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Analyse

Trotz lauter Rekorden steigen die Sojapreise

von , am
12.11.2014

Die neuen Eckdaten des USDA zum Sojamarkt bestätigen im Wesentlichen die bisherigen Marktverhältnisse. Am Dienstag waren die Sojapreise indessen schon wieder deutlich ins Plus gedreht (Wintereinbruch in den USA) und zogen auch die Preise für Sojaschrot sowie für Raps mit nach oben

© landpixel
Die neuen Eckdaten des USDA zum Sojamarkt bestätigen im Wesentlichen die bisherigen Marktverhältnisse. Zwar hat das USDA die Erträge und die Produktion bei Sojabohnen in den USA etwas weniger deutlich angehoben als die Analysten zuvor erwartet hatten, dennoch ging es (anders als bei Mais) für die US-Sojaernte nochmals leicht nach oben. Auch die globale Produktionsmenge wächst nochmals leicht auf einen neuen Rekordwert ebenso wie der Welthandel und der Verbrauch. Die Endbestände blieben in den USA anders als von Analysten im Vorfeld erwartet unverändert (hoch) und die globalen Bestände wurden ganz leicht zurückgenommen. Am Markt löste dies zunächst einen Preisrückgang bei bei Soja und Sojaschrot aus. Die Sojapreise gaben am Montag um rund 1,0 % nach. Am Dienstag (11.11.) drehten die Sojapreise indessen schon wieder deutlich um 3,8 % (!!) ins Plus und zogen auch die Preise für Sojaschrot sowie für Raps mit nach oben. Angesichts der zumindest auf dem Papier mehr als reichlichen Marktversorgung verwundert dieser jüngste kräftige Preisstieg doch ein wenig. Wegen der schleppenden US-Ernte sowie der sehr starken Exporte sind US-Sojapreise jetzt seit Anfang Oktober um rund 15 Prozent gestiegen.
 
Globale Soja-Bilanz mit lauter Rekorden
Die November-Schätzung des USDA zur globalen Sojaernte 2014/15 wurde um knapp 1,0 Mio. t auf den neuen Rekordwert von 312 Mio. t (Okt: 311 Mio. t) nach oben korrigiert. Diese Produktion übertrifft die bisherige Rekordernte aus dem letzten Wirtschaftsjahr 2013/14 (285 Mio. t) um 27 Mio. t oder 9 Prozent. Weiter zunehmen soll nach Meinung des USDA 2014/15 (wegen der gefallenen Preise) auch der globale Verbrauch von Sojabohnen, von rund 272 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr auf 286 Mio. t in der aktuellen Saison und damit ebenfalls auf einen neuen Rekordwert. Gleichzeitig übertrifft die neue Ernte den Verbrauch um gut 27 Mio. t. Die Bestände wachsen deshalb von 67 Mio. t auf gut 90 Mio. t und damit ebenfalls auf einen Rekordstand. Die erwartete globale Handelsmenge übertrifft mit 115,5 Mio. t (Okt: 115,1 Mio. t) den bisherigen Rekordwert aus dem letzten Wirtschaftsjahr (113 Mio. t) um knapp 3 Mio. t.
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US-Ernte weiter auf Rekordkurs, Bestand verfünffacht
Die neue Sojaernte für die USA erreicht nach der November-Prognose des USDA den neuen Rekordwert von 107,7 Mio. t. (Okt: 106,9), nach 91,4 Mio. t im letzten Jahr (2013) und 82,8 Mio. t im Dürrejahr 2012. Die letzte Ernteschätzung der Analysten wird allerdings leicht verfehlt. Die Exporte der USA sollen im Wirtschaftsjahr 2014/15 auf den neuen Rekordwert von 46,8 Mio. t (Okt: 46,3) steigen, nach Ausfuhren von 44,8 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2013/14 und 35,8 Mio. t vor zwei Jahren. Die US-Schrotexporte werden im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 11,6 Mio. t (Okt: 10,9 Mio. t) ebenfalls deutlich größer ausfallen als 2013/14 mit 10,5 Mio. t. Die US-Bestände an Sojabohnen könnten sich dennoch von 2,5 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 auf 12,3 Mio. t (Okt: 12,3) verfünffachen.
 
Brasilien mit ähnlich hohen Exporten wie die USA
Für Brasilien schätzt das USDA die nächste Sojaernte im November unverändert auf den Rekordwert von 94,0 Mio. t (Okt: 94,0 Mio. t), nach 86,7 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 und 82,0 Mio. t vor zwei Jahren. Die Aussaat der neuen Ernte 2014/15 erfolgt in Brasilien im Oktober/November. Dabei nimmt die Aussaatfläche nach der derzeitigen Einschätzung von 30,1 Mio. ha im vorigen Herbst (2013) auf 31,5 Mio. ha (Okt: 31,5 Mio. ha) in diesem Jahr (2014) kräftig zu. Das brasilianische Exportpotential sieht das USDA im Wirtschaftsjahr 2014/15 unverändert bei 46,7 Mio. t (Okt: 46,7) nach 46,8 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2013/14 und 41,9 Mio. t vor zwei Jahren. Damit würde Brasilien als Exporteur nur ganz knapp hinter den die USA liegen. Die Schrotexporte Brasiliens bleiben mit 14,1 Mio. t (Okt: 14,1 Mio. t ) im neuen Wirtschaftsjahr relativ stabil. Die (riesigen) brasilianischen Endbestände wachsen jedoch kräftig weiter von zuletzt 16,8 Mio. t auf den neuen Rekordwert von 23,9 Mio. t (Okt: 23,9 Mio. t) im Wirtschaftsjahr 2014/15.
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Argentinien mit Rekordernte und mehr Schrotexporten
Für Argentinien erwartet das USDA wegen des Flächenzuwachses von 19,8 Mio. ha auf 20,0 Mio. ha einen neuen Produktionsrekord von 55,0,0 Mio. t (Vj. 54,0 Mio. t). Das Exportpotential Argentiniens bei Sojabohnen schätzt das USDA für die Saison 2014/15 unverändert auf 8,2 Mio. t (Okt: 8,5 Mio. t) nach 7,8 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr. Dabei wachsen die argentinischen Endbestände 2014/15 auf den neuen Rekordstand von 34,6 Mio. t (Okt: 35,0), nach 29,0 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr und 21,8 Mio. t vor zwei Jahren. Grund für die weltweit größten Bestände ist die Zurückhaltung der argentinischen Farmer bei der Vermarktung und beim Export infolge der staatlichen Handelsrestriktionen, der hohen Steuern und Zölle sowie der hohen Inflation. Die Schrotexporte Argentiniens wachsen nach Einschätzung des USDA von 24,9 Mio. t in der letzten Saison auf 27,8 Mio. t (Okt: 28,8 Mio. t) im Wirtschaftsjahr 2014/15 auf einen neuen Rekord.
 
Europäer importieren deutlich mehr Sojaschrot
Der Import der Länder der Europäischen Union von Sojabohnen soll nach Einschätzung des USDA im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 12,75 Mio. t (Okt. 12,75) ähnlich groß ausfallen wie im letzten Jahr (12,95 Mio. t). Nach China ist die EU damit der zweitgrößte Importeur von Sojabohnen. Der Import von Sojaschrot in die EU nimmt nach der Prognose des USDA jedoch deutlich von 18,4 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr 2013/14 auf 19,8 Mio. t (Okt: 19,8) im aktuellen Wirtschaftsjahr zu. Damit bleibt die EU deutlich vor Indonesien, Thailand, Vietnam sowie dem Iran, der mit Abstand größte Importeur von Sojaschrot, mit rund einem Drittel der globalen Handelsmenge.
 
China erzeugt weniger und importiert mehr
Die Sojabohnen-Importe des weltweit größten Importeurs China, erwartet das USDA im neuen Wirtschaftsjahr bei 74,0 Mio. t (Okt: 74,0) nach 70,4 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr und 59,9 Mio. t vor zwei Jahren. Damit fließen etwa zwei Drittel der weltweit gehandelten Sojabohnen nach China. Für Chinas eigene Sojaproduktion liegt die derzeitige Produktionsprognose bei 11,8 Mio. t (Okt: 11,8 Mio. t) nach 12,2 Mio. t im letzten Jahr und 13,1 Mio. t vor zwei Jahren. Die chinesischen Lagerbestände gehen bis zum Jahresende um 0,4 Mio. t auf 14 Mio. t (Okt: 13,8 Mio. t) leicht zurück.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
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