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Analyse

Bodenbildung bei Weizenpreisen, Export hilft

von , am
20.04.2015

Der Export der Europäer läuft jedoch weiterhin sehr gut und stützt die Weizenpreise.

Weizen Börse
Der Absturz der Weizenpreise geht  zum Beginn  dieser Woche weiter. © landpixel
 
Im Verlauf der vorigen Woche sind die Weizenpreise vor allem in den USA, aber auch in Europa, sehr kräftig eingebrochen. In den USA lagen die Preisabschläge am Terminmarkt zwischen 6 % (Chicago-Weizen) und 9 % (Kansas-Weizen). Ursache waren die Regenfälle in den südlichen Anbaugebieten für Winterweizen sowie die erneut sehr schwachen US-Weizenexporte. Auch am europäischen Terminmarkt verloren die Weizenpreise letzte Woche im Sog der fallenden US-Kurse sowie wegen des etwas festeren Euros und guten Ernteprognosen ebenfalls rund 4 %. Der Export der Europäer läuft jedoch weiterhin sehr gut und begrenzt den Rückgang der hiesigen Weizenpreise. Zum Ende der letzten Wochen hat der weltweit größte Weizenimporteur Ägypten erneut 240.000 t Weizen in Europa (vor allem Frankreich sowie in Rumänien) sowie 60.000 t in Russland zur Lieferung im Juni gekauft.
 
Rekordernte in Frankreich, Deutschland über 26 Mio. t
Die neue europäische Weizenernte wurde von den Analysten von Strategie Grains Ende der letzten Woche um 1,0 Mio. t auf 141,4 Mio. t (ohne Durum) nach oben geschätzt. Deutlich nach oben, auf einen neuen Rekordwert, ging es dabei für Frankreich und auch die deutsche Produktion wird nach Einschätzung der Analysten die Marke von 26,0 Mio. t übertreffen. Auch die erwarteten europäischen Exporte hat Strategie Grains für das neue Wirtschaftsjahr von 29,0 Mio. t auf 31,2 Mio. t nach oben korrigiert und liegt damit nur noch knapp unter den Rekordausfuhren au dem aktuellen Wirtschaftsjahr von 32,0 Mio. t. Entsprechend setzte man die erwarteten Endbestände von 20,0 Mio. t auf 15,9 Mio. t nach unten. Russlands neue Weizenernte wurde von russischen Analysten (ProZerno) letzte Woche auf sehr gute 58,1 Mio. t geschätzt nach 59,7 Mio. t im letzten Jahr.
 
Weizenpreise mit hohen Wochenverlusten
Am Montag Vormittag folgen die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt den freundlichen Vorgaben aus Chicago und legen um etwa 1,0 Euro auf 183,75 Euro/t zu. Die neue Ernte (September) kostete am Montag Vormittag 184,50 Euro und damit 0,50 Euro mehr als am Vortag (184,0 Euro). Am Freitag hatten die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt nach eiern sehr schwachen Woche nochmals leicht nachgegebenen. Der Maikontrakt für den MATIF-Weizen ging am Freitag mit 182,75 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zur Vorwoche (190,25 Euro) sind die Preise an der MATIF damit um rund 4,0 % bzw. 7,50 Euro zurückgegangen . Die neue Ernte (September) kostete am Freitag 184,0 Euro und damit  7,75 Euro weniger als vor einer Woche (191,75 Euro). Gleichzeitig waren die Preise für die neue Weizenernte (September) 1,25 Euro höher als die Preise für den aktuellen Mai-Kontrakt. Im Vergleich zum Vorjahr (203 Euro) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt derzeit 20,25 Euro niedriger.
 
Weizenpreise auch am Kassamarkt gefallen
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise in der vorigen Woche ebenfalls zurückgegangen, wenn auch nicht so kräftig wie am Terminmarkt. Zum Wochenbeginn dürften sich die Preise zunächst behaupten oder sogar leicht zulegen. Grund ist die weiterhin sehr gute Exportnachfrage, die sich nach Einschätzung der meisten Analysten wohl auch im neuen Wirtschaftsjahr fortsetzt. Am vorigen Freitag (17.04) handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg durchschnittlich mit 185 Euro/t und damit 4 Euro niedriger als am Freitag zuvor (189 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg am Freitag 195 Euro/t geboten und damit ebenfalls 4 Euro weniger als eine Woche (199 Euro) zuvor. Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise im Schnitt bei 230 Euro und damit ebenfalls 4 Euro niedriger als eine Woche (234 Euro) zuvor. Gleichzeitig wurde Futterweizen in Hamburg mit durchschnittlich 181 Euro gehandelt und damit zum gleichen Preis wie eine Woche zuvor (181 Euro). Beim größten europäischen Exporteur Frankreich, wurde der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am heutigen Montag 171 Euro/t gehandelt und damit 6 Euro niedriger als vor einer Woche mit 177 Euro .
 
USA: Weizenpreise (HRW) verlieren in einer Woche 9 Prozent
Am Montag Vormittag (MEZ) liegen die Weizenpreise in Chicago im elektronischen Handel 0,3 % im Plus bei 495,6 Ct je Buschel (168,2 Euro). Für den in Kansas gehandelte proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter legten die Preise am Montag Vormittag um 0,7 % auf 512,6 Ct je Buschel (173,6 Euro) zu. Am vorigen Freitag (17.04) hatten sich die Weizenpreise (Maikontrakt) am Terminmarkt in Chicago nach einer insgesamt sehr Woche behauptet. Der Maikontrakt für den Chicago-Weizen (SRW) ging unverändert 494,4 Ct je Buschel (168,2 Euro/t) aus dem Handel. Im Wochenvergleich haben sich die Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago damit um gut 6 % nachgegeben. Für den in Kansas gehandelten proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter, legten die Preise am vorigen Freitag um 0,2 % auf 509,2 US/t (194,5 Euro) zu. Im Wochenvergleich sind die Preise für den Hard Red Winter jedoch um knapp 9 % abgestürzt.
 
US-Exportpreise für Weizen brechen ein
An den US-Exporthäfen wurde der Chicago-Weizen am vergangenen Freitag für 220 USD/t (Vw: 233 USD/t) verladen und damit 13 USD niedriger als eine Woche zuvor. Für den proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter lagen die Preisforderungen an den US-Exporthäfen am Freitag bei 237 USD/t (Vw: 254 USD) und damit sogar 17 USD niedriger als eine Woche zuvor. Die Preisvorstellungen (fob) für die neue US-Ernte (August) lagen beim Chicago Weizen (SRW) bei 213,6 USD/t (Vw: 226 USD) und beim Hard Red Winter bei 244 USD/t (Vw: 261) und damit ebenfalls 12 USD bis 17 USD niedriger als eine Woche zuvor. Gleichzeitig liegen die Preisvorstellungen für den neuerntigen Weizen der Sorte SRW 6 USD/t niedriger als die aktuellen Preise, während die neuen Ernte beim proteinreichen HRW 7 Euro mehr kostet wie die aktuelle Verladung im April.
 
Deutschlands Weizenexporte über 7,0 Mio. t
Die wöchentlichen Exportverkäufe (Lizenzen) von Weizen aus der Europäischen Union in Drittländer haben in der letzten Abrechnungswoche wieder kräftig zugelegt. Die EU-Kommission meldet für die Woche bis 14. April Exportverkäufe von 741. 000 t und damit einen deutlichen Anstieg gegenüber der Vorwoche (Ostern, 189.000 t). Insgesamt haben die Europäer im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 schon 26,4 Mio. t Weichweizen in Drittländer verkauft und damit 2,1 Mio. t mehr als im bisherigen Rekordjahr 2013/14 mit 24,3 Mio. t. Die Gesamtausfuhrmenge Deutschlands liegt derzeit bei 7,1 Mio. t, Frankreich verkaufte bislang 8,12 Mio. t, Rumänien 2,17 Mio. t, Polen rund 1,7 Mio. t und Litauen 1,6 Mio. t Weizen in Drittländer.
 
US-Weizen-Exporte fast am Ende
Die Exportverkäufe der USA für das aktuelle Wirtschaftsjahr haben in der letzten Woche der Erwartungen der Analysten (100.000 bis 300.000 t) deutlich verfehlt. Das USDA meldet für die letzte Abrechnungswoche Exportverkäufe (netto, abzüglich Stornierungen) für 2014/15 von 47.900 t Weizen und für das nächste Wirtschaftsjahr (neue Ernte) von 112.500 t. Das waren für das aktuelle Wirtschaftsjahr 2014/15 rund 85 % weniger als in der Vorwoche. Insgesamt haben die USA damit bis zum aktuellen Termin rund 23,3 Mio. t Weizen ins Ausland verkauft. Für das gesamte Wirtschaftsjahr 2014/15 erwartet das USDA derzeit US-Weizenexporte von 23,95 Mio. t und damit nur noch Ausfuhren von 0,65 Mio. t. Im vorigen Wirtschaftsjahr 2013/14 lag die US-Ausfuhrmenge zum aktuellen Termin bei 30,7 Mio. t und war damit 30 % oder 7,4 Mio. t größer.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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