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Analyse

Soja: Brasiliens Rekordernte drängt auf die Märkte

von , am
10.07.2015

Die brasilianische Sojaernte 2015 ist die bislang mit Abstand größte Sojaernte des Landes.

© Mühlhausen/landpixel
 
Die brasilianische Sojaernte 2015 ist die bislang mit Abstand größte Sojaernte des Landes. Das bestätigt diese Woche das staatliche brasilianische Landwirtschaftsamt CONAB (Companhia Nacional de Abastecimento) in seinem aktuellen Anbau- und Erntereport. Dabei hat CONAB die Erntemenge im Vergleich zum vorigen Monat noch einmal leicht nach oben korrigiert und liegt mit seiner Ernteschätzung jetzt knapp 2,0 Mio. t höher als das USDA in seinem Juni-Report. Der bisherige brasilianische Ernterekord aus dem Vorjahr wird um gut 12 % bzw. 10 Mio. t übertroffen.
 
Allerdings wird die aktuelle Ernte 2015 (wie beim Mais) von den Brasilianern und dem USDA noch dem zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 zugeschlagen, so dass die globale Sojaernte 2014/15 größer wird als bisher ausgewiesen. Gleichzeitig sind Angebotspreise für Soja an den südamerikanischen Exporthäfen für die aktuellen und kommenden Liefertermine deutlich niedriger als in den USA. Im Juni erreichte die brasilianische Sojaausfuhr (auch wegen der niedrigen Preise) einen neuen monatlichen Rekordwert.
 
Anbaufläche von Soja wächst und wächst
Die Aussaat von Soja beginnt Zentralbrasilien (Matto Grosso) in einigen Regionen bereits sehr früh im September und im Süden des Landes im Oktober. Die Haupaussaat erfolgt allerdings im Oktober/November. Geerntet wird das Soja dann überwiegend von Februar bis März. In seinem aktuellen Juli-Report geht CONAP von einer Erntefläche bei Sojabohnen von 31,9 Mio. ha aus. Im Juni wurde die Erntefläche ebenfalls mit 31,9 Mio. ha angegeben. Das ist für Sojabohnen ein neuer Anbaurekord.
 
Im letzten Jahr (2014) lag die brasilianische Erntefläche von Sojabohnen bei 30,2 Mio. ha und war damit 5,6 % oder 1,7 Mio. ha kleiner als die Rekordaussaatfläche in diesem Jahr. Für die neuen Ernte 2016 erwarteten Analysten im Herbst 2015 einen weiteren Zuwachs der Aussaatflächen von 1 % bis 5 %. Das wäre nochmals ein Anbauzuwachs von 0,3 Mio. ha bis 1,6 Mio. ha.
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Ernte 10 Mio. t größer als 2014
Die brasilianische Sojaproduktion wird von CONAP im Juli mit 96,2 Mio. t angegeben und damit nochmals 0,2 Mio. t größer als im Januar mit 96,0 Mio. t und rund 2,0 Mio. t größer als das USDA in seinem Junireport mit 94,5 Mio. t angegeben hat. Im letzten Jahr (2014) brachten die brasilianischen Farmer ach den Daten von CONAP die bisherige Rekordernte von 86,12 Mio. t ein.
 
Damit wäre die neue brasilianische Sojaernte 2015 rund 12 % oder 10,0 Mio. t größer als vor einem Jahr. Angebaut und geerntet werden Sojabohnen in Brasilien hauptsächlich in Zentralbrasilien (46 % der Produktion) und im Süden ( 35 %) des Landes. Auf den Südosten des Landes entfallen etwa 6 % der Sojaproduktion, auf den Nordosten 8 % und auf den Norden rund 4 %.
 
Brasiliens Sojaexporte auf Rekordkurs
Die große Ernte zeigt sich auch in den sehr großen Exportmengen der Brasilianer und den zuletzt deutlich schrumpfenden Ausfuhren der USA, denn der Export-Soja aus Brasilien ist deutlich preiswerter zu haben. Im Juni haben die Brasilianer nach Angaben des dortigen Handelsministeriums 9,81 Mio. Sojabohnen ins Ausland verkauft. Das war die bislang größte monatliche Exportmenge und 0,5 Mio. t mehr als im Mai (9,3 Mio. t) und deutlich mehr als im Juni vor einem Jahr (6,89 Mio. t).
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Die Sojaschrotausfuhren lagen im Juni bei 1,62 Mio. t, im Vergleich zu 1,59 Mio. t im Mai und 1,68 Mio. t im Juni 2014. Im Wirtschaftsjahr 2013/14 hat Brasilien rund 46,8 Mio. t Sojabohnen und 13,9 Mio. Schrot exportiert und im Wirtschaftsjahr 2014/15 rechnet man mit einer Exportmenge von 45,65 Mio. t Bohnen und 14,2 Mio. t Schrot. Für die neue Saison 2015/16 werden wegen der sehr großen brasilianischen Ernte Soja-Exporte von 49,75 Mio. t erwartet und Schrotexporte von 14,8 Mio. t. Damit wäre Brasilen vor den USA der größte Exporteur von Sojabohnen.
 
Südamerikas Exportpreise sind deutlich niedriger
Die aktuellen Angebotspreise für südamerikanisches Soja lagen für an den brasilianischen und argentinischen Exporthäfen für die Verladung im Juli bei etwa 375 USD/t und für die Auslieferung von August bis September (je nach Exporthafen und Termin) zwischen 370 USD/t und 385 USD/t. US-Sojabohnen koste an den dortigen Exporthäfen (fob-Golf) Anfang Juli immerhin 412 USD/t und für den August/September noch 402 USD/t.
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Damit sind die Sojabohnen aus Südamerika Anfang Juli rund 30 USD bis 40 USD/t billiger als die Ware aus den USA und auch für die nächsten Monate liegt der ausgewiesene Preisunterschied bei mindestens 20 USD bis über 30 USD/t. Damit dürfte sich auch die Nachfrage der großen Importeure künftig sehr stark auf die Ware aus Südamerika konzentrieren, zum als auch Argentinien mit einer Rekordernte und großen Exportmengen (vor allem Schrot) aufwarten kann.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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