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Analyse

Deutsche Weizenpreise trotz guter Exporte gefallen

von , am
30.03.2015

Die Weizenpreise sind in Europa und den USA in der letzten Woche kräftig gefallen.

© landpixel
 
Die Weizenpreise sind in Europa und den USA in der letzten Woche kräftig gefallen. Dabei kam der Preisdruck vor allem aus den USA, wo der Winterweizen sich nach den Daten des letzten Crop-Monitorings in besserem Zustand befindet als vom Markt erwartet wurde. Erheblicher Druck auf die US-Weizenpreise ging zudem von den sehr schwachen Exportdaten der Amerikaner aus. Aus Wettbewerbsgründen drückt der Preisrückgang in den USA auch die europäischen Weizenpreise mit nach unten. Dabei laufen die europäischen Exporte weiterhin sehr gut.
 
Bessere Ernte in Russland, neue US-Anbaudaten 
Bärisch auf den internationalen Weizenmarkt wirkte außerdem auch die jüngste Ernteschätzung des Internationalen Getreiderates (IGC) der für 2015 von einer globalen Weizenernte deutlich über der Marke von 700 Mio. t ausgeht. Russische Analysten haben letzte Woche zudem die russische Ernte 2015 deutlich nach oben geschätzt. In dieser Woche (Dienstag) beschäftigen die neuen Anbaudaten aus den USA für die Ernte 2015 die Märkte und bestimmen die Richtung der Preise. Beim Weizen (insgesamt) rechnen die wichtigsten Analystenhäuser im Vergleich zum vorigen Jahr mit einem Rückgang der Aussaatfläche. Dabei rechnet man vor allem mit einer deutlich kleineren Winterweizenfläche als im vorigen Jahr. Gleichzeitig geht man jedoch von einer Ausweitung der Anbauflächen bei Hartweizen und Sommerweizen aus.
 
Weizenpreise geben empfindlich nach
Die Weizenpreise konnten sich am Freitag (27.03) am europäischen Terminmarkt in etwa auf dem Vortagsniveau behaupten. Der Maikontrakt für den MATIF-Weizen ging am Freitag mit 188,75 Euro/t aus dem Handel. Im Vergleich zur Vorwoche (196,75 Euro) sind die Preise an der MATIF damit um rund 4,1 % bzw. 8,00 Euro gefallen. Im Vergleich zum Vortag (188,50 Euro) sind die Preise um 0,1 % oder 0,25 Euro höher. Gleichzeitig ist der Weizen im Wochenverlauf deutlich unter die Marke von 190-Euro gefallen. Die neue Ernte (September) kostete am Freitag 188,0 Euro und damit 1,0 Euro mehr als am Vortag (187,0 Euro) und 5,25 Euro weniger als vor einer Woche (193,25 Euro).
 
Gleichzeitig sind die Preise für die neue Weizenernte (September) 0,75 Euro niedriger als die Preise für den aktuellen Mai-Kontrakt. Im Vergleich zum Vorjahr (201,50 Euro) sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt derzeit 12,75 Euro niedriger. Am Montag folgt der Weizen am europäischen Terminmarkt den festen Vorgaben aus Chicago und legt zum Handelsbeginn 1,0 Euro zu und notiert für den Maikontrakt bei 189,75 Euro und die neue Ernte wird bei bei 189,0 gehandelt und damit ebenfalls 1,0 höher .
 
USA: Weizenpreise mit hohen Wochenverlusten
Am vorigen Freitag (27.03) konnten sich die Weizenpreise (Maikontrakt) am Terminmarkt in Chicago etwas von ihren heftigen Verlusten der Vortage erholen. Der Maikontrakt ging mit einem Aufschlag von 1,7 % auf 507,6 Ct je Buschel (170,9 Euro/t) aus dem Handel. Im Wochenvergleich sind die Weizenpreise in Chicago damit jedoch trotzdem um 4,2 % oder gut 8 USD zurückgegangen. Für den in Kansas gehandelten proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter legten die Preise am Freitag um 1,8 % auf 553 US/t (186,1 Euro) haben im Wochenvergleich jedoch 3 % verloren. Am Montag Vormittag (MEZ) liegen die Weizenpreise in Chicago im elektronischen Handel erneut 0,6 % im Plus bei 510,6 Ct je Buschel (171,9 Euro).
 
An den US-Exporthäfen wurde der Chicago-Weizen am vergangenen Freitag für 229 USD/t (209 Euro) verladen. Das waren 10 USD weniger als vor einer Woche (239 USD). Für den proteinreichen Weizen der Sorte Hard Red Winter lagen die Preisforderungen an den US-Exporthäfen am Freitag bei 253 USD/t (232 Euro) und damit 8 USD niedriger als eine Woche zuvor (261 USD). Die Preisvorstellungen (fob) für die neue US-Ernte (August) lagen beim Chicago Weizen (SRW) bei 217 USD/t ( Vw: 226 USD) und beim Hard Red Winter bei 254 USD/t (Vw: 261 USD). Damit liegen die Preisvorstellungen für neuerntigen Weizen der Sorte SRW 12 USD/t niedriger als die aktuellen Preise und der proteinreiche HRW kostetet zur neuen Ernte eben so viel wie der April-Kontrakt
 
Weizenpreise am Kassamarkt gefallen
Am deutschen Kassamarkt sind die Weizenpreise in der letzten Märzwoche  kräftig gefallen, könnten sich jedoch am heutigen Montag wieder etwas erholen. Am vergangenen Freitag (27.03) handelte man den Brotweizen mit 12 % Protein am Exporthafen in Hamburg mit 192 Euro/t und damit 4 Euro niedriger als am Freitag zuvor (196 Euro). Für A-Weizen mit 13 % Protein wurden in Hamburg am Freitag nur noch 202 Euro/t geboten und damit sogar 9 Euro weniger als eine Woche (211 Euro) zuvor. Für E-Weizen mit 14 % Protein lagen die Angebotspreise im Schnitt bei 237 Euro und damit ebenfalls 5 Euro niedriger als eine Woche (241 Euro) zuvor.
 
Im Vergleich zu den Preisen vor einem Jahr sind die Preise für Brotweizen (210 Euro) derzeit 18 Euro niedriger. A-Weizen (211 Euro) kostet derzeit 9 Euro weniger, während für E-Weizen (221 Euro) immer noch 16 Euro mehr gezahlt werden. Gleichzeitig wurde Futterweizen in Hamburg am vorigen Freitag mit 184 Euro gehandelt und damit 1 Euro teurer als am Freitag zuvor (183 Euro) und 24 Euro preiswerter als vor einem Jahr (208 Euro). Beim größten europäischen Exporteur Frankreich, kostet der Brotweizen mit 11 % Protein am wichtigsten Handelsplatz in Rouen am heutigen Montag (27. März) 177 Euro und damit 4 Euro weniger als vor einer Woche (181 Euro/t).
 
Deutsche/Europäische Exporte laufen weiter gut
Die Exportverkäufe (Lizenzen) von Weizen aus der Europäischen Union in Drittländer blieben auch in der letzten Abrechnungswoche relativ hoch. Die EU-Kommission meldet für die Woche bis 24. März Exportverkäufe von 721. 000 t und damit einen Rückgang um 8 % gegenüber der Vorwoche (780.000 t). Deutsche Exporteure verkauften in der letzten Woche 266.000 t Weizen (Vw: 156.000 t) und aus Frankreich gingen 178.000 t (Vw: 455.000) in Drittländer, aus Polen 27.000 t (Vw: 90.000 t) und aus Rumänien 60.000 t ( Vw: 31.000 t). Die Gesamtausfuhrmenge Deutschlands liegt jetzt bei 6,3 Mio. t und Frankreich verkaufte auf 7,48 Mio. t. Insgesamt haben die Europäer im aktuellen Wirtschaftsjahr 2014/15 schon 24,4 Mio. t Weizen in Drittländer verkauft und damit 1,7 Mio. t mehr als im bisherigen Rekordjahr 2013/14 mit 22,7 Mio. t .
 
US-Weizen-Exporte fallen auf Jahrestief
Die Exportverkäufe der USA fielen in der letzten Woche auf die kleinste Menge im ganzen Wirtschaftsjahr. Das USDA meldet für die aktuelle Abrechnungswoche Exportverkäufe (netto, abzüglich Stornierungen) von 102.300 t Weizen. Das sind 74 % weniger als in der Vorwoche (391.900 t). Insgesamt haben die USA damit bis zum aktuellen Termin rund 22,7 Mio. t Weizen ins Ausland verkauft. Für das gesamte Wirtschaftsjahr 2014/15 erwartet das USDA US-Weizenexporte von 24,49 Mio. t und damit noch Ausfuhren von 1,79 Mio. t. Im vorigen Wirtschaftsjahr 2013/14 lag die US-Ausfuhrmenge zum aktuellen Termin bei 29,9 Mio. t und war damit 32 % oder 7,2 Mio. t größer.
 
Russische Getreideernte nach oben geschätzt
Das russische Analystenhaus SovEcon hat seine Schätzung zur russischen Getreideernte von zuvor 84 Mio. t auf 93 Mio. t (!!)  nach oben gesetzt (Vj: 105 Mio. t). Die neue Weizenernte 2015 erwartet SovEcon in einer Spanne von 51 Mio. t bis 56 Mio. t nach knapp 60 Mio. t im letzten Jahr. Russland hat im aktuellen Wirtschaftsjahr bis zum 25. März rund 19,35 Mio. t Weizen exportiert.
 
Dr. Olaf Zinke // Redaktionsleiter Markt
 
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