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Analyse

USDA: Versorgung bei Soja ist sehr komfortabel

von , am
15.09.2015

Die derzeit am Weltmarkt gehandelten südamerikanischen Ernten 2015 befinden sich auf einem Rekordstand.

© Mühlhausen/landpixel
 
Bei Sojabohnen meldet der aktuelle USDA-Report eine ausgesprochen komfortable globale Versorgung. In den USA wurde die neue Ernte entgegen den Erwartungen der Analysten sogar nach oben korrigiert und verfehlt den Rekord aus dem Vorjahr nur noch ganz knapp. Die aktuellen und derzeit am Weltmarkt gehandelten südamerikanischen Ernten 2015 befinden sich ebenfalls auf einem Rekordstand und für die neuen Ernten 2016 wird zu mindestens für Brasilien ein weiterer Rekord und für Argentinien eine sehr große Ernte erwartet.
 
Der Verbrauch an Sojabohnen wächst ebenfalls, jedoch übersteigt die Produktion den Bedarf sehr deutlich und die Bestände wachsen auf einen Rekordwert. Trotzdem sind die Sojapreise, nach einer zunächst eher neutralen Reaktion der Terminmärkte auf die neuen USDA-Daten am Freitag, zum Beginn der neuen Woche sogar gestiegen. Fundamental lässt sich diese Reaktion schwer begründen, auch wenn die globalen Endbestände gegenüber dem Vormonat leicht zurückgenommen wurden. Allerdings sind die Exportpreise für Sojabohnen seit von Anfang August bis Mitte September um 10 % gefallen und liegen zudem etwa 21 % unter dem vergleichbaren Vorjahreswert. .
 
Ein Markt mit lauter Superlativen
Im September veranschlagt das USDA die globale Sojaernte 2015/16 auf 319,6 Mio. t und damit geringfügig kleiner als bei der vorigen Prognose mit 320,0 Mio. t . Dennoch erreicht die erwartete Produktion in etwa die Rekordernte aus dem vorigen Wirtschaftsjahr von 319,4 Mio. t. Leicht nach oben korrigiert hat das USDA im September den globalen Verbrauch von Sojabohnen von 309,8 Mio. t auf 310,1 Mio. t und damit auch auf einen neuen Rekordstand. Im Wirtschaftsjahr2014/15 lag die Verbrauchsmenge von Sojabohnen bei 296,9 Mio. t damit noch unter 300 Mio. t. Trotz des Verbrauchsanstiegs übertrifft die Sojaproduktion den Verbrauch um rund 9,5 Mio. t.
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Die Endbestände wachsen deshalb auf 85,0 Mio. t und damit nicht etwas weniger kräftig als bei der vorigen Prognose mit 86,9 Mio. t erwartet wurde. Im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 waren die Endbestände mit 78,7 Mio. t allerdings rund 6,3 Mio. t kleiner. Die für das Wirtschaftsjahr 2015/16 erwartete globale Handelsmenge ist nach der aktuellen Einschätzung des USDA mit 126,5 Mio. t geringfügig kleiner als bei der vorigen Prognose (127,2, übertrifft jedoch den bisherigen Rekordwert aus dem vorigen Wirtschaftsjahr (124,9 Mio. t) um 1,6 Mio. t. Insgesamt bleibt die Versorgungslage am globalen Sojamarkt damit außergewöhnlich komfortabel.
 
Sojaernte in den USA nach oben korrigiert
Die kommende Sojaernte für die USA wird nach der derzeitigen Prognose des USDA bei knapp 107,1 Mio. t liegen und damit sogar etwas größer sein als bei der vorigen Prognose mit 106,6 Mio. t. Damit wäre die neue Ernte fast so groß wie die Rekordernte von 108 Mio. t aus dem vorigen Jahr (2014) und deutlich größer als vor zwei Jahren (91,3 Mio. t.) Die Erntefläche gibt das USDA wie im Vormonat mit etwa 33,81 Mio. ha an und damit geringfügig größer als 2014 mit 33,61 Mio. ha und auf einem neuen Rekordniveau.
 
Die Soja-Exporte der USA gehen im Wirtschaftsjahr 2015/16 (wegen der südamerikanischen Konkurrenz) zurück und wurden vom USDA bei 46,95 Mio. t erwartet nach 49,9 Mio. t im vorigen Jahr. Die US-Schrotexporte veranschlagt das USDA auf 10,6 Mio. t nach 11,8 Mio. t im vorigen Jahr. Die US-Sojabestände dürften indessen von 5,7 Mio. t im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 auf 12,3 Mio. t sehr kräftig zunehmen. Allerdings hatte das USDA im vorigen Monat noch eine Zunahme auf 12,8 Mio. t erwartet.
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Brasilien erwartet weiteren Produktionsrekord
Für Brasilien schätzt das USDA die nächste Sojaernte (Frühjahr 2016) im September auf den Rekordwert von 97,0 Mio. t, nach dem bisherigen Rekord von 94,5 Mio. t zur Ernte 2015. Die Aussaat für die neue Ernte 2016 erfolgt in Brasilien allerdings erst im Oktober/November. Dabei soll die Aussaatfläche nach Einschätzung des USDA nochmals von 31,5 Mio. ha auf 32,5 Mio. ha zunehmen.
 
Das brasilianische Exportpotential sieht das USDA im Wirtschaftsjahr 2015/16 bei 54,5 Mio. t, nach 50,0 Mio. im Wirtschaftsjahr 2014/15. Damit würde Brasilien als Exporteur deutlich vor dem den USA (46,99) liegen. Die Schrotexporte Brasiliens werden für 2015/16 bei etwa 15,2 Mio. t erwartet nach 14,7 Mio. t im Jahr 2014/15 Mio. t. Die brasilianischen Lagerbestände bleiben im Wirtschaftsjahr 2015/16 mit 18,2 Mio. t ähnlich riesig wie im Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 18,2 Mio. t.
 
Argentinien mit riesigen Beständen
Für Argentinien erwartet das USDA für die Ernte 2016 ebenfalls eine Anbauausweitung von 19,3 Mio. ha auf 20,0 Mio. ha. Die Produktion 2016 wird wegen der etwas niedriger erwarteten Erträge bei etwa 57,0 Mio. t erwartet, nach der Rekordernte 2015 von 60,8 Mio. t. Das Exportpotential Argentiniens bei Sojabohnen schätzt das USDA für die nächste Saison 2015/16 auf 9,75 Mio. t nach 9,6 Mio. t in der Saison 2014/15.
 
Gleichzeitig wachsen die argentinischen Endbestände auf den neuen Rekordwert von 33,4 Mio. t . Das ist zwar etwas weniger als im vorigen Mona (34,1) t erwartet wurde jedoch nochmals mehr als im Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 32,8 Mio. t. Grund für die weltweit größten Soja-Bestände ist die Zurückhaltung der argentinischen Farmer bei der Vermarktung von Sojabohnen, wegen der staatlichen Handelsrestriktionen, der hohen Steuern und der Inflation. Die Schrotexporte Argentiniens (des mit Abstand größten Schrotexporteurs) wachsen nach Einschätzung des USDA von knapp 28,5 Mio. t in der Saison 2014/15 auf 30,2 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2015/16.
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Europäer importieren mehr Schrot
Der Import der Europäischen Union von Sojabohnen soll nach Einschätzung des USDA im Wirtschaftsjahr 2015/16 mit 13,5 Mio. t (Vj: 13,5) relativ stabil bleiben. Nach China ist die EU der zweitgrößte Importeur von Sojabohnen. Der Import von Sojaschrot in die EU nimmt nach der Prognose des USDA jedoch von 19,6 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2015/16 auf 20,1 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2015/16 zu. Damit bleibt die EU (deutlich vor Indonesien, Vietnam und Thailand) der mit Abstand größte Importeur von Sojaschrot mit rund einem Drittel der globalen Handelsmenge.
 
Chinas Sojaimporte bleiben hoch
Die Sojaimporte des weltweit größten Importeurs China, erwartet das USDA im Wirtschaftsjahr 2015/16 weiterhin bei etwa 79,0 Mio. t und damit rund 2,0 Mio. t größer als im Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 77,0 Mio. t sowie mit 70,4 Mio. t vor zwei Jahren. Damit fließt rund zwei Drittel des Welthandels mit Sojabohnen nach China. Für Chinas eigene Sojaproduktion liegt die Produktionsprognose für 2015/16 bei 11,5 Mio. t nach 12,4 Mio. t im Jahr 2014/15 und 12,2 Mio. t vor zwei Jahren. Die chinesischen Lagerbestände gehen von 17,6 Mio. t auf 16,1 Mio. t zurückb.
 
Dr. Olaf Zinke
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