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Analyse

Ausfuhrrekord beim Weizen, Exportpreise steigen

von , am
17.10.2014

Bis Mitte Oktober haben die Europäer mehr Weizen ins Ausland verkauft als im letzten Jahr. Diese Woche sind die Weizenpreise an den deutschen Exporthäfen (im Unterschied zum Terminmarkt) kräftig gestiegen.

Der Internationale Getreiderat setzte sowohl die globale Weizenernte als auch die weltweiten Weizenbeständen auf neue Rekordwerte nach oben. © Mühlhausen/landpixel
Bis Mitte Oktober haben die Europäer mehr Weizen ins Ausland verkauft als im letzten Jahr. Dabei befanden sich die europäischen Weizenexporte (Lizenzen) bereits im vorigen Wirtschaftsjahr auf Rekordniveau. Die Ursachen für die überraschend hohen und in diesem Umfang nicht erwarteten Weizenausfuhren sind neben der sehr großen europäischen Weizenernte (Rekordernte) sowie den deutlich gefallenen Weizenpreisen, auch die kräftige Abwertung des Euros und die davon ausgehenden Preisvorteile an den Exportmärkten. Diese Woche sind die Weizenpreise an den deutschen Exporthäfen (im Unterschied zum Terminmarkt) kräftig gestiegen. Dabei ist vor allem die Nachfrage nach Qualitätsweizen aus Europa (Deutschland) hoch und es werden hohe Prämien gezahlt.
 
Exporte jetzt 5 Prozent höher als 2013
In den ersten sechzehn Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres 2014/15 wurden nach den Daten der EU-Kommission bereits 8,4 Mio. t Weichweizen (Lizenzen) ins Ausland verkauft. Das ist eine 5 Prozent größere Exportmenge als im Rekordjahr 2013/14. Damals wurden bis zu diesem Termin 8,0 Mio. t Weizen exportiert und im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 2012/13 (4,68 Mio. t) sind die Exporte derzeit 80 Prozent höher. Bis Oktober verzeichneten jedoch auch die beiden Schwarzmeerländer rekordhohe Weizenausfuhren. Dabei waren die Exportpreise fob-Verladehafen (in USD) in Russland und Ukraine zuletzt sogar höher als in Europa. Allerdings sind die Frachtkosten vom Schwarzen Meer nach Nordafrika und Ägypten niedriger. Sowohl in Europa als auch in den USA und in Russland werden weiter sehr hohe Prämien für Qualitätsweizen und für Hartweizen gezahlt..
 
Größte wöchentliche Exportmenge
In der aktuellen Abrechnungswoche bis 14. Oktober erreichte die in Drittländer verkaufte Weizenmenge (Lizenzen) einen Umfang von 945.000 t, nach 630.000 t in der Vorwoche und 417.000 t in der Woche davor. Das ist die höchste wöchentliche Verkaufsmenge in diesem Jahr.  Größter Einzelexporteur in der Woche bis zum 14. Oktober war Frankreich, mit einer Ausfuhrmenge von 348.000 t (Vw: 91.000 t). Die zweitgrößte Ausfuhrmenge kam mit 211.000 t aus Deutschland (Vw: 128.000 t). Auf Position drei der größten Exporteure lag in der letzten Woche Litauen mit 169.000 t (Vw.: 186.000 t) Weizen. Aus Rumänien wurden 146.000 t (Vw. 0) Weizen verkauft, aus Lettland 30.000 t (Vw: 64.000 t), aus Schweden 25.000 t (Vw: 7.000 t). Über die niederländischen Exporthäfen wurden 11.000 t (Vw: 32.000) Weizen vermarket.
 
Deutschland hat schon 2,0 Mio. t Weizen exportiert
Größter Einzelexporteur in den ersten sechzehn Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres ist Frankreich, mit einer Ausfuhrmenge von insgesamt 2,34 Mio. t. Die zweitgrößte Liefermenge kommt bislang mit 2,09 Mio. t Weizen aus Deutschland. Auf Position drei der größten Exporteure liegt in den ersten sechzehn Wochen des aktuellen Wirtschaftsjahres Rumänien mit 1,24 Mio. t Weizen. Litauen exportierte bislang 0,93 Mio. t, über die niederländischen Exporthäfen wurden 0,56 t Weizen vermarket und aus Polen gingen bisher 0,32 Mio. t sowie aus Bulgarien 0,3 Mio. t Weizen auf den internationalen Markt. Kleinere Mengen Weizen wurden außerdem aus Schweden, Lettland, Ungarn, Österreich und Dänemark exportiert.
 
Hohe Prämien für deutschen Qualitätsweizen
Am europäischen Terminmarkt bewegten sich die Weizenpreise Mitte Oktober seitwärts. Am Donnerstag (16.10) kostete der Weizen (Novemberkontrakt) am Terminmarkt in Paris knapp 160 Euro/t und damit ähnlich viel wie vor einer Woche (159 Euro). Gleichzeitig sind die Preise jetzt 34 Euro niedriger als im Oktober 2013 (194 Euro). Am Exporthafen in Hamburg sind die Preise hingegen kräftig gestiegen. Dort handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein für den Oktobertermin am Donnerstag (16.10) mit 172 Euro/t und damit rund 10 Euro teurer als vor einer Woche (162 Euro). Die Preisvorstellungen für Brotweizen (12 % Protein) zur die Anlieferung im November lagen sogar bei 175 Euro/t (Vw. 163 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein (September) wurden in Hamburg 180 Euro (Vw: 167 Euro/t) geboten und Futterweizen wurde mit 163 Euro/t (Vw.155 Euro) notiert. Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Preisangebote bei 202 Euro/t (197 Euro).
 
Dr. Olaf Zinke / Redaktionsleiter marktkompass
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