Login
Analyse

Trotz Rekordernte sind die Rapspreise gestiegen

von , am
06.11.2014

Die europäische Rapsernte 2014 erreichte nach den Daten der Kommission einen Umfang von 22,5 Mio. t und wäre damit 0,3 Mio. t größer als man im September mit 22,2 Mio. t erwartet hatte.

Der Raps legte an der Matif 1,25 Euro/t zum Vortag zu. © Mühlhausen/landpixel
Die Einschätzung der EU-Kommission zur europäischen Rapsernte 2014 liegt weiterhin am unteren Ende der Ernteschätzungen europäischer und internationaler Analysten. Dennoch bedeuten die von der Kommission aktualisierten Erntedaten einen neuen Produktionsrekord. Die Rapspreise hatten im Oktober im Sog der Sojapreise kräftig zugelegt und erreichten Ende Oktober den höchsten Stand seit Anfang Juli 2014. Mit der deutlich an Tempo gewinnenden US-Sojaernte und den schwächeren Sojapreisen, gerieten Anfang November auch die Rapspreise wieder unter Druck.
 
Anbaurückgang für Ernte 2015 von 4 Prozent
Gestützt wurden die Rapspreise Ende Oktober auch durch erste Daten zur Entwicklung des Rapsanbaus für die Ernte 2015. Derzeitige Schätzungen gehen von einem Flächenrückgang zwischen 3,5 Prozent (Strategie Grains) und etwa 4 Prozent (IGC) für die Ernte 2015 aus. Hinzu kommen beträchtliche Insektenschäden an den bereits aufgelaufenen Rapspflanzen, wegen des nicht mehr erlaubten Einsatzes des Insektizids Neonikotinoid. Der erwartete Flächenrückgang für die europäische Ernte 2015 würde nach derzeitigen Schätzungen zwischen 0,2 Mio. ha und knapp 0,3 Mio. ha liegen. Die Erntefläche lag 2014 bei 6,76 Mio. ha und war damit geringfügig größer als im Jahr zuvor mit 6,72 Mio. ha. Der Durchschnittsertrag wird für die Ernte 2014 mit 3,3 t/ha angegeben, nach 3,1 t/ha im letzten Jahr.
{BILD:151042:jpg} 
Analysten sehen deutlich größere Rapsernte
Die europäische Rapsernte 2014 erreichte nach den Daten der Kommission einen Umfang von 22,5 Mio. t und wäre damit 0,3 Mio. t größer als man im September mit 22,2 Mio. t erwartet hatte. Im Vergleich zur Ernte 2013 von 20,9 Mio. t bedeutet die Erntemenge 2014 einen Zuwachs von 2,3 Mio. t. Bestätigen sich die Daten der EU-Kommission, wäre dies für die EU die mit Abstand größte Rapsernte. Andere europäische und internationale Analysten sehen die europäische Rapsernte jedoch weiterhin deutlich größer als die EU-Kommission. Ende Oktober lag die Ernteschätzung von ADM Deutschland (Töpfer) bei 24,1 Mio. t. Strategie Grains veranschlagte die europäische Rapsernte Anfang November ebenfalls auf 24,0 Mio. t und das USDA ging Mitte Oktober von 23,5 Mio. t aus und der IGC von 23,8 Mio. t
 
Verbrauch von Raps übersteigt Produktion
Bei den Importen von Rapssaat erwartet die Kommission im laufenden Wirtschaftsjahr mit rund 3,0 Mio. t einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr (3,49 Mio. t) von etwa 0,5 Mio. t. Der Verbrauch der Europäer von Rapssaat (ohne Exporte) wird zudem auf einen neuen Rekordwert von 25,5 Mio. t veranschlagt und damit 1,8 Mio. t größer als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr (23,7 Mio. t) und sogar 3,05 Mio. t größer als die von der Kommission unterstellte Produktion. Die europäischen Endbestände von Rapssaat verändern sich mit rund 1,25 Mio. t zum Vorjahr (1,3 Mio. t) nur wenig.
 
Verbrauch von Rapsschrot wächst weiter
Die Produktion von Rapsschrot erwartet die Kommission für das aktuelle Wirtschaftsjahr bei etwa 13,79 Mio. t und damit nochmals 0,89 Mio. t größer als im bisherigen Rekordjahr 2013/14 (12,97 Mio.t) und sogar 1,17 Mio. t höher als vor zwei Jahren (12,62 Mio. t). Der Verbrauch von Rapsschrot steigt nach der aktuellen Kommissions-Prognose nochmals sehr kräftig um mehr als 1,0 Mio. t auf 14,16 Mio. t im aktuellen Wirtschafsjahr 2014/15 von zuvor 13,1 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2013/14.
{BILD:140891:jpg}
Verbrauch von Rapsöl auf Rekordstand
Die europäische Produktion von Rapsöl nimmt mit erwarteten 9,92 Mio. t im Vergleich zum zurückliegenden Wirtschaftsjahr (9,32 Mio. t) deutlich um 0,6 Mio. t zu. Der europäische Verbrauch von Rapsöl steigt nach der Einschätzung der Kommission von 9,62 Mio. t im letzten Jahr auf knapp 10,29 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr an. Die Importe von Rapsöl sollen  moderat von 0,3 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr auf etwa 0,33 Mio. t zunehmen. Gleichzeitig erwartet die Kommission, dass die Importe der Europäer bei Palmöl von 6,71 Mio. t auf 5,9 Mio. t deutlich zurückgehen.
 
Rapspreise im Oktober gestiegen
Am europäischen Terminmarkt sind die Rapspreise im Oktober von 320 Euro zeitweise bis auf 345 Euro gestiegen. Anfang November konnten die Rapspreise dieses Niveau nicht halten und rutschten mit den nachgebenden Sojapreisen wieder  ertwas nach unten. Der Februarkontrakt wurde am 06. November am Terminmarkt mit 335,5 Euro/t gehandelt und damit immer noch 15 Euro höher als Anfang Oktober. Im Vergleich zum November des Jahres 2013 (378 Euro) sind die Rapspreise am europäischen Terminmarkt jedoch 43 Euro oder 11 % niedriger. Im deutschen Großhandel lagen die Rapspreise am 06. November an den wichtigsten Handelsplätzen zwischen 323 und 330 Euro (Sept: 321 Euro und 322 Euro). Für die Lieferung im Februar wurden Preise zwischen 331 und 3328 Euro geboten (Sept: 328 Euro und 335 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
Auch interessant