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Analyse

Anstieg der Weizenpreise nur ein Strohfeuer?

von , am
27.10.2014

In der vorigen Woche haben die Weizenpreise in Europa und Übersee einen überraschend kräftigen Sprung nach oben gemacht.

© krick/agrar-press
In der vorigen Woche haben die Weizenpreise in Europa und Übersee einen überraschend kräftigen Sprung nach oben gemacht. Am europäischen Terminmarkt sind die Kurse in nur 4 Tagen um gut 10 Euro gestiegen und hatten erstmals seit Anfang September 2014 wieder die Marke von 170 Euro nach oben überwunden. Am Ende der Woche gerieten die Weizenpreise jedoch wieder unter Druck und mussten fast die Hälfte der Gewinne wieder abgeben. Ein Grund für den kräftigen Preisanstieg in Europa waren die starken europäischen Weizenexporte die bereits deutlich über den rekordhohen Ausfuhrmengen aus dem Vorjahr liegen. Diese starke Ausfuhrdynamik sorgte auch für einen kräftigen Sog am europäischen Binnenmarkt nach Brotweizen und vor allem nach Qualitätsweizen sowie steigende Kassapreise an den Exporthäfen. Gleichzeitig sorgten Meldungen über ungewöhnlich schlechte Aufwuchsbedingungen für den Winterweizen der neuen Ernte 2015 in Russland (deutlich zu trocken) weltweit für einen Anstieg der Weizenpreise.
 
Schwache US-Exporte, Futterweizen aus Europa
Am Ende der letzten Woche zeigten dann jedoch die Exportdaten in den USA (anders als bei Mais und Soja) ungewöhnlich schwache Verkäufe von US-Weizen und lösten damit Druck auf die Weizenpreise in den USA und damit auch am Weltmarkt aus. Vor allem beim knappen (und teueren) proteinreichem Qualitätsweizen und Durum sackten die Exportzahlen sehr deutlich ab. Verstärkt wurde der Preisdruck in den USA dann durch Berichte, dass sehr preiswerter Futterweizen aus Europa (Frankreich) in die USA verkauft worden ist. Und dass vor dem Hintergrund einer riesigen US-Maisernte sowie  einem großen Angebot an Futtergetreide am US-Markt. Hinzu kam dann, dass der ungewöhnlich kräftige Preisanstieg der letzten Woche bei allen wichtigen Kulturen (Weizen, Mais, Soja) technische Gegenreaktionen und Gewinnmitnahmen der institutionellen Anleger ausgelöst hat. Technische Analysten halten zudem einen weiteren Rückgang der Preise für möglich.
 
Weizenpreise trotz Korrektur deutlich im Plus
Die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt sind im Verlauf der letzten Woche kräftig gestiegen und kletterten am Donnerstag sogar über die Marke von 170 Euro/t. Dieses Niveau konnten die Preise am Freitag dann jedoch nicht mehr halten und gaben um 4,5 Euro bzw. 2,6 % nach. Im Wochenvergleich sind die Preise dennoch gestiegen. Am  Freitag (24.10) kostete der Weizen (Novemberkontrakt) am europäischen Terminmarkt noch 165,75 Euro/t und damit immer noch knapp 6 Euro mehr als am Freitag (17.10) vor einer Woche (160,0 Euro). Im Vergleich zu den Preisen vor einem Jahr (28. Oktober. 2013) kostete der Weizen am europäischen Terminmarkt allerdings 27 Euro bzw. 14 Prozent weniger (193 Euro). Auch die hinteren Termine haben sich im Vergleich zur letzten Woche verteuert. Der Januarkontrakt notierte am letzten Freitag bei 166,25 Euro und damit 2,0 Euro höher als in der Vorwoche (Vw.: 164,5) und der März ging mit 169,25 Euro aus dem Handel und damit 1,0 Euro teurer (Vw.: 168,5). Am Montag Vormittag (27.10) startet der Handel am europäischen Terminmarkt mit einem  Minus von 1,5 Euro bei 162,25 Euro/t (November).
 
Weizenpreise am Kassamarkt kräftig gestiegen
Am deutschen Kassamarkt haben die Weizenpreise in der letzten Woche kräftig zugelegt, dürften aber zum Beginn der neuen Wochen den nach unten gerutschten Terminmarktpreisen erst einmal folgen. Am deutschen Exporthafen in Hamburg handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für Oktobertermin am letzten Freitag (24.10) mit 180 Euro/t und damit 8 Euro teurer als am Freitag zuvor (172 Euro). Die Preisangebote für Brotweizen zur Anlieferung im Dezember lagen in Hamburg am Freitag bei 185 Euro/t (Vw: 175 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg für den Oktober 188 Euro/t (Vw: 180) geboten und für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise bei 210 Euro (Vw: 202 Euro). Gleichzeitig wurde Futterweizen unverändert mit 163 Euro gehandelt (Vw. 163 Euro). Im Großhandel in Frankreich kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am Freitag 168 Euro/t und damit 5 Euro mehr als in der Vorwoche (163 Euro/t).
 
US-Weizen im Wochenvergleich unverändert
In den USA hatten die Weizenpreise in der letzten Woche ebenfalls zugelegt, waren am Freitag (24.10.) dann jedoch auf den Vorwochenstand zurückgefallen. Der Dezembertermin des Chicago-Weizens (SRW) beendete den Handel am Freitag (24.10) bei 149,81 Euro/t (517,6 Ct/bu) und damit in US-Währung ähnlich teurer wie in der Vorwoche (516 Ct) aber weiter deutlich über der Marke von 500 Ct/bu. Der Märzkontrakt kostete am Terminmarkt in Chicago (SRW) am Freitag umgerechnet 153,6 Euro/t (531 Ct/bu ) und damit 1,6 Euro mehr als eine Woche zuvor (152 Euro). Gleichzeitig kostete der in Chicago gehandelte Weizen (SRW) rund 27 % bzw. umgerechnet etwa 54 Euro weniger am. 28 Oktober 2013 (205 Euro/t). Der US-Brotweizen der Sorte Hard Red Winter (Dezemberkontrakt) ging am Freitag (24.10) am Terminmarkt mit 171,8 Euro/t (593,6 Ct/bu) aus dem Handel (Vw. 173,3 Euro). Demgegenüber kostete der Sommerweizen (HRS) am US-Terminmarkt 164,0 Euro/t (567 Ct/bu) und damit eben so viel wie letzte Woche (164,3). Am heutigen Montag (20.10) liegen die Weizenpreise im elektronischen vorbörslichen Handel in Chicago im Minus.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter marktkompass
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