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Analyse

China kauft Qualitäts-Weizen am Weltmarkt

von , am
25.03.2015

China kaufte Mitte März größere Mengen Weizen am Weltmarkt. Händler berichten über den Einkauf von insgesamt 450.000 t proteinreichem Weizen in der dritten Märzwoche.

Der Internationale Getreiderat setzte sowohl die globale Weizenernte als auch die weltweiten Weizenbeständen auf neue Rekordwerte nach oben. © Mühlhausen/landpixel
 
China kaufte Mitte März größere Mengen Weizen am Weltmarkt. Händler berichten über den Einkauf von insgesamt 450.000 t proteinreichem Weizen in der dritten Märzwoche zur Lieferung im Mai. Das war mehr als doppelt so viel wie in den beiden Monaten (Januar und Februar) zuvor zusammen importiert wurde. Eingekauft wurde der Weizen in Kanada (300.000 t) sowie in Australien (150.000 t). Analysten halten weitere Einkäufe für wahrscheinlich, denn möglicherweise fehlt am chinesischen Binnenmarkt derzeit Qualitätsweizen. In der letzten Woche hatte es nach Informationen von Analysten am chinesischen Binnenmarkt mehrere Weizenauktionen mit Angeboten aus staatlichen Beständen gegeben. Dabei wurde sowohl heimischer Weizen als auch importierter proteinreicher Weizen aus den USA und Australien aus den staatlichen Reserven an  verkauft. Allerdings bewegen sich die Weizenimporte (anders als Gerste und Sorghum) derzeit durchaus im Rahmen der Erwartungen und sind zudem deutlich niedriger als im Wirtschaftsjahr 2013/14.
 
Weizenimporte erheblich kleiner als 2014, Gerstenimporte größer
Die offizielle chinesische Import-Statistik zeigt für den Zeitraum Januar bis Februar 2015, lediglich Weizenimporte von 204.000 t. Im Vergleich zum Vorjahr (2,42 Mio. t) sind die chinesischen Weizenimporte  damit bis einschließlich Februar  84 % kleiner als 2014. Wichtigste Lieferanten waren bis dahin  Australien mit 138.000 t und Kanada mit 61.000 t. Kleinere Mengen kamen zudem aus Frankreich, den USA und Kasachstan. Deutlich größer waren bis Februar 2015 die chinesischen Importe von Gerste. Gerste haben die Chinesen in den ersten beiden Monaten des Jahres bereits 1,8 Mio. t am Weltmarkt gekauft und damit mehr als dreimal soviel wie im letzten Jahr. Allein im Februar lag die chinesische Importmenge bei Gerste bei 0,93 Mio. t. Die wichtigsten Lieferanten waren allerdings auch bei Gerste Australien mit 1,3 Mio. t und Kanada mit 0,2 Mio. t. Kleinere Mengen kamen zudem aus der Ukraine und aus Dänemark.
 
Neue Weizenernte (Mai/Juni) erneut in Rekordnähe
Die Aussaat von Winterweizen erfolgt in China im Oktober. Geerntet wird dann von Ende Mai bis Ende Juni. Etwa 95 % der gesamten chinesischen Weizenproduktion entfällt auf Winterweizen. Aussaatbedingungen, Niederschläge und Vegetationsverlauf für die neue Ernte 2015 in gut 2 Monaten waren bislang hervorragend und lassen ein sehr gutes Ergebnis erwarteten. Letzte Schätzungen von FAO geht für 2015 von einer Wiederholung der Rekordernte von 2014 von etwa 126,0 Mio. t aus, nach den  bisherigen Rekordernten von 126,2 Mio. t im Jahr 2014 und von 121,9 Mio. t vor zwei Jahren (2013). Angebaut wird der Weizen auf etwa 24,1 Mio. ha und damit auf einer ähnlich großen Fläche wie im letzten Jahr. Allerdings sollen die ohnehin schon vergleichsweise hohen Erträge wegen der guten Wachstumskonditionen  höher sein als im Vorjahr (5,23 t/ah) und als vor zwei Jahren (5,06).
 
Weizenimporte im Rahmen der Erwartungen
Im Wirtschaftsjahr 2013/14 Jahre hatte China trotz einer sehr großen Ernte von 121,9 Mio. t schon einmal erhebliche Qualitätsprobleme (Regen während der Ernte) beim Weizen und mussten 6,8 Mio. t (Qualitäts)-Weizen importieren. Im Jahr zuvor (2012/13) lag die Importmenge bei 3,0 Mio. t und in den sieben Jahren zuvor zwischen 0,1 Mio. t und 2,9 Mio. t. Für das zu Ende gehende Wirtschaftsjahr 2014/15 geht das USDA bislang von chinesischen Weizen-Importen von 1,5 Mio. t aus. Analysten halten angesichts der derzeitigen chinesischen Zukäufe auch Einfuhren von bis zu 2,0 Mio. t für möglich. Allerdings befinden sich die chinesischen Weizenbestände mit 60 Mio. t derzeit auf Rekordniveau und sollen nach der Ernte 2015 auf knapp 63,0 Mio. t anwachsen. Damit verfügt China über etwa ein Drittel der gesamten globalen Weizenbestände. Der chinesische Verbrauch lag zuletzt zwischen 121,0 Mio. t und 124,0 Mio. t (dav. etwa 23 Mio. t Futter) und würde durch Ernte und Bestände (anders als bei Gerste) problemlos gedeckt, wenn nicht größere Qualitätsprobleme auftreten.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
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