Login
Analyse

Auch 2015 sehr hohe Preise für Hartweizen

von , am
06.10.2015

Die Preise für Hartweizen (Durum) sind in der Europäischen Union seit Juli wieder kräftig gestiegen.

© Grace Winter/pixelio.de
 
Die Preise für Hartweizen (Durum) sind in der Europäischen Union seit Juli wieder kräftig gestiegen. Gleichzeitig liegen die euroopäischen Hartweizenpreise im gesamten bisherigen Jahresverlauf über den hohen Vorjahrespreisen. Im vorigen Jahr (2014) waren die Kurse in der zweiten Jahreshälfte auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2008 nach oben geschossen. In diesem Jahr gingen die Preise von Januar bis Juni 2015 zunächst einmal zurück, dennoch waren das Niveau die gesamte Zeit höher als im gleichen Zeitraum des Jahres 2014 (Januar bis August).
 
Die Europäische Kommission hatte die europäische Hartweizen-Ernte 2015 Anfang Oktober mit knapp 8,0 Mio. t angegebenen und damit lediglich 0,4 Mio. t größer als die sehr kleine Ernte 2014. Im Jahr 2014 hatten die europäischen Landwirte lediglich 7,6 Mio. t Durum geerntet und damit die kleinste Menge seit dem Jahr 1997 (7,2 Mio. t). Die jetzt für 2015 gemeldete Erntemenge wäre die zweitkleinste Erntemenge seit 1997 und würde die relativ angespannte Versorgungslage wohl nicht nicht wirklich abmildern.
 
Außerdem erklärt die kleine und wohl unter den ursprünglichen Erwartungen liegende Ernte 2015 auch den Anstieg der Preise im Juli und das auch im Vergleich zum Vorjahr sehr hohe Preisniveau. Der von der EU-Kommission für den August ausgewiesene durchschnittliche Hartweizenpreis in der Europäischen Union, lag bei 328 Euro/t und war damit 13 % oder 39 Euro höher als der bereits relativ hohe Preis aus dem Vorjahr (289 Euro).
{BILD:644968:png}
 
Erneut sehr hohe Prämien für Hartweizen
Die Prämie für Hartweizen (328 Euro) gegenüber Brotweizen (167 Euro) lag im August 2015 im Mittel der Europäischen Union bei 160 Euro bzw. 96 Prozent. Im letzten Jahr (2014) betrug der Preisaufschlag für Durum gegenüber Brotweizen zum gleichen Zeitpunkt 123 Euro bzw. 74 Prozent und vor zwei Jahren (2013) waren es 76 Euro bzw. 44 Prozent. Zwischen den wichtigsten EU-Produzenten von Hartweizen gibt es außerdem (anders als 2014) keine großen Preisunterschiede.
 
Zwar sind die Durum-Preise in Frankreich, dem nach Italien zweitgrößten Durum-Produzenten der EU, auch in diesem Jahr am höchsten. Der Preisabstand zu den anderen wichtigen Produzenten wie Italien und Spanien ist jedoch nicht allzu groß und die Preise bewegen sich zwischen 315 Euro und 340 Euro/t. Auch aus Österreich meldet man ähnliche Preise. Lediglich in Griechenland ist das Niveau (wohl auch aus Qualitätsgründen) niedriger als in den andere Ländern. Das war allerdings auch schon im vorigen Jahr der Fall,
 
Hartweizenernte nur wenig größer als 2014
Die europäische Kommission hat die europäische Hartweizen-Ernte 2015 zuletzt mit 8,0 Mio. t angegebenen. Im Vergleich zur sehr schwachen Ernte vom vorigen Jahr (2014) von 7,6 Mio. t (kleinste Ernte seit 1997) wäre dies lediglich ein Anstieg von 0,4 Mio. t bzw. 5,2 Prozent. Vor zwei Jahren (2013) ernteten die Europäer ebenfalls nur 8,0 Mio. t Hartweizen und in den 13 Jahren davor lag die Erntemenge überwiegend zwischen 8,3 Mio. t und 10,0 Mio. t. Die bisherige europäische Rekordernte von Hartweizen aus dem Jahr 2004 erreichte sogar eine Größenordnung von 12,0 Mio. t.
{BILD:644964:png} 
Anbaufläche bleibt relativ klein
Die Anbaufläche von Hartweizen zur Ernte 2015 wurde von der Kommission mit 2,41 Mio. ha angegeben und war damit nur geringfügig größer als im vorigen Jahr. Im vorigen Jahr (2014) hatte die Anbaufläche mit 2,3 Mio. ha sogar ihr bisheriges Rekordtief erreicht. Der starke Anbaurückgang der letzten Jahre ist auch der Hauptgrund für den deutlichen Rückgang der Hartweizenproduktion in Europa.
 
Von 2004 (3,97 Mio. ha) bis 2014 (2,3 Mio. ha) schrumpfte die Anbaufläche von Hartweizen in der Europäischen Union um rund 1,7 Mio. ha bzw. 43 % Prozent. Dagegen haben sich die Erträge zuletzt tendenziell eher verbessert und waren auch 2014 und 2015 (jeweils 3,3 t/ha) relativ stabil. So lagen die Durchschnittserträe vor dem Jahr 2004 meist deutlich unter 3,0 t/ha und rutschten zeitweise bis auf 2,2 t/ha nach unten. Seit  dem Jahr 2004 erreichen die Durumerträge hingegen  überwiegend Werte von mehr als 3,0 t/ha
 
Italien und Frankreich dominieren den Markt
Die mit Abstand wichtigsten Durum-Produzenten der EU sind Italien und Frankreich. Im vorigen Jahr lag der Anteil der beiden wichtigsten Produzenten an der europäischen Gesamternte bei reichlich 50 Prozent bzw. etwa 20 Prozent. Danach folgen mit deutlichem Abstand Griechenland und Spanien mit Produktionsanteilen von 13 Prozent bzw. 10 Prozent.
 
Kleinere Menge Hartweizen werden zudem in Deutschland, Österreich, der Slowakei, Ungarn und Bulgarien produziert. Zusammen kamen die letztgenannten Länder jedoch nicht einmal auf 5 Prozent der europäischen Produktion. Für die Ernte 2015 lagen die letzten Schätzungen für die Durum-Ernte in Italien zwischen 3,9 Mio. t und 4,0 Mio. t und für Frankreich bei 1,8 Mio. t. Die Erntedaten für Griechenland bewegen sich zwischen 0,8 Mio. t und 0,9 Mio. t und für Spanien rechnet man mit 0,8 Mio.t.
{BILD:644965:png} 
Importe gehen zurück, Verbrauch stabil
Nach der aktuellen Einschätzung der EU-Kommission liegt der europäische Verbrauch von Hartweizen im diesem Jahr bei etwa 8,7 Mio. t (Vj. 8,7 Mio. t). Davon werden 8,1 Mio. t (Vj. 8,1 Mio. t) für die menschliche Ernährung (Hartweizengrieß für Pasta) benötigt. Gleichzeitig könnten die Europäer in diesem Jahr rund 1,2 Mio. t (Vj. 1,2 Mio. t) Hartweizen auf den Weltmarkt exportieren.
 
Zur Deckung der innereuropäischen Bilanz sind jedoch Importe von 1,8 Mio. t (Vj. 2,8 Mio. t !!) Durum nötig. Das wäre immerhin ein Rückgang der Einfuhren um 1,0 Mio. t. Die europäischen Importe von Hartweizen gehen nach den Daten der Kommission im Wesentlichen nach Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland.
 
Hartweizenpreise sind höher als 2014
Der durchschnittliche Großhandelspreis für Hartweizen in der Europäischen Union lag im August 2015 bei 328 Euro/t. Im Vergleich zum Juli (324 Euro) waren die Preise damit relativ stabil. Seit dem letzten Tiefpunkt der Preise Juni 2014 (289 Euro/t) sind die Durum-Preise in Europa hingegen um 39 Euro oder 13 Prozent gestiegen.
 
Gleichzeitig kostete Hartweizen im August 2015 mit 328 Euro/t rund 39 Euro oder 13 Prozent mehr als im August 2014 (289 Euro). Außerdem bewegten sich die Hartweizenpreise im bisherigen Jahresverlauf 2015 (bis August) durchweg über den sehr hohen Preisen aus dem Jahr 2014.
{BILD:644969:png}
 
Geringe Preisunterschiede zwischen den Ländern
Zwischen den wichtigsten EU-Produzenten gibt es in diesem Jahr (20145) bisher nicht so große Preisunterschiede wie im vorigen Jahr. So lagen die durchschnittlich im August 2015 im Großhandel gezahlten Durum-Preise in Frankreich bei 338 Euro und damit 10 Euro höhere Preise als im Mittel der EU (328 Euro) und 18 Euro höhere Preise als im letzten Jahr (230 Euro).
 
Aus Italien meldet man im August Hartweizenpreise von 312 Euro/t und damit 9 Euro höhere Preise als im letzten Jahr (303 Euro). Die Preise für Hartweizen in Griechenland lagen im August „nur“ bei 255 Euro und damit 17 Euro höher als 2014 (238 Euro) und aus Spanien meldete man Durumpreise von 319 Euro/t und damit im Vergleich zum August 2014 (302 Euro) 17 Euro höhere Preise.
 
Dr. Olaf Zinke
Auch interessant