Login
Analyse

Roggen/EU: Bedarf größer als Ernte, Preise halten sich

von , am
04.07.2014

Der Verbrauch von Roggen bleibt überraschend hoch und übersteigt die erwartete Erntemenge deutlich

© Mühlhausen/landpixel

 
Die Kommission hat ihre Erwartungen an die neue europäische Roggenernte Anfang Juli nicht weiter verändert. Damit liegt die erwartete Erntemenge geringfügig unter den letzten Prognosen der anderen großen europäischen Analystenhäuser. Darüber hinaus wäre die neue europäische Roggenernte 14 % kleiner als die bisherige Rekordernte aus dem Vorjahr (2013). Andererseits bleibt der Verbrauch von Roggen jedoch überraschend hoch und übersteigt die erwartete Erntemenge deutlich. In der Folge werden die vorhandenen großen Roggenbestände kräftig abgebaut. Die Roggenpreise (alte Ernte) haben im Juni um knapp 10 Euro/t nachgegeben und sich für die neue Ernte behauptet. Futter-Roggen wurde zuletzt auf dem Niveau der Futtergerste gehandelt.
 
Ernteprognosen zwischen 8,6 Mio. t und 8,8 Mio. t
Die Analysten der Kommission schätzten die europäische Roggenernte 2014 Anfang Juli auf 8,58 Mio. t und damit etwa eben so groß wie vor vier Wochen (8,61 Mio. t). Im Vergleich zur Rekordernte aus dem Jahr 2013 von 9,99 Mio. t wäre dies ein Produktionsrückgang von 1,4 Mio. t oder 14 %. Die Erntefläche veranschlagt die Kommission in diesem Jahr auf 2,41 Mio. ha, nach 2,43 Mio. ha im letzten Jahr. Das bedeutet einen Anbaurückgang von nur 0,02 Mio. ha. Andere europäische Analysten erwarten die neue Ernte vor dem Hintergrund einer relativ stabilen Anbaufläche etwas größer als die Kommission. Das Analystenhaus Strategie Grains schätzte die Ernte im Juni auf 8,8 Mio. t und damit 0,2 Mio. t größer als die Kommission. Die Analysten von Töpfer International erwarten die Ernte ebenfalls bei 8,8 Mio. t und der Verband der europäischen Getreidehändler COCERAL hält 8,7 Mio. t für möglich.
 
Verbrauch übersteigt Produktion
Beim Roggenverbrauch erwartet die Kommission im neuen Wirtschaftsjahr 2014/15 nur einen relativ moderaten Rückgang. Mit geschätzten 9,28 Mio. t (Vj. 9,6 Mio. t) wäre die erwartete Verbrauchsmenge deshalb rund 0,72 Mio. t größer als die erwartete Produktion. Im Vergleich zum zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2013/14 wäre die Verbrauchsmenge nur 0,3 Mio. t kleiner, was zu einem deutlichen Abbau der Bestände führt. Von dem am Ende des zurückliegenden Wirtschaftsjahres noch vorhandenen Roggenbestand von knapp 1,0 Mio. t, bleiben nach Meinung der Kommission bis Ende 2014/15 noch knapp 0,37 Mio. t übrig.
 
Futterbedarf nur etwas kleiner
Der Einsatz von Roggen in der Tierfütterung wird von der Kommission mit 4,1 Mio. t etwas niedriger erwartet als 2013/14 (4,3 Mio. t). Die Verwendung von Roggen zur Herstellung von Bioethanol bleibt mit rund 0,8 Mio. t nach Meinung der Kommission unverändert. Stabil bei 3,0 Mio. t erwartet die Kommission Anfang Juli außerdem den Bedarf an Brotroggen. Ebenfalls unverändert schätzt man die übrige industrielle Verwertung mit 1,5 Mio. t ein. Der Export von Roggen in Drittländer (vor allem aus Deutschland) bleibt mit 0,17 Mio. t etwa stabil (0,2 Mio. t).
 
Preise im Juni gefallen, neue Ernte behauptet
Die Roggenpreise haben im Juni (für die alte Ernte) um knapp 10 Euro/t nachgegeben. Für den Roggen der neuen Ernte wurde Anfang Juli am Hamburger Großmarkt 168 Euro/t geboten unddamit  fast so viel wie vor vier Wochen. Futterroggen kostete zu diesem Termin 165 Euro/t. Im Vergleich zum Brotweizen (189 Euro) war der Brotroggen in Hamburg damit 21 Euro billiger. Futterroggen kostete zu diesem Zeitpunkt 21 Euro weniger als Futterweizen (186 Euro). Am Großmarkt in Mannheim wurde Brotroggen der neuen Ernte zum Monatswechsel noch nicht notier und kostete eine Woche zuvor (alte Ernte) noch 180 Euro/t bis 184 Euro/t.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
Auch interessant