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Analyse

Europäische Roggenernte deckt nicht den Bedarf

von , am
02.10.2015

Nach Einschätzung der Kommission bleibt jedoch der Verbrauch von Roggen im aktuellen Wirtschaftsjahr hoch und wird durch die erwartete Produktion nicht gedeckt.

© Mühlhausen/landpixel
 
Die EU-Kommission hat ihre Einschätzung zur aktuellen europäischen Roggenernte zum Monatswechsel nicht verändert. Damit ist die erwartete Erntemenge gut 6 % kleiner als die Roggenernte aus dem Vorjahr. Nach Einschätzung der Kommission bleibt jedoch der Verbrauch von Roggen im aktuellen Wirtschaftsjahr hoch und wird durch die erwartete Produktion nicht gedeckt. Dementsprechend nehmen die vorhandenen Roggenbestände deutlich ab bzw. werden fast halbiert. Die Roggenpreise sind in der zweiten Septemberhälfte wieder gestiegen, nachdem die Kurse von August bis Anfang September kräftig gefallen waren.
 
Kleinste Roggenernte seit fünf Jahren
Die europäische Roggenernte 2014 veranschlagte die Kommission zum Monatswechsel auf 8,12 Mio. t und damit genau so groß wie vor vier Wochen mit 8,11 Mio. t. Im Vergleich zur Roggenernte aus dem Jahr 2014 von 8,67 Mio. t wäre dies ein Produktionsrückgang von 0,55 Mio. t oder 6,3 %. Das wäre die kleinste europäische Roggenernte seit der extrem schwachen Ernte im Jahr 2011 (6,7 Mio. t).
 
Die Erntefläche veranschlagt die Kommission in diesem Jahr auf 2,23 Mio. ha (August: 2,24 Mio. ha), nach 2,1 Mio. ha im vorigen Jahr. Das bedeutet einen Anstieg der Anbaufläche um 0,1 Mio. ha. Die durchschnittlichen Roggenerträge meldet die Kommission mit 3,6 t/ha (August: 3,6 t/ha) nach 4,1 t/ha im letzten Jahr. Die Crop-Monitoring Agentur der EU (MARS) hatte die Erträge bei Roggen im September etwas höher auf 3,72 t/ha veranschlagt.
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Analysten mit ähnlichen Prognosen
Ende September schätzten die Analysten von ADM/Töpfer die europäische Produktion ebenfalls auf 8,15 Mio. t (August: 8,15 Mio. t) und liegen mit dieser Prognose auf ähnlichem Niveau wie Kommissionschätzung. Deutlich höher setzte die Analysten von Strategie Grains mit 8,6 Mio. t (August: 8,3 Mio. t) die europäische Ernte an und das USDA ging im September von 8,37 Mio. t aus.
 
Die Ernteschätzungen für Deutschland lagen zuletzt bei 3,35 Mio. t (Vj: 3,85 Mio. t) und für Polen bei 2,7 Mio. t (Vj. 3,3). Die deutsche Vorjahresernte mit der jetzt unterstellten Erntemenge um 13 % oder 0,5 Mio. t verfehlt. Die polnische Roggenernte wäre 18 % oder 0,6 Mio. t kleiner.
 
Verbrauch deutlich größer als Produktion
Beim Roggenverbrauch erwartet die Kommission im aktuellen Wirtschaftsjahr 2015/16 einen moderaten Rückgang. Mit geschätzten 8,6 Mio. t (Vj. 8,75 Mio. t) wäre die erwartete Verbrauchsmenge jedoch 0,52 Mio. t größer als die erwartete Produktion von 8,12 Mio. t. Im Vergleich zum zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2014/15 wäre die Verbrauchsmenge 0,15 Mio. t kleiner.
 
Die Bestände schrumpfen wegen der Lücke zwischen Produktion und Verbrauch deutlich. Von dem am Ende des vorigen Wirtschaftsjahres vorhandenen Roggenbestand von knapp 1,12 Mio. t, bleiben nach Meinung der Kommission bis Ende 2015/16 nur noch 0,71 Mio. t übrig.
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Futterverbrauch geht leicht zurück
Der Einsatz von Roggen in der Tierfütterung wird mit 3,4 Mio. t (August: 3,4 Mio. t) nur 0,1 Mio. t niedriger erwartet als im vorigen Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 3,5 Mio. t. Die Verwendung von Roggen zur Herstellung von Bioethanol bleibt mit rund 0,8 Mio. t nach Meinung der Kommission unverändert.
 
Unverändert bei 3,0 Mio. t erwartet die Kommission in ihrer Bilanz außerdem auch den Verbrauch von Brotroggen. Der Export von Roggen in Drittländer (vor allem aus Deutschland) geht von 0,194 Mio. t im aktuellen Wirtschaftsjahr auf 0,16 Mio. t zurück.
 
Roggenpreise zuletzt wieder erholt
Die Roggenpreise (Brotroggen) haben sich in der zweiten Septemberhälfte am Exporthafen in Hamburg wieder deutlich erholt. Während die Preise zunächst Anfang August noch bei 160 Euro lagen brachen die Kurse Anfang September bis auf 145 Euro ein. In der zweiten Monatshälfte stiegen die Kurse wieder bis auf etwa 150 Euro und liegen auch Anfang Oktober auf diesem Niveau. Im Vergleich zum vorigen Jahr (147 Euro) sind die Roggenpreise derzeit 3 Euro höher. Im Vergleich zum Brotweizen (177 Euro) ist der Brotroggen am Exporthafen Hamburg etwa 27 Euro billiger.
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Im deutschen Südwesten lagen die Großhandelspreise für Brotroggen am Großmarkt in Mannheim zwischen 160 und 162 Euro. Im Großhandel in Brandenburg notierte man Brotroggen mit 133 Euro. Vom ostdeutschen Großmarkt in Dresden (Sachsen) meldete man Preise von 130 Euro. (Im vorigen Jahr lagen die Brotroggenpreise in Ostdeutschland zu diesem Termin etwa bei 128 Euro und waren damit etwa 2 bis 5 Euro niedriger.). Aus dem Großhandel in Niedersachsen meldete man diese Woche Brotroggenpreise von etwa 150 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke
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