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Analyse

Deutscher Qualitätsweizen für den Export

von , am
14.08.2015

Gefragt ist dabei sowohl von den großen Abnehmern in der Europäischen Union als auch von wichtigen Importeuren am Weltmarkt proteinreicher deutscher Brot- und Qualitätsweizen.

Der Internationale Getreiderat setzte sowohl die globale Weizenernte als auch die weltweiten Weizenbeständen auf neue Rekordwerte nach oben. © Mühlhausen/landpixel
 
Deutschland ist nach Frankreich der größte Weizenexporteur der Europäischen Union. In den letzten sechs Jahren lagen die deutschen Ausfuhrmengen von Weichweizen je nach Erntemenge und internationaler Nachfrage zwischen 8,3 Mio. t und 13,3 Mio. t. Dabei wurden von den Gesamtausfuhren zwischen ein Drittel und der Hälfe in Drittländer verkauft. Gefragt ist dabei sowohl von den großen Abnehmern in der Europäischen Union als auch von wichtigen Importeuren am Weltmarkt proteinreicher deutscher Brot- und Qualitätsweizen. Für diesen Weizen wurde gerade in den letzten beiden Jahren in hohe Prämien im Vergleich zu dem im Schnitt meist deutlich proteinärmeren Weizen aus Frankreich und vom Schwarzen Meer gezahlt.
 
Damit haben sich deutsche Exporteure in den letzten Jahren ein Marktsegment erschlossen, für dass andere bedeutende Wettbewerber wie etwa Frankreich oder Russland nicht in ausreichendem Umfang über die entsprechenden Qualitäten verfügen. Unmittelbarer Wettbewerber sind hingegen Kanada und teilweise auch die USA und Australien. Kanadische Exporteure verkaufen ihren proteinreichen Sommerweizen oftmals bis nach Großbritannien, was für deutschen Qualitätsweizen ebenfalls ein sehr wichtiger Markt ist. Eine Verschlechterung der deutschen Weizen-Qualität (Proteingehalt) würde über die größere Konkurrenz im proteinärmeren Qualitätssegment (Frankreich, Russland) wohl auch den Preisdruck auf den deutschen Binnenmarkt erhöhen.
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Deutsche Exporte in die EU und in Drittländer
Ein Drittel bis die Hälfte der deutschen Weizenexporte gehen in andere EU-Länder die nicht über ausreichende Erntemengen oder nicht über die entsprechenden Qualitäten verfügen. Zu den wichtigsten Abnehmern in der Europäischen Union gehören nach der letzten ausführlichen Statistik des BLE die Niederlande mit Importen von 1,6 Mio. t sowie das Vereinigte Königreich und Belgien mit Importen von mehr als 1,0 Mio. t Weizen. Aber auch nach Frankreich wurden im Schnitt der letzten Jahre rund 0,5 Mio. t Weizen verkauft. Weitere wichtige EU-Importeure waren zuletzt Italien, Österreich, Polen und Dänemark.
 
Die wichtigsten Drittlandsmärkte für deutschen Qualitätsweizen waren zuletzt der Iran und Saudi-Arabien mit Importmengen von rund 1,0 Mio. t. Vor allem Saudi-Arabien kauft dabei Weizen mit mindestens 12,0 % bis 12,5 % Protein. Weitere wichtige Exportmärkte waren der Sudan, Marokko, Libyen, Algerien, der Jemen sowie Norwegen und die Schweiz. Ägypten als größter globaler Weizen-Importeur spielte für die deutschen Ausfuhren bislang keine große Rolle, denn die Mindestanforderung beim Protein liegt hier zwischen 11,0 % und 11,5 % und passen deutlich besser auf französische und russische Ware.
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Hohe Prämien für Qualitsweizen
Trotz der (vor allem in den letzten beiden Jahren) hohen Prämien für Qualitätsweizen hat sich der durchschnittliche Eiweißgehalt der deutschen Weizenernte in den letzten 5 Jahren kontinuierlich von 13,4 % (2010) auf durchschnittlich 12,2 % (2014) verschlechtert. Im gleichen Zeitraum ist allerdings der durchschnittliche Eiweißgehalt der französischen Weizenernte von 11,6 % auf nur noch 11,0 % zurückgegangen. Französischer Standardweizen für den Export wird am wichtigsten Handelsplatz in Rouen nur mit einem Eiweißgehalt von 11,0 % notiert. Am deutschen Exporthafen Hamburg werden die Preise für „normalen“ Brotweizen hingegen mit 12,0 % Eiweiß ausgewiesen (in Rostock mit 11,5 %). Der Standardpreis für A-Weizen basiert am Exporthafen Hamburg auf einem Eiweißgehalt von 13,0 % und für E-Weizen sind 14 % Eiweiß gefordert.
 
Mitte August 2015 wurde 12-prozentiger Brotweizen der neuen Ernte am Exporthafen Hamburg mit 185 Euro notiert, A-Weizen kostete zum gleichen Zeitpunkt 194 Euro und E-Weizen 213 Euro. Damit betrug die Prämie für A-Weizen gegenüber Brotweizen 6 Euro je t und für E-Weizen 25 Euro je t. Der 11 %tige Brotweizen im französischen Rouen wurden zum gleichen Zeitpunkt mit 173 Euro gehandelt und war damit sogar preiswerter als der Futterweizen in Hamburg (178 Euro). Vor einem Jahr im August 2014 lagen die Preise für Brotweizen in Hamburg ebenfalls bei 188 Euro, für A-Weizen bei 194 Euro, für E-Weizen jedoch nur bei 203 Euro und damit lediglich 15 Euro über den damaligen Brotweizenpreisen. Allerdings waren die Prämien für deutschen E-Weizen im Jahresverlauf auch schon deutlich höher und lagen etwa Ende Juni/Anfang Juli immerhin bei 40 Euro.
 
Dr. Olaf Zinke
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