höher bei 368,50 Euro.
 
Kassapreise für die hinteren Termine kräftig gestiegen
Am deutschen und französischen Kassamarkt sind die Rapspreise im Verlauf der vorigen Woche gestiegen. Im deutschen Großhandel lagen die Preismeldungen am Ende der vorigen Woche (25.09) für den Novembertermin zwischen 369 Euro (Mittelandkanal), 374 Euro (Hamburg) und 375 Euro (Mannheim) und damit 3 bis 5 Euro höher als eine Woche zuvor (364 bis 372).
 
Gleichzeitig handelt man den Februartermin an den drei Handelsplätzen Mittellandkanal, Hamburg und Mannheim zwischen 372 Euro und 379 Euro und damit 8 bis 9 Euro höher als zum Beginn der vorigen Woche (363 bis 371 Euro).
 
In Frankreich bewegten sich die Rapspreise im Großhandel (fob Mosel) am Freitag (25.09) für die Novembertermin bei 372 Euro und waren damit ebenfalls 9 Euro höher als in der vorigen Woche mit 363 Euro.
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Sojapreise machen Sprung nach oben
Die Preise für Sojabohnen sind am vorigen Freitag am Terminmarkt in Chicago kräftig gestiegen. Der vordere Novemberkontrakt (neue Ernte) notierte 2,5 % höher bei 889,2 Cent je Buschel (291,8 Euro/t). Das Preisniveau der Vorwoche (887,2 Cent je Buschel) übertrifft der November-Kontrakt um 2,3 %.
 
Das Preisniveau vom vorigen Jahr (929 Cent) wurde am US-Terminmarkt durch den Novemberkontrakt um 4,3 % verfehlt. Am Montag Nachmittag (14:00) liegen die vorderen Sojapreise (Novemberkontrakt) zunächst 0,3 % im Minus bei 886,4 Cent je Buschel (290,9 Euro).
 
An den Exporthäfen der USA sind die Preisforderungen für Sojabohnen im Vergleich zur Vorwoche ebenfalls gestiegen. Am vorigen Freitag (25.09) lagen die Exportpreise für US-Soja am US-Golf (fob) für die Verladung im Zeitraum September bis Oktober bei 366 USD und damit rund 8 USD höher als vor einer Woche (358 USD/t). Die Preisforderungen für die neue US-Ernte (November) lagen ebenfalls bei 366 und damit 8 USD höher als vor einer Woche (358 USD ).
 
Dr. Olaf Zinke
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