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Analyse

Analysten erwarten große europäische Weizenernte

von , am
21.04.2015

Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hat die für 2015 in der Europäischen Union erwartete Weichweizenernte um 1,0 Mio. t auf 141,4 Mio. t nach oben korrigiert.

© Mühlhausen/landpixel

 
Das europäische Analystenhaus Strategie Grains hat die für 2015 in der Europäischen Union erwartete Weichweizenernte um 1,0 Mio. t auf 141,4 Mio. t nach oben korrigiert. Das wäre nach dem Produktionsrekord aus dem Vorjahr von 148,9 Mio. t die bislang zweitgrößte in der EU eingebrachte Weichweizenernte. Zumindest würde das bislang zweitbeste Ergebnis aus dem Jahr 2008 von ebenfalls 141,4 Mio. t erneut erreicht. Die EU-Kommission erwartete in ihrer letzten Ernteschätzung von Ende März mit 141,1 Mio. t eine ähnlich große Weizenernte wie die privaten Analysten. Die Aussaatfläche für Weizen hatten die Analysten von Strategie Grains im April leicht nach oben korrigiert. Diese ist mit 24,0 Mio. ha jetzt rund 0,1 Mio. ha größer als man zur Märzprognose unterstellt hat, jedoch etwa 0,3 Mio. ha kleiner als im letzten Jahr mit 24,3 Mio. ha
 
Anhaltend hohe Weizenexporte erwartet
Deutlich nach oben gesetzt hat Strategie Grains zudem die Erwartungen an die Exporte im neuen Wirtschaftsjahr 2015/16 von 29,0 Mio. t auf 31,2 Mio. t und liegt damit nur noch knapp unter den Rekordausfuhren aus dem aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 von 32,0 Mio. t. Entsprechend setzte man die erwarteten Endbestände von 20,0 Mio. t auf 15,9 Mio. t nach unten. Die EU-Kommission hatte Ende März in ihrer Schätzung eine deutlich kleinere Exportmenge von 27,0 Mio. t erwartet. Als ein Grund für die hohen Exporte der Europäer sehen die Analysten Strategie Grains die für 2015 sowohl für Russland als auch für die Ukraine kleiner als 2014 erwartete Weizenernte an. Zusätzlich dürfte der schwache Euro die Wettbewerbsfähigkeit an den Exportmärkten verbessern und die Exporte ankurbeln.
 
Französische Ernte auf Rekordkurs
Deutlich nach oben auf einen neuen Rekordwert schätzte Strategie schätzte Strategie Grains im April die Frankreich die Weizenernte Frankreich, den größten Weizenproduzenten der EU. Die Anbaufläche bei Weichweizen wurde im April mit rund 5,1 Mio. ha. Das entspricht genau der Anbaufläche der Märzschätzung und wären rund 0,1 Mio. ha mehr als die für die Ernte 2014 mit Weizen bestellten Fläche (5,0 Mio. ha). Die französische Weizenproduktion 2015 erwartet Strategie Grains vor dem Hintergrund der bisherigen Witterungsbedingungen bei 37,8 Mio. t und damit 0,4 Mio. t größer als zur Märzprognose und 0,3 Mio. t größer als die bisherige Rekordernte 2014 (37,5 Mio. t). Die EU-Kommission hat in ihrer letzten Prognose sogar eine französische Weichweizenernte von 38,3 Mio. t erwartet.
 
Deutsche Weizenernte über 26 Mio. t erwartet
Für Deutschland unterstellte Strategie Grains im April (wie schon im März) eine Weizenfläche von 3,3 Mio. ha. Im Vergleich zur letzten Ernte 2014 (3,2 Mio. ha) wäre die Anbaufläche für die Ernte 2014 damit rund 0,1 Mio. ha größer. Die Produktionsschätzung für die neue deutsche Weizenernte 2015 haben die Experten von Strategie Grains im April um 0,2 Mio. t auf 26,1 Mio. t nach oben gesetzt. Im Vergleich zur bisherigen Rekordernte aus dem 2014 von 27,7 Mio. t, wäre die derzeit für 2015 erwartete deutsche Weizenernte zwar 1,6 Mio. t oder knapp 6 % kleiner, jedoch immer noch die bislang zweitgrößte deutsche Weizenernte. Die EU-Kommission hat Anfang März in ihrer Prognose eine deutsche Weichweizenernte von  sogar 26,4 Mio. t erwartet.
 
Vereinigtes Königreich mit kleinerer Ernte
Eine kleinere Weizenernte als im Jahr 2014 erwarten die Analysten im April für das Vereinigte Königreich. Auf der Insel ist die Anbaufläche mit 1,9 Mio. ha allerdings ähnlich groß wie im Vorjahr (1,9). Zudem erfolgte im April eine leichte Korrektur der Produktion um 0,1 Mio. t nach oben. Damit würde die Weizenproduktion im Vereinigten Königreich nach der aktuellen Prognose 15,1 Mio. t erreichen. Das ist im Vergleich zur Riesenernte 2014 von 16,6 Mio. t ein Rückgang von 1,5 Mio. t oder 9 %. Die EU-Kommission hat Ende März in ihrer Prognose eine noch etwas kleinere Weichweizenernte im Vereinigten Königreich von nur 14,9 Mio. t geschätzt.
 
Polen mit größerer Weizenfläche
Die Nummer vier unter den europäischen Weizenproduzenten ist Polen. Bei unseren östlichen Nachbarn geht Strategie Grains von einer Anbaufläche von 2,4 Mio. ha für die Ernte 2015 aus. Im Vergleich zur Ernte 2014 (2,3 Mio. ha) wäre dies ein Zuwachs von 0,1 Mio. ha. Die Erntemenge könnte nach Einschätzung von Strategie Grains 2015 rund 10,7 Mio. t erreichen und damit 0,9 Mio. t oder 8 % kleiner sein als die bisherige Rekordernte aus 2014 (11,6 Mio. t). Die EU-Kommission hat Ende März in ihrer Prognose eine noch kleinere Weichweizenernte im Polen von nur 9,8 Mio. t geschätzt.
 
Deutlich kleinere Ernte in Rumänien
Für Rumänien (als den nach Frankreich und Deutschland wichtigsten Weizenexporteur der EU), wird die Anbaufläche für die Ernte 2015 auf 2,0 Mio. ha geschätzt. Das wären 0,1 Mio. ha weniger als die Anbaufläche von 2014. Die Produktion könnte 2015 etwa 6,8 Mio. t (März: 6,8 Mio. t) erreichen und damit 0,6 Mio. t bzw. 12 % unter der bislang zweitgrößten Ernte von 7,7 Mio. t aus dem Jahr 2014 liegen. Die EU-Kommission hat Ende März in ihrer Prognose für Rumänien ebenfalls eine Weichweizenernte von 6,8 Mio. t geschätzt.
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter Markt
 
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