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Analyse

EU: Große Roggenernte wird vom Markt verbraucht

von , am
07.10.2014

Die Kommission hat ihre Einschätzung zur aktuellen europäischen Roggenernte zum Monatswechsel überraschend deutlich nach oben korrigiert.

© Andre B./fotolia.de
Die Kommission hat ihre Einschätzung zur aktuellen europäischen Roggenernte zum Monatswechsel überraschend deutlich nach oben korrigiert. Dennoch bleibt die erwartete Erntemenge knapp 9 % unter der Riesenernte aus dem Vorjahr. Nach Einschätzung der Kommission bleibt der Verbrauch von Roggen im aktuellen Wirtschaftsjahr hoch und wird durch die erwartete Produktion gerade gedeckt. Dementsprechend nehmen die vorhandenen Roggenbestände nur geringfügig ab. Die Roggenpreise haben im September kräftig nachgegeben. Anfang Oktober konnten sich die Preise jedoch wieder deutlich erholen.
 
Kleinere Erntefläche, hohe Erträge
Die europäische Roggenernte 2014 veranschlagte die Kommission zum Monatswechsel auf 9,16 Mio. t und damit 0,43 Mio. t oder 5 Prozent größer als vor vier Wochen mit 8,73 Mio. t. Im Vergleich zur Rekordernte aus dem Jahr 2013 von 10,0 Mio. t wäre dies jetzt nur noch ein Produktionsrückgang von 0,84 Mio. t oder 8 %. Die Anbaufläche veranschlagt die Kommission in diesem Jahr auf 2,38 Mio. ha (August: 2,40 Mio. ha), nach 2,58 Mio. ha im letzten Jahr. Das bedeutet einen Anbaurückgang von 0,2 Mio. ha oder 8 %. Die durchschnittlichen Roggenerträge erwartet die Kommission bei 3,8 t/ha (August: 3,6 t/ha) nach 3,9 t/ha im letzten Jahr. Die Crop-Monitoring Agentur der EU (MARS) hatte die Erträge bei Roggen im September nur auf 3,71 t/ha veranschlagt.
 
Analysten mit ähnlichen Erwartungen
Ende September schätzten die Analysten von ADM/Töpfer die europäische Produktion auf 9,27 Mio. t (August: 8,84 Mio. t) und liegen mit dieser Prognose auf ähnlichem Niveau wie Kommissionschätzung. Geringfügig höher setzte die Analysten von Strategie Grains mit 9,4 Mio. t (August: 9,2 Mio. t) die europäische Ernte an und das USDA ging im September von 9,07 Mio. t aus. Die Ernteschätzungen der Analysten für Deutschland liegen zwischen 3,76 Mio. t und 3,91 Mio. t (Vj: 4,68 Mio. t) und für Polen zwischen 3,22 Mio. t und 3,33 Mio. t (Vj. 3,4). Das  Statistische Bundesamt geht von einer deutschen Roggenernte von etwa 3,91 Mio. t aus, bei Erträgen von 6,14 t/ha und liegt damit am oberen Ende der Prognosen. Die deutsche Vorjahresernte wird wegen der um 19 % reduzierten Anbaufläche dennoch mindestens 17 % oder 0,8 Mio. t verfehlt.
 
Verbrauch etwa so groß wie Produktion
Beim Roggenverbrauch erwartet die Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 einen moderaten Rückgang. Mit geschätzten 9,16 Mio. t (Vj. 9,4 Mio. t) wäre die erwartete Verbrauchsmenge damit in etwa so große wie die erwartete Produktion von 9,16 Mio. t. Im Vergleich zum zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 wäre die Verbrauchsmenge nur 0,24 Mio. t kleiner. Die Bestände schrumpfen wegen der ausgeglichen Angebots- und Verhältnisse nur geringfügig. Von den am Ende des letzten Wirtschaftsjahres noch vorhandenen Roggenbeständen von knapp 1,05 Mio. t, bleiben nach Meinung der Kommission bis Ende 2014/15 immerhin noch knapp 0,99 Mio. t übrig.
 
Futterverbrauch wird relativ hoch eingeschätzt
Der Einsatz von Roggen in der Tierfütterung wird mit 4,1 Mio. t (August: 4,1 Mio. t) nur 0,2 Mio. t niedriger erwartet als im letzten Wirtschaftsjahr mit 4,3 Mio. t. Die Verwendung von Roggen zur Herstellung von Bioethanol bleibt mit rund 0,8 Mio. t nach Meinung der Kommission unverändert. Unverändert bei 3,0 Mio. t erwartet die Kommission in ihrer Bilanz außerdem auch den Verbrauch von Brotroggen. Der Export von Roggen in Drittländer (vor allem aus Deutschland) geht von 0,17 Mio. t auf 0,12 Mio. t zurück.
 
Roggenpreise ähnlich hoch wie 2013
Die Roggenpreise haben im September am Großmarkt in Hamburg von etwa 156 Euro auf rund 146 Euro nachgegeben. Anfang Oktober konnten sich die Preise für Brotroggen dann jedoch wieder erholen. Für Brotroggen zur Anlieferung im Oktober wurde am 06. Oktober am Hamburger Großmarkt wieder 154 Euro/t geboten und damit nur 2 Euro weniger als vor vier Wochen. Damit sind Preise derzeit ähnlich hoch wie im Oktober 2013 mit rund 153 Euro/t. Im Vergleich zum Brotweizen ist der Brotroggen am Exporthafen Hamburg etwa 13 Euro billiger. Aus Ostdeutschland meldet man Roggenpreise (ab Station) von 134 bis 136 Euro/t und damit rund 7 Euro höhere Kurse als Ende September, jedoch etwas niedrigere Kurse als vor vier Wochen. Am Großmarkt in Mannheim kostete Brotroggen Anfang Oktober zwischen 145 bis 150 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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