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Analyse

Soja/Raps: Chinafaktor stoppt Preisrutsch bei Raps und Soja

von , am
09.05.2014

Die Preise für alterntigen Raps sind diese Woche in Europa ziemlich abgestützt.

Der Raps konnte 0,75 Euro gewinnen und schloss bei 376,50 Euro je Tonne. © landpixel/Beuermann
 
Die Preise für alterntigen Raps sind diese Woche in Europa kräftig abgestürzt und auch die neue Ernte hat sich nochmals verbilligt. Auslöser waren die sich verstärkenden Erwartungen an eine sehr große neue Sojaernte in den USA und in Südamerika. Nach Einschätzung von Analysten werden sich globalen Sojabestände bis Ende nächsten Jahres um 18 % vergrößern und die US-Bestände werden sich sogar verdoppeln. Das drückte die Kurse für Soja im Wochenverlauf kräftig nach unten und der Raps folgte den Sojapreise sowohl in Europa als auch in Kanada. Am Donnerstag haben sich die Kurse dann jedoch überraschend erholt.
 
Chinesen importieren deutlich mehr als erwartet
Ein weiterer wichtiger Grund die den Preisdruck der letzten Tage waren Spekulationen von Analysten, dass China möglichweise deutlich weniger Sojabohnen importieren könnte als bislang erwartet. Zum einen sind die Schweinepreise in China zuletzt kräftig gefallen und man ging von einer gedrosselten Nachfrage der chinesischen Schweinemäster nach Sojaschrot aus. Zu andern war zuletzt mehrfach zu Abbestellungen bereits vereinbaren Sojalieferungen durch China sowohl in den USA als auch in Brasilien gekommen. Zum Ende dieser Woche zeigten die Importdaten der Chinesen jedoch eine völlig andere Entwicklung auf. Bis April lagen die importierten Mengen Sojabohnen trotz Abbestellungen deutlich über den Vorjahreswerten. Gleichzeitig sind die USA bis zur neuen Ernte kaum noch in der Lage zu liefern und die Sojabohnen für den Weltmarkt müssen im wesentlichen aus Südamerika kommen, wo die wo die Ernte (speziell in Brasilien) bis Ende April im Wesentlichen abgeschlossen war.
 
Chinas Importboom stützt die Preise
Wie die chinesische Zollbehörde diese Woche meldete haben die Chinesen im April 6,5 Mio. t Sojabohnen importiert. Das war eine 63 % größere Importmenge als im April 2013 und knapp 41 % mehr als im März 2014. Für den Zeitraum Januar bis April ist die importierte Menge Sojabohnen mit 21,85 Mio. t ebenfalls 41 % größer als im letzten Jahr. Diese überraschend guten Importdaten haben die jüngste Preiskorrektur bei Soja und auch bei Raps am Donnerstag gestoppt. Die Sojabohnen verteuerten sich am Terminmarkt in den USA erstmals nach drei aufeinanderfolgen Tagen mit kräftigen Abschlägen wieder und auch der Raps erholte sich in Europa und in Kanada von den jüngsten Tiefständen. Allerdings liegen die europäischen Rapspreise weiterhin deutlich niedriger als vor der Korrektur, zumal auch die neue europäische Ernte ein Rekord werden könnte.
 
Sojapreise legen wieder zu
Am US-Terminmarkt sind die Sojapreise am Donnerstag (08.05) erstmals seit drei Tagen mit Verlusten wieder gestiegen. Im laufenden Handel am Freitag Vormittag (MEZ) liegen die Bohnen in den USA wieder leicht im Minus. Seit dem Monatswechsel bis Donnerstag (08.05) hatten die Preise um rund 5 % nachgegeben. Gestern legten die Sojapreise dann jedoch wieder kräftig zu. Der Maikontrakt für Sojabohnen beendete den Handel am Donnerstag (08.05) am US-Terminmarkt in Chicago mit einem Plus von 1,6 % bei umgerechnet 391,5 Euro/t (1474 Ct/bu) und der Julitermin kostete am Ende des Handelstages 390,23 Euro/t (1469 Ct/bu). Die nächste US-Ernte (November) wurde am Donnerstag mit 325 Euro/t (1224 Ct/bu) gehandelt. Gegenüber dem letzten Tiefstand von Ende Januar sind die Sojapreise in Chicago noch immer rund 18% höher.
 
Kanadische Rapspreise erholen sich deutlich
In Kanada haben die Rapspreise am Donnertag (08.05) mit den Sojapreisen ebenfalls kräftig um 1,9 % erholt. Mit umgerechnet 330 Euro/t (494 CAD) kletterte der Maitermin in Kanada am Freitag um 9 CAD nach oben. Im Vergleich zum Wochenanfang kostet der kanadische Raps damit rund 9 CAD mehr. Die neue Ernte (November) wurde am Donnerstag mit 324 Euro (486 CAD) gehandelt und damit 6 teuer wie zum Beginn der Woche. Im vorbörslichen elektronischen Handel lagen die Rapspreise in Kanada im Minus.
 
Preise für alte Rapsernte in Europa abgestürzt
Die Rapspreise (für die neue Ernte) haben sich am europäischen Terminmarkt am Donnerstag (08.05) ebenfalls erholt und um 4 Euro zugelegt. Der Augustkontrakt (neue Ernte) notierte bei knapp 357 Euro. Damit kostete neue Ernte in Paris rund 3 Euro weniger als zum Beginn der Woche. Im deutschen Großhandel lagen die Preismeldungen am Freitag für die alte Ernte (Mai) zwischen 374 Euro und 382 Euro und für die neuen Ernte (August) zwischen 345 und 353 Euro/t. Für die alte Ernte sind die Preise damit im Wochenverlauf um 20 Euro abgestürzt und die neue Ernte kostete etwa 6 Euro weniger als zum Beginn der Woche.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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