Login
Analyse

Bodenbildung bei den Weizenpreisen

von , am
05.10.2015

Zum Monatswechsel befinden sich die europäischen Weizenpreise in einer Seitwärtsbewegung.

© landpixel
 
Zum Monatswechsel befinden sich die europäischen Weizenpreise in einer Seitwärtsbewegung, während die Weizenpreise in den USA zuletzt gestiegen sind. Grund für die gegenläufige Preisentwicklung sind die unterschiedlichen Erntedaten. Während die EU-Kommission die europäische Weizenernte zum Monatswechsel noch einmal kräftig nach oben korrigiert hat, setzte dass USDA die US-Weizenernte deutlich nach unten.
 
Allerdings sind die US-Preise mittweile im Vergleich zu den Wettbewerbern aus Europa und Kanada sehr hoch und die Ausfuhr bleibt deutlich hinter den bisherigen Erwartungen zurück. In der vorigen Woche meldete das USDA die bislang schwächste Ausfuhrmenge des Wirtschaftsjahres (77.000 t). In Kanada hat man die Weizenernte in der vorigen Woche hingegen dein weiteres Mal um 0,5 Mio. t nach oben korrigiert und liegt jetzt bei 26,1 Mio. t.
 
Exporte aus Russland laufenimmer besser
Gestützt wurden die Preise zuletzt durch anhaltende Meldungen aus Russland, dass die Entwicklung des Winterweizens durch dass sehr trockene Wetter erheblich beeinträchtigt wird. Bis zum 1 Oktober waren in Russland 11,9 Mio. ha der bzw. 69,5 % der geplanten Flächen mit Winterkulturen bestellt. Im vorigen Jahr lag die Aussaatfläche zu diesem Termin bei 11,4 Mio. ha.
 
Gleichzeitig hat Russland jedoch seine Exportzölle für die Weizenausfuhr gesenkt und erhöht damit den Druck auf die aktuellen Weltmarkpreise. Im September hatten die russischen Weizenexporte zum kräftig Fahrt aufgenommen und erreichten den höchsten Wert in diesem Wirtschaftsjahr und der Abstand sehr hohen Vorjahresmengen hat sich deutlich verkleinert. Bis zum 30. September hatten die Russen 7,6 Mio. t Weizen exportiert. Die ukrainischen Ausfuhren lagen zum gleichen Termin bei 5,5 Mio. t.
 
Russland bestimmt die Weltmarkpreise
Die Kassapreise veränderten sich in der vorigen Woche in Deutschland und Europa vor dem Hintergrund der großen Ernte in Deutschland und der rekordhohen Ernte in Frankreich nur wenig. Dabei kommen auch vom Export derzeit keine Impulse die die Preise nach oben ziehen könnten. Zwar waren die exportierten Mengen größer als in USA, jedoch deutlich schwächer als in Russland und der Ukraine, denn dort können die großen Importeure (Ägypten) den Weizen derzeit am günstigsten einkaufen.
 
Gleichzeitig sind die Weizenpreise (für vergleichbare Qualitäten) wegen der sehr großen Ernte in Frankreich niedriger als in Deutschland, was die Exportentwicklung beider Länder im Vergleich zu den Mengen aus aus dem Vorjahr zeigt.
{BILD:644773:png} 
Europäische Weizen-Exporte 20 % unter Vorjahr
Die laufenden europäischen Weizenexporte (Lizenzen) in Drittländer lagen nach Meldungen der Kommission in der Woche 29 September bei 457.000 t und waren damit schwächer als in der Vorwoche (502.000 t). Insgesamt haben die Europäer in diesem Wirtschaftsjahr bisher 5,18 Mio. t Weich-Weizen in Drittländer verkauft und damit 1,2 Mio. t bzw. 20 % weniger als im vorigen Jahr zu diesem Termin (6,4 Mio. t).
 
Frankreich kommt bislang auf Weichweizen-Verkäufe in Drittländer von 1,9 Mio. t, Deutschland auf 1,03 Mio. t und Rumänien auf 0,52 Mio. t, Litauen auf 0,53 Mio. t, Lettland auf 0,28 Mio. t und Polen auf 0,16 Mio. t.
 
Große Europäische Weizenernte, Riesenbestände
Ende September hat die EU-Kommission ihre Prognose zur europäischen Weizenernte 2015 sehr deutlich angehoben. Dabei wurden die Weizenernten für Frankreich, Deutschland und für Ungarn kräftig nach oben gesetzt. Demgegenüber blieb die Prognose für das Vereinigte Königreich und für Polen unverändert, obwohl Analysten auch diesen Ländern größere Ernten meldeten.
 
Damit auch im nächsten Monat noch Aufwärtskorrekturen der europäischen Weizenernte möglich. Den für das laufende Wirtschaftsjahr 2015/16 erwarteten Weizenexport hat die Kommission gegenüber der vorigen Prognose unverändert gelassen. Dafür ging es mit den erwarteten Endbeständen sehr kräftig nach oben, so dass diese sogar deutlich größer sind als im zurückliegenden Wirtschaftsjahr.
{BILD:644774:png} 
EU: Bodenbildung bei den Weizenpreisen
Der vordere Dezemberkontrakt für den MATIF-Weizen ging am Freitag mit 175,75 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zum Vortag (176,25 Euro) haben die Dezemberpreise damit um 0,3 % bzw. 0,50 Euro nachgegeben. Der Märzkontrakt für den MATIF-Weizen wurde am Freitag mit 184,25 Euro/t gehandelt. Gegenüber dem Vortag (184,25 Euro) haben die Märzpreise damit um 0,25 Euro nachgegeben.
 
Das Preisniveau der Vorwoche (176,50 Euro) wurde vom Dezemberweizen um 0,75 Euro verfehlt. Das sehr niedrige Kursniveau vom vorigen Jahr (155,50 Euro) übertrafen die Weizenpreise für den Dezembertermin um 20,25 Euro bzw. 13,0%.
 
Europäische Kassapreise kaum verändert
Am deutschen Kassamarkt haben sich die Weizenpreise in der vorigen Woche kaum verändert. Am vorigen Freitag (02.10) notierte man den Brotweizen mit 12 % Protein am deutschen Exporthafen in Hamburg mit 176 Euro/t. Das waren 1,0 Euro höhere Preise als in der Vorwoche (175 Euro). Vor einem Jahr lagen die Preise für den Brotweizen in Hamburg zu diesem Termin nur bei 165 Euro und waren damit 11 Euro niedriger.
 
Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden am Exporthafen Hamburg am Freitag (02.10) 182 Euro/t geboten und damit 1 Euro mehr in der vorigen Woche (181 Euro). Vor einem Jahr handelte man A-Weizen in Hamburg zu diesem Termin etwa mit 171 Euro und damit zu 11 Euro niedrigeren Preisen als in diesem Jahr.
 
Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise in Hamburg am Freitag (02.10) bei 191 Euro und damit ebenfalls rund 1 Euro höher als in der Vorwoche (190 Euro). Vor einem Jahr lagen die Preise für E-Weizen in Hamburg bei etwa 201 Euro und waren damit (im Unterschied zu den Preisen für Brot- und A-Weizen) 10 Euro höher als die aktuellen Preise.
 
Beim größten europäischen Weizen-Exporteur Frankreich, wurde der Brotweizen der neuen Ernte (mit 11 % Protein), am wichtigsten Handelsplatz in Rouen, am heutigen Montag (02.10) mit 162 Euro je t gehandelt und damit 2 Euro höher als in der vorigen Woche (160 Euro). Vor einem Jahr lagen die Weizenpreise in Rouen ebenfalls bei 160 Euro waren damit nur 2 Euro niedriger als jetzt.
 
Dr. Olaf Zinke
Auch interessant