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Analyse

Schwache Ernteprognosen helfen Rapspreisen

von , am
16.03.2015

Die Rapspreise sind im Verlauf der vorigen Woche kräftig gestiegen und haben zweitweise sogar die Marke von 370 Euro nach oben durchbrochen.

Der Raps hat seine Aufwärtstendenz an der Matif gestern fortgesetzt. © hapo/landpixel

Die Rapspreise sind im Verlauf der vorigen Woche kräftig gestiegen und haben zweitweise sogar die Marke von 370 Euro nach oben durchbrochen. Gestiegen sind die Preise sowohl am europäischen Terminmarkt als auch am Kassamarkt. Grund sind die vergleichsweise schwachen Ernteprognosen für die Europäische Union und insbesondere für Deutschland. Gleichzeitig standen auch die Sojapreise an internationalen Märkten unter Druck, obwohl die staatliche brasilianische Getreideagentur CONAB ihre Einschätzung zur brasilianischen Rekordernte bei Sojabohnen um 1,3 Mio. t auf 93,3 Mio. t (vj. 86,1 Mio. t) nach unten korrigiert hat. Ende der letzten Woche waren etwas mehr als 40 %  dieser riesigen brasilianischen Ernte eingebracht und CONAB erwartet Exporte von 46,8 Mio. t (zuvor: 47,8 Mio. t). Für den Monat März rechnet CONAB mit Ausfuhren von 7,0 Mio. t, nach Exporten von nur 0,87 Mio. t im Februar. In Argentinien hat die Sojaernte noch nicht begonnen und wird von der Getreidebörse ein Buenos Aires auf 57,0 Mio. t geschätzt.
 
Europäische Rapsernte 2015 deutlich kleiner
In der vorigen Woche hat die EU-Kommission eine erste Prognose zur europäischen Rapsernte 2015 abgegeben. Auf der Grundlage der vorliegenden Anbaudaten und Ertragserwartungen rechnet die Kommission für 2015 mit einem Rückgang der europäischen Rapsproduktion um 12 % auf 21,1 Mio. t. Etwas überraschend ist dabei allerdings, dass die Kommission für 2015 zwar von deutlich niedrigeren Erträgen ausgeht als 2014, die Anbaufläche von Raps ermittelte die EU-Kommission (anders als andere Analysten) hingegen nicht kleiner als im letzten Jahr. Der Internationale Getreiderat (IGC) hatte die europäische Rapsernte 2015 zuletzt auf 21,2 Mio. t geschätzt. Die Analysten von Strategie Grains erwarteten eine europäische Rapsernte von 21,6 Mio. t. Der deutsche Raiffeisenverband erwartet die deutsche Raps-Ernte 2015 bei 5,2 Mio. t und damit rund 1,0 Mio. t bzw. 16,0 % kleiner als vor einem Jahr (6,24 Mio. t).
 
Kommissions-Prognose Europäische Rapsernte 2015:
https://agrarmanager.agrarheute.com/s/euk-rapsmarkt-maerz-2015
 
 
Rapspreise beginnen die Woche seitwärts
Die Rapsreise haben sich am europäischen Terminmarkt am Freitag (13.03) behauptet. Im Wochenverlauf hatten die Rapspreise jedoch 1,8 % bzw. 6,50 Euro zugelegt Der Maitermin beendete den Handel am Freitag bei 369,0 Euro/t und damit 0,75 Euro bzw. 0,2 % % höher als am Vortag (368,25 Euro). Die neue Ernte (August) kostete 358,50 Euro und damit 1,0 Euro weniger als am Vortag (359,50 Euro). Der Novemberkontrakt wurde indessen mit einem Preisabschlag von 2,0 Euro bei 360,0 gehandelt. Gleichzeitig kostete die neue Rapsernte (August) 10,50 Euro weniger als der aktuelle Mai-Kontrakt. Im Vergleich zum Vorjahr (362,25 Euro) sind die Rapspreise am europäischen Terminmarkt derzeit 6,25 Euro höher. Am Montag Mittag (16.03) beginnt der Handel am europäischen Terminmarkt für den Raps (Maikontrakt) unverändert bei 369,0 Euro. Der August (neue Ernte) beginnt den Handel am Montag mit einem Plus von 0,50 Euro bei 357,75 Euro.
 
Rapspreise am Kassamarkt gestiegen
Am deutschen Kassamarkt sind die Rapspreise im Verlauf der vorigen Woche zunächst um 5 bis 7 Euro gestiegen und haben dann jedoch zum Beginn der neuen Woche etwas nachgegeben. Im deutschen Großhandel lagen die Preismeldungen am Montag (16.03) an den Großmärkten Hamburg und Mannheim zwischen 371 Euro und 372 Euro (Vw. 368 Euro und 369 Euro) und am Mittelandkanal bei 367 Euro (Vw. 362 Euro). Das sind 3 bis 5 Euro höhere Preise als am Montag der Vorwoche. Für den Raps der neuen Ernte (August) werden aktuell 353 Euro (MLK) bis 360 Euro (MH) geboten (Vw. 352 Euro und 357 Euro) und damit 1 bis 3 Euro höhere Preise als in der Vorwoche und gut 10 Euro unter dem aktuellen Niveau. In Frankreich bewegten sich die aktuellen Rapspreise im Großhandel (fob Mosel) am Montag (16.03) bei 374 Euro und damit 8 Euro höher als vor einer Woche (366 Euro).
 
Exportpreise bei Soja etwas niedriger (nicht in Euro)
Die Sojapreise sind in den USA im Wochenvergleich in USD um etwa 1,5 % zurückgegangen. (In Euro umgerechnet sind die Preise wegen des sehr schwachen Euros hingegen gestiegen). Der Maikontrakt notierte bei 342 Euro (974 Ct/bu) und der Juli bei 343 Euro/t (978 Ct/bu). Die neue US-Ernte (November) kostete am Freitag mit 343 Euro/t (976,4 Ct) und damit auch in USD sogar mehr als letzte Woche. Am Montag Mittag (MEZ) notieren die Sojapreise am US-Terminmarkt wieder leicht im Plus. An den US-Exporthäfen (fob-Golf) kostete Soja am Freitag (13.03) für die Verladung im März knapp 386 USD/t (368 Euro/t) und für den April 384 USD/t (366 Euro) und damit 2 bis 3 USD weniger als letzte Woche, in Euro jedoch mehr. Südamerikanische Sojabohnen wurden an den dortigen Exporthäfen für den April im Schnitt mit 370 USD/t angeboten und damit 3USD/t preiswerter als in Vorwoche und 15 USD billiger als die Ware aus den USA.
 
US-Sojaexporte schwächen sich ab
Die US-Exportverkäufe von Sojabohnen und Schrot sind in der letzten Woche mit dem weiter wachsenden Angebot aus Brasilien deutlich zurückgegangen. Bei Sojabohnen lag die Netto-Verkaufsmenge der USA letzte Woche bei 167.900 t. Im Vergleich zu den Exportverkäufen von 499.500 t in der Vorwoche sind die Exportverkäufe um 64 % niedriger. Bei Sojaschrot meldete man für die letzte Woche Nettoverkäufe von nur 101.300 t, nach 130.200 t in der Woche zuvor. Insgesamt haben die USA damit bis zum aktuellen Termin rund 47,8 Mio. t Sojabohnen ins Ausland verkauft. Im vorigen Wirtschaftsjahr 2013/14 lag die (bereits sehr hohe) US-Ausfuhrmenge zum aktuellen Termin bei 44,2 Mio. t und war knapp 8 % oder 3,6 Mio. t kleiner. Sojaschrot wurden bislang 9,0 Mio. t ins Ausland verkauft. Im vorigen Wirtschaftsjahr waren es zu diesem Termin 7,8 Mio. t.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter Markt
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