Login
Analyse

USDA/Soja: Neue Rekordaten aus den USA und Südamerika

von , am
12.09.2014

Die neuen Eckdaten des USDA zum Sojamarkt übertreffen sowohl die bereits nach oben gesetzten Erwartungen der Analysten als auch die vorige Schätzung des USDA.

© landpixel
Die neuen Eckdaten des USDA zum Sojamarkt übertreffen sowohl die bereits nach oben gesetzten Erwartungen der Analysten als auch die vorige Schätzung des USDA. Am Markt löste dieses Ergebnis natürlich weitere deutliche Preiskorrekturen bei Soja und Sojaschrot aus. Die Sojapreise rutschten am Donnerstag um weitere 1,2 % nach unten. Für alle Termine der neuen Ernte bis März fielen die Preise zudem deutlich unter die technisch und psychologisch wichtige Marke von 1000 Ct/bu (284 Euro/t). In Chicago kostete die Sojabohne am Donnerstag für den November umgerechnet nur noch 279 Euro/t (981 Ct/bu). Seit Ende Mai sind die Sojapreise in den USA damit um 30 % oder etwa 79 Euro gefallen. Allein im August und im September verloren die Kurse knapp 10 %. Das sind die niedrigsten Preise seit der Ende Juni 2010 also seit gut 4 Jahren. Am Freitag beginnen die Sojapreisepreise in den USA den elektronischen vorbörslichen Handel ganz leicht im Plus.
 
Globale Versorgung bricht alle Rekorde
Die September-Schätzung des USDA zur neuen globalen Sojaernte 2014/15 steigt um weitere 6 Mio. t auf den neuen Rekordwert von 311 Mio. t (August: 305 Mio. t). Diese Produktion übertrifft die bisherige Rekordernte aus dem letzten Wirtschaftsjahr 2013/14 (283,95 Mio. t) um 28 Mio. t oder 10 %. Weiter zunehmen soll nach Meinung des USDA 2014/15 (wegen der niedrigeren Preise) auch der globale Verbrauch von Sojabohnen, von rund 269 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr auf 285 Mio. t in der neuen Saison und damit ebenfalls auf einen neuen Rekordwert. Gleichzeitig übertrifft die neue Ernte den Verbrauch um gut 26 Mio. t. Die Bestände wachsen deshalb von 67 Mio. t auf 90 Mio. t und damit ebenfalls auf einen Rekordstand. Die erwartete globale Handelsmenge übertrifft mit 115,4 Mio. t (August: 111 Mio. t) den bisherigen Rekordwert aus dem letzten Wirtschaftsjahr (112 Mio. t) um gut 3 Mio. t.
 
US-Ernte auf Rekordkurs, Bestände fast vervierfacht
Die neue Sojaernte für die USA erreicht auch nach der September-Prognose des USDA den neuen Rekordwert von 106,5 Mio. t. (August: 103,8), nach 89,5 Mio. t im letzten Jahr (2013) und 82,6 Mio. t im Dürrejahr 2012. Auch die Ernteschätzung der Analysten wird wegen der höheren Erträge übertroffen. Die Exporte der USA sollen im Wirtschaftsjahr 2014/15 auf 46,3 Mio. t (August: 45,6) steigen, nach Ausfuhren von 44,8 Mio. t im Wirtschaftsjahr 2013/14 und 35,9 Mio. t vor zwei Jahren. Die US-Schrotexporte werden im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 10,9 Mio. t etwas größer als 2013/14 mit 10,5 Mio. t. Die US-Bestände an Sojabohnen könnten sich von 3,5 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 auf 12,9 Mio. t (August: 11,7) fast vervierfachen.
 
Brasilien überholt die USA beim Export
Für Brasilien schätzt das USDA die nächste Sojaernte im September um 3 Mio. t höher auf den Rekordwert von 94,0 Mio. t (August: 91,0 Mio. t), nach 87,5 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 und 82,0 Mio. t vor zwei Jahren. Die Aussaat der neuen Ernte 2014/15 erfolgt in Brasilien allerdings erst im Oktober/November. Dabei nimmt die Aussaatfläche nach der derzeitigen Einschätzung des USDA von 29,9 Mio. ha auf 31,5 Mio. ha (August: 30,5 Mio. ha) kräftiger zu wie erwartet. Das brasilianische Exportpotential sieht das USDA im neuen Wirtschaftsjahr bei 46,7 Mio. t (August: 45,0) nach 46,4 Mio. im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 und 41,9 Mio. t vor zwei Jahren. Damit würde Brasilien als Exporteur die USA wieder überholen. Die Schrotexporte Brasiliens bleiben mit 14,1 Mio. t (August: 13,8 Mio. t ) im neuen Wirtschaftsjahr relativ stabil. Die brasilianischen Endbestände wachsen jedoch kräftig weiter von 17,2 Mio. t auf den neuen Rekordwert von 24,4 Mio. t (August: 23,5 Mio. t) im neuen Wirtschaftsjahr.
 
Argentinien Riesenbestände wachsen weiter
Für Argentinien erwartet das USDA wegen eines moderaten Flächenzuwachses (von 19,8 Mio. ha auf 20,0 Mio. ha) mit 55,0,0 Mio. t (Vj. 54,0 Mio. t) ebenfalls eine größere Ernte. Das Exportpotential Argentiniens schätzt das USDA für die neue Saison 2014/15 unverändert auf 8,5 Mio. t nach ebenfalls 8,5 Mio. t im letzten Wirtschaftsjahr. Dabei wachsen die argentinischen Endbestände auf den neuen Rekordstand von 33,2 Mio. t (August: 32,2) nach 28,6 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr und 22,4 Mio. t vor zwei Jahren. Grund für die weltweit größten Bestände ist die anhaltende Zurückhaltung der argentinischen Farmer bei der Vermarktung und dem Export wegen der staatlichen Handelsrestriktionen, der hohen Steuern und der Inflation. Die Schrotexporte Argentiniens (des mit Abstand größten Schrotexporteurs) wachsen nach Einschätzung des USDA von 27,0 Mio. t in der letzten Saison auf 29,2 Mio. t neuen Wirtschaftsjahr.
 
Europäer mit stabilen Importen
Der Import der Europäischen Union von Sojabohnen soll nach Einschätzung des USDA im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 12,75 Mio. t (Vj. 12,65) relativ stabil bleiben. Nach China ist die EU damit der zweitgrößte Importeur von Sojabohnen. Der Import von Sojaschrot in die EU nimmt nach der Prognose des USDA jedoch von 18,7 Mio. im letzten Wirtschaftsjahr 2013/14 auf 19,8 Mio. t (August: 19,8) im neuen Wirtschaftsjahr zu. Damit bleibt die EU deutlich vor Indonesien, Thailand, Vietnam und dem Iran, der mit Abstand größte Importeur von Sojaschrot, mit rund einem Drittel der globalen Handelsmenge.
 
China importiert noch mehr Sojabohnen
Die Sojabohnen-Importe des weltweit größten Importeurs China, erwartet das USDA im neuen Wirtschaftsjahr bei 74,0 Mio. t (August: 73,0) nach 69,0 Mio. t im zurückliegenden Wirtschaftsjahr und 59,9 Mio. t vor zwei Jahren. Damit fließt etwa zwei Drittel der weltweit gehandelten Sojabohnen nach China. Für Chinas eigene Sojaproduktion liegt die derzeitige Produktionsprognose bei 12,0 Mio. t (August: 12,0 Mio. t) nach 12,2 Mio. t im letzten Jahr und 13,0 Mio. t vor zwei Jahren. Die chinesischen Lagerbestände nehmen auf 14 Mio. t (Vj: 13,3 Mio. t) leicht zu.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Marktkompass
Auch interessant